UBS

Verwaltungsratssitzung wurde verlängert

Eigentlich sollte die Verwaltungsratssitzung der Schweizer Großbank UBS am Freitag zu Ende gehen. Aber der Handelsskandal in London bietet wohl mehr Gesprächsstoff als geplant.
Update: 23.09.2011 - 17:07 Uhr Kommentieren
Eigentlich hätte die UBS-Verwaltungsratssitzung am Freitag enden sollen. Quelle: AFP

Eigentlich hätte die UBS-Verwaltungsratssitzung am Freitag enden sollen.

(Foto: AFP)

Singapur, ZürichDer Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS wird sich auch am Wochenende mit den Folgen des Handelsskandals in London und der Zukunft des Investmentbanking beschäftigen. Die Sitzung der UBS-Kontrolleure in Singapur, die den ursprünglichen Plänen zufolge am Freitag abgeschlossen sein sollte, sei nur unterbrochen worden, sagte ein UBS-Sprecher in Zürich. „Das Treffen wurde nur für den Tag beendet“, erklärte er. Damit gehen die Beratungen am Samstag weiter.

Am späten Nachmittag Ortszeit hatten die Verwaltungsräte das Hauptgebäude der Bank in Singapur verlassen und waren in ihr Hotel zurückgekehrt. Ein Mitglied der Konzernleitung hatte gesagt, er glaube, die Sitzung sei vorüber. Wenig später kam UBS-Konzernchef Oswald Grübel in Freizeitkleidung durch die Lobby des Hotels. Auf Fragen von Journalisten hatte er nur mit einem wortlosen Kopfschütteln reagiert.

Wer ist Schuld am Finanzdesaster der UBS?
APTOPIX Britain UBS
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Ein einzelner UBS-Händler verzockt zwei Milliarden Dollar, und keiner hat etwas bemerkt? Dieses Szenario scheint angesichts des riesigen Schadens undenkbar. Nun müssen sich die Vorgesetzten des Händlers (das Foto zeigt Kweku Adoboli mit Polizisten in London) einige unbequeme Fragen gefallen lassen.

UBS CEO Gruebel reacts during a press conference in Zurich
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"Ich habe die Verantwortung für alles, was in  der Bank passiert - ich fühle mich aber nicht schuldig": Der Vorstandsvorsitzende Oswald Grübel hat Rücktrittsforderungen als "politisch motiviert" bezeichnet. Der Deutsche Grübel hatte die Führung der UBS mitten in der Finanzkrise übernommen und die angeschlagene Bank bis 2010 aus der Verlustzone geführt. Seit Bekanntwerden der illegalen Geschäfte steht er er zunehmend unter Druck. Warum konnte die Bank die nichtautorisierten Geschäfte des Zockers übersehen?

UBS Appoints Misra, Psyllidis as Co-Heads of Fixed-Income Unit
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Carsten Kengeter, Leiter des UBS-Investmentsgeschäfts, ist selbst eine ausgewiesene Händlernatur. Bevor er bei UBS für ein Spitzengehalt anheuerte, war er Händler bei Goldman Sachs. Nun gab es in der Abteilung des 43jährigen ein finanzielles Desaster - dabei sollte das Investmentbanking eigentlich die Bilanz von UBS nachhaltig verbessern. Die UBS musste kleinlaut davor warnen, der Milliardenschaden könne auch zu einem Verlust in der Quartalsbilanz der Bank führen ...

Schockierender als die Höhe des Schadens ist aber wohl mehr die Tatsache, dass die UBS offensichtlich die Risiken nach wie vor nicht kontrollieren kann.

Chairman Villiger of Swiss bank UBS arrives for a news conference in Zurich
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Während sich die übrigen UBS-Spitzenkräfte bedeckt halten, spricht Aufsichtsratsvorsitzender Kaspar Villiger (vorne) Klartext: Der Skandal komme zur Unzeit, sagt Villiger, der in der Vergangenheit vor allem mit der Neuausrichtung der Bank beschäftigt gewesen war. Er sei eigentlich wirklich überzeugt, dass es der UBS-Führung gelungen sei, das Risikomanagement und die Kontrolle auf die Höhe der Zeit zu bringen, sagt Villiger der „Neuen Zürcher Zeitung“. Die Tatsache, dass so etwas trotzdem habe passieren können, zeige, dass es noch Lücken gebe, die geschlossen werden müssten.

huGO-BildID: 23382734 Maureen Miskovic, UBS
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Auch Maureen Miskovic, die für das Risikomanagement der UBS-Gruppe verantwortlich ist, wird sich einiges anhören müssen. "Dank ihrer umfassenden Erfahrung im Risikomanagement wird Maureen Miskovic die soliden Grundlagen der neuen Risikoorganisation von UBS weiter festigen und optimieren. Wir freuen uns, dass sie ihre Führungsstärke im Risikomanagement intelligent, umsichtig und proaktiv einbringen wird", hatte ihr direkter Vorgesetzter Oswald Grübel noch zu Jahresbeginn geschwärmt. Mit der Schwärmerei dürfte es nun vorerst vorbei sein.

huGO-BildID: 10268442 David Sidwell, neuer
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Der Verwaltungsrat David Sidwell soll nun die Untersuchung des Skandals leiten. Seine Kommission soll herausfinden, warum die Machenschaften des Händlers über Jahre nicht auffielen und ob es noch weitere Beteiligte gibt. Zusätzlich wird eine externe Firma die internen Vorgänge bei UBS unabhängig prüfen. Vor seiner Zeit bei UBS war Sidwell erfolgreich für Morgan Stanley tätig, leitete dort eine große Abteilung von Finanzexperten.

Still image from video of John Adoboli, father of UBS rogue trader Kweku Adoboli, speaking in his home in Tema
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Auch John Adoboli, der Vater des Verdächtigen, muss sich Fragen zu seinem Sohn gefallen lassen. Der frühere UN-Mitarbeiter äußerte sich gegenüber der Zeitung "Daily Mail" bestürzt: "Wir sind besorgt, denn wir sind eine anständige und hart arbeitende Familie, ebenso wie Kweku." Er wünsche sich nichts sehnlicher, als mit seinem Sohn zu sprechen, so der Vater, um herauszufinden, wie er in diese Situation kommen konnte.

Der "Tages-Anzeiger" hatte berichtet, Grübel wolle die Sitzung des Verwaltungsrates zu einer Vertrauensabstimmung über seine Position und den künftigen Kurs der Bank machen. Stelle sich der Verwaltungsrat nicht eindeutig hinter Grübel, werde er wohl abtreten. Am Wochenende hatte der Deutsche einen Rücktritt wegen des mutmaßlichen Milliardenbetrugs aber zurückgewiesen.

Die UBS hatte vergangene Woche bekannt gegeben, dass einer ihrer Londoner Händler der Bank durch illegale Geschäfte einen Verlust in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar (1,7 Milliarden Euro) einbrockte. Festgenommen und wegen Betrugs angeklagt wurde der UBS-Händler Kweku Adoboli.

  • rtr
  • afp
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