Überraschender Aktienrückkauf: Krisenopfer Swiss Re wird wieder mutiger

Überraschender Aktienrückkauf
Krisenopfer Swiss Re wird wieder mutiger

Der zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re will weniger Kapital vorhalten und lieber Aktien zurückkaufen. Diese Strategiewende vollzog das Management jedoch nicht offiziell, sondern kündigte sie beim Branchentreffen in Monte Carlo nebenbei an. Da der Aktienkurs sofort um fünf Prozent anzog, wurden viele Profis kalt von dem Kurssprung erwischt.
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MONTE CARLO. Analysten fühlten sich „überrumpelt“. Manche waren eigens zum Branchentreff gereist, um persönlich dem Management zu lauschen. Doch offiziell war der Aktienrückkauf kein Thema. Das änderte sich schlagartig, als ein Interview von Finanzchef George Quinn mit der Nachrichtenagentur Bloomberg kursierte.

Erst erhält Warren Buffett sein Geld, dann kommen Rückkäufe

„Im Moment haben wir zu viel Kapital“, sagte Quinn. Wenn die Nothilfe des Investors Warren Buffett zurückgezahlt sei, „denken wir an andere Formen der Kapitalheimführung wie Rückkäufe für Stammaktionäre“. Dieser Satz schlug ein. Denn Kenner machten folgende Rechnung auf: Etwa zehn Mrd. Dollar Kapital hat Swiss Re auf der hohen Kante – Geld, das nicht gebraucht wird und Überschusskapital genannt wird. Etwa ein Drittel davon würde Buffett nächstes Jahr bekommen. Das wäre die Rückzahlung der Wandelanleihe, mit der Buffett den Schweizern vor zwei Jahren aus der Patsche geholfen hat. Ohne dessen Milliardenspritze, zu zwölf Prozent verzinst, hätte das Swiss-Re-Management in der Finanzkrise wohl den Staat um Hilfe bitten müssen.

Mindestens ein weiteres Drittel des überschüssigen Kapitals hält Swiss Re vor, um die Ratingagentur Standard & Poor's zu beeindrucken. Diese hatte in der Finanzkrise das so begehrte AA-Rating entzogen, weil die Schweizer sich mit neuartigen Finanzinstrumenten in Amerika verhoben hatten und Milliardenbeträge abschreiben mussten. Ende 2008 sank das Eigenkapital unter das geforderte Maß. Erfahrungsgemäß kann es mehrere Jahre dauern, bis solch eine Herabstufung wieder rückgängig gemacht wird.

Frei verfügbar bleibt unter dem Strich ein Rest von 1,5 bis 3,5 Mrd. Dollar. Da die Preise auf den Märkten der Rückversicherer sinken, lohnt sich das Neugeschäft aktuell nicht so sehr. Die Rückversicherer haben Angst vor schlechten Verträgen, die später zu Verlusten führen.

Zu viel freies Kapital kommt bei Investoren aber auch schlecht an, weil es die Gewinnchancen begrenzt und die Kursphantasie der Aktie dämpft.

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