Übernahmen und Fusionen: Für Konzerne tickt die Uhr

Übernahmen und Fusionen
Für Konzerne tickt die Uhr

Die Krise zeigt Wirkung: Europas Unternehmen trauen sich derzeit kaum Übernahmen zu. Doch das ist riskant, warnt Stephan Leithner von der Deutschen Bank. Die Firmen brauchen mehr Mut.
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Seit über einem halben Jahr halten sich europäische Unternehmen nun schon zurück. Börsengänge sind Mangelware, und an Fusionen und Übernahmen trauen sich die Konzerne kaum heran. Das müsse sich ändern, meint Stephan Leithner von der Deutschen Bank: "Auf Dauer kann es die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gefährden, wenn Expansionsmöglichkeiten oder Akquisitionen nicht in Angriff genommen werden."

Der Österreicher Leithner hat beste Chancen, in den Vorstand aufzurücken, wenn zur Hauptversammlung im Mai der Inder Anshu Jain und der Deutsche Jürgen Fitschen an die Spitze der Deutschen Bank rücken und den Schweizer Josef Ackermann ersetzen. Bislang führt Stephan Leithner noch das Investment-Banking im Heimatmarkt und ist zugleich zuständig für Firmenkunden weltweit.

Ihn besorgt, dass in den ersten Wochen dieses Jahres groß angekündigte Übernahmen kleinlaut wieder abmoderiert wurden. Zum Beispiel der Verkauf der amerikanischen Telekom-Tochter T-Mobile an den Konkurrenten AT&T, mit einem Volumen von knapp 40 Milliarden Dollar die größte der geplanten Transaktionen. Anfang Januar scheiterte der Deal genauso wie die milliardenschwere Fusion von Deutscher Börse und New York Stock Exchange. In beiden Fällen hatten die Kartellbehörden Einspruch erhoben. Dagegen konnten Telekom-Chef René Obermann und Reto Francioni von der Deutschen Börse nicht viel ausrichten - sie zogen den Kürzeren.

Doch langsam keimt neue Hoffnung - auch bei Stephan Leithner. Der ehemalige McKinsey-Mann setzt auf das verbesserte Marktumfeld nach dem rekordreifen Anstieg des Dax von über zwölf Prozent seit Anfang des Jahres. "Das Vertrauen kommt angesichts der vielfach guten Jahresstarts der Unternehmen endlich wieder zurück", sagt der Banker.

Leithner macht zwar wenig Aufhebens um seine Person, gilt aber als effektiver Mann im Hintergrund: So brachte der begeisterte Skifahrer die Deutsche Bank im Geschäft mit Firmenkunden weltweit unter die größten fünf. In Deutschland zählt er zu den erfolgreichsten Strippenziehern der heimischen Wirtschaft. Bei Provisionseinnahmen ist der Deutschen Bank zu Hause kaum Platz eins in der Rangliste der am besten verdienenden Banken zu nehmen. So auch im vergangenen Jahr, als das Institut nach Berechnungen des Finanzdatenanbieters Thomson Reuters mit 254 Millionen Dollar über ein Fünftel mehr im Investment-Banking verdiente als die Nummer zwei, Goldman Sachs.

Leithner baut auf ein besseres Marktumfeld - und darauf, dass sich eine Lösung für das griechische Schuldendilemma anbahnt. Zugleich hofft er, dass es auch in den anderen europäischen Krisenstaaten zu einer schrittweisen Beruhigung der Situation kommt. "Anfang April wird man einen frischen Blick auf die Banken werfen und beurteilen, wie sich die Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank auf deren Situation ausgewirkt hat", sagt er.

Die Rahmenbedingungen vor der nächsten Hilfsaktion der EZB in dieser Woche sind gut. Und auch Commerzbank-Chef Martin Blessing gelang es am vergangenen Donnerstag bei einer Pressekonferenz, Zweifel an der Zukunft des angeschlagenen Instituts aus dem Weg zu räumen. "Im zweiten Quartal gibt es gute Chancen für einen neuen Ton, dafür, Vertrauen wieder aufzubauen und den Stau an strategischen Themen in den Unternehmen aufzulösen", urteilt der Banker.

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Kommentare zu " Übernahmen und Fusionen: Für Konzerne tickt die Uhr"

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  • Ist mir durchaus klar warum er dieser Meinung ist. Wer nicht Fusioniert braucht keine Banker. Hier geht's einfach um seine Stelle. Die einzigen die bisher im M&A verdient haben, waren die Banken.

  • Stimmt! Die Deutsche Bank ist mit einer Market Cap von rund 30 Mrd. billig wie eine Peanuts-Tüte. Da wirkt die Coba mit ihrer Market Cap von rund 10 Mrd. fast schon teuer. Aber wer kauft sich eine Erdnußtüte mit hohlen Nüssen?

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