Übernahme von 360T
Deutsche Börse schluckt Devisenplattform

Börsenchef Kengeter expandiert und kauft für 725 Millionen Euro die Devisenplattform 360T. Damit ist 360T das wohl teuerste deutsche Start-up aus der Finanzbranche. Dabei wäre es beinahe ganz anders gekommen.
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FrankfurtDie Geschichte von 360T hätte schnell vorbei sein können - nun schreibt sie ein neues Kapitel. Die Deutsche Börse übernimmt die Devisenhandelsplattform mit Sitz in Frankfurt für 725 Millionen Euro. Das gab der Börsenbetreiber am Sonntag bekannt. Der neue Börsenchef Carsten Kengeter sticht damit die Konkurrenz der US-Börse CME aus und expandiert in ein Geschäftsfeld, das bislang vor allem abseits der Börsen stattfindet: Den Devisenhandel.

Dabei waren die Anfänge bescheiden. Als der ehemalige Dresdner-Kleinwort-Banker Carlo Kölzer vor 15 Jahren mit Freunden die Devisenplattform 360T gründete, war die Dot-Com-Blase gerade am Platzen. „Wir waren eine der letzten Firmen, die es noch durch die Tür geschafft hat“, sagte Kölzer kürzlich vor anderen Firmengründern in Frankfurt. Das Hauptquartier befand sich zunächst über einem griechischen Restaurant in Frankfurt, die Computer standen auf einer Bierkiste. Mehrfach drohte die Pleite. Um die Durststrecke zu überbrücken, steuerten Freunde und Verwandte Geld bei. „Viele davon verstanden wohl nicht einmal, was wir da eigentlich machen“, erinnert sich Kölzer.

Seitdem hat sich viel geändert. Der Deal macht 360T zum wertvollsten deutschen Start-up aus der Finanzszene. Heute wickeln laut 360T ganze 29 von 30 Dax-Unternehmen ihre Währungsgeschäfte über die Plattform ab. Darunter zum Beispiel auch der Gesundheitskonzern Fresenius. „Die Plattform bietet den großen Vorteil, dass wir gleichzeitig bei mehreren Banken einen Preis anfragen und dann den günstigsten Anbieter auswählen können“, sagt Dirk Schreiber, der das Devisengeschäft des Gesundheitsriesens leitet, der Nachrichtenagentur Reuters.

Insgesamt wird am Devisenmarkt täglich die Summe von rund fünf Billionen US-Dollar bewegt. Der Großteil des Handels findet dabei unmittelbar zwischen zwei Vertragspartnern statt, doch elektronische Handelsplattformen gewinnen an Bedeutung. Laut dem Branchenblatt „Euromoney“ liegt 360T unter den Devisenplattformen mit einem Marktanteil von 15 Prozent auf Platz drei. Marktführer ist Thomson Reuters (37 Prozent), gefolgt von State Street (16 Prozent).

Im vergangenen Jahr wurden über 360T pro Tag im Schnitt Geschäfte mit einem Volumen von 90 Milliarden Euro abgewickelt.

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