UBS und Credit Suisse
Schweiz verschärft Kapitalregeln für Banken

Die Schweizer Banken sollen krisensicherer werden. Deshalb hat die Regierung die Kapitalvorschriften für Großbanken hochgeschraubt. Der Credit-Suisse-Chef stimmt die Aktionäre auf ein schwieriges Jahr 2016 ein.

ZürichDie Schweiz prescht bei der Verschärfung der Kapitalvorschriften vor. Ab Ende 2019 müssen UBS und Credit Suisse eine Verschuldungsquote von mindestens fünf Prozent erfüllen, wie die Regierung am Mittwoch erklärte. Damit sollen die Banken krisensicherer gemacht werden. Bisher wurden 3,1 Prozent gefordert. Die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) beschreibt das Verhältnis zwischen Eigenkapital und Bilanzsumme und nimmt anders als die übrigen Eigenkapitalregeln keinen Bezug auf die Risiken, die mit den jeweiligen Geschäften verbunden sind.

Angesichts von Bilanzsummen in der Größenordnung von 1000 Milliarden Franken könnten die beiden Institute bei einer Verschuldungsquote von fünf Prozent Verluste von jeweils rund 50 Milliarden Franken überstehen, erklärte der Chef der Finanzmarktaufsicht, Mark Branson. Die Zahl sei nicht willkürlich gewählt worden. In der Finanzkrise erlitt die UBS einen Verlust in dieser Größenordnung und musste vom Staat gerettet werden. UBS und Credit Suisse sind verglichen mit der Schweizer Volkswirtschaft enorm groß. Die mögliche Schieflage einer dieser Institute bedroht deshalb das ganze Land. Entsprechend wichtig sind sicherere Banken für die Schweiz.

Neben den Eigenmitteln, die zur Deckung eines Verlusts gedacht sind, müssen die Banken im Notfall weitere fünf Prozent der Bilanzsumme lockermachen können („Bail-in-Instrumente“), indem sie die Gläubiger zur Kasse bitten. Diese Mittel sollen dazu dienen, ein Institut zu sanieren oder geordnet abzuwickeln. Denn die wichtigsten Funktionen wie der Zahlungsverkehr müssen zu jeder Zeit aufrecht erhalten werden können, so die Überlegungen der Aufseher. Bei dieser Kapitalklasse lege die Schweiz als erstes Land überhaupt verbindliche Anforderungen fest. „Sie nimmt damit eine Führungsrolle ein“, erklärte Branson.

Das Finanzministerium will nach einer Anhörung der Regierung im ersten Quartal 2016 die detaillierte Verordnung vorlegen. Mit wesentlichen Änderungen rechnen Insider allerdings nicht mehr. Hinter der Verschärfung stehen nicht nur die Regierung und die Finanzmarktsicht, sondern auch die Schweizer Notenbank.

Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam erklärte auf einer Investorenkonferenz, seine Bank habe sich auf die Verschärfung der Verschuldungsquote eingestellt. Ähnlich äußerte sich vor wenigen Tagen UBS-Präsident Axel Weber: "Ich bin zuversichtlich, dass die UBS mit ihrer guten Ausgangslage die künftigen Standards erfüllen wird, wenn diese vernünftig und mit Augenmaß gewählt werden."

Der neue Credit-Suisse -Chef Tidjane Thiam stimmt die Aktionäre auf ein schwieriges Jahr 2016 ein. „2016 wird kein gutes Jahr – mit allem was wir geplant haben{, sagte er am Mittwoch bei einer Investorenpräsentation in London. Die Bank müsse die Kosten für ihren Umbau verdauen, bei dem unter anderem das Investmentbank-Geschäft eingedampft werden soll. Daher wolle er die Erwartungen der Investoren nicht zu hoch hängen. „Aber danach fangen wir hoffentlich an, die Trends zu sehen, die das Geschäft 2017 und 2018 ankurbeln“, sagte Thiam.

Bis auf kleinere Übernahmen in der Schweiz seien Zukäufe derzeit nicht auf der Agenda. Die Credit Suisse sei mit ihrem Umbau beschäftigt, sagte Thiam.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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