UBS und Société Générale
Der Fluch von "Delta One"

Kweku Adoboli und Jérôme Kerviel haben ihre Banken, UBS und Société Générale, um Milliarden erleichtert. Beide waren auch Händler des Wachstumsgeschäfts für Investmentbanken Delta One. Das steht nun in der Kritik.

LondonDer Name mag an schlechte amerikanische Actionfilme erinnern, doch hinter dem ominösen Kürzel Delta One verbirgt sich ein lukratives Wachstumsgeschäft für die internationalen Investmentbanken. Jetzt ist dieses Geschäft allerdings ins Zwielicht geraten. Nicht nur Kweku Adoboli, der junge Händler, der die Schweizer Großbank UBS um zwei Milliarden Dollar gebracht haben soll, war ein Delta-One-Händler, auch Jérôme Kerviel, der 2008 bei der Société Générale Verluste von 4,9 Milliarden Euro anhäufte, gehörte zu der wenig bekannten Spezialtruppe.

Im Prinzip verdienen die Delta-One-Abteilungen der Banken ihr Geld damit, dass sie Derivate handeln, die die Entwicklung bestimmter Wertpapiere möglichst genau abbilden. Dabei kann es um alle Arten von Anlagen gehen, von Aktien über Währungen bis zu Rohstoffen. Anders als Optionen arbeiten diese Konstruktionen nicht mit einem Hebel. Steigt oder fällt der Preis des zugrunde liegenden Wertpapiers, bewegt sich der Kurs des Delta-One-Produkts im Idealfall um den gleichen Prozentsatz.

"Das Geschäft ist äußerst komplex und einer der wenigen Bereiche, in dem die Geldhäuser nach der Finanzkrise noch größere Risiken auf eigene Rechnung eingehen", erläutert ein Londoner Trader und fügt hinzu: "Fast sieht es so aus, als würde auf Delta One ein Fluch lasten, der nach der Société Générale jetzt auch die UBS eingeholt hat."

Typische Delta-One-Produkte sind Derivate wie Swaps oder Forwards, die Großinvestoren zum Spekulieren oder zum Absichern ihrer Portfolios nutzen. Aber auch börsengehandelte Indexfonds zählen zum Delta-One-Arsenal, und sowohl Adoboli als auch Kerviel waren im Geschäft mit diesen "Exchange Traded Funds" (ETFs) aktiv.

Die ETFs bilden die Entwicklung an einer Vielzahl von Wertpapier- und Rohstoffmärkten ab und haben einen beispiellosen Siegeszug hinter sich. In nicht einmal 20 Jahren explodierte der Markt auf 1,7 Billionen Dollar. Zuletzt geriet das ETF-Geschäft allerdings in den Fokus der Regulierer. Die britische Finanzaufsicht FSA fürchtet, dass der boomende Markt zum Risiko für das Finanzsystem werden könnte.

Im Sommer kündigte die FSA deshalb eine genaue Überprüfung des ETF-Marktes an. Dabei sorgt sich die FSA vor allem um sogenannte synthetische ETFs, mit denen die Fonds bestimmte Indizes nicht durch den Kauf der darin enthaltenen Wertpapiere, sondern durch komplexe Derivategeschäfte abbilden. Das Baseler Financial Stability Board, das die internationale Staatengemeinschaft in Sachen Finanzreformen berät, warnte bereits, dass solche Konstruktionen die Anbieter dazu verführen könnten, riskante Wertpapiere in den ETFs zu parken.

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