Überschuss deutlich gesteigert
Allianz nach Gewinnzuwachs selbstbewusst

Voller Stolz über ein gutes Ergebnis hatte der Versicherungskonzern Allianz schon Ende Oktober erste Eckdaten zum Quartal gegeben. Doch die Diskussion über angeschlagene Lebensversicherer könnte den Ausblick vermiesen.
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MünchenStarke Zuwächse in der Vermögensverwaltung sowie der Lebens- und Krankenversicherung haben die Allianz im dritten Quartal 2012 angetrieben. In beiden Sparten seien operative Ergebnisverbesserungen von knapp 60 Prozent erzielt worden, teilte Europas größter Versicherer am Freitag mit. Der Umsatz legte knapp fünf Prozent auf 25,2 Milliarden Euro zu. Der Konzern bekräftigte daher seine kürzlich erhöhte Gewinnprognose – trotz voraussichtlicher Belastungen aus dem US-Hurrikan „Sandy“.

Die Lebensversicherung profitierte von einem wesentlich höheren Anlageergebnis. „Im anhaltend schwierigen Marktumfeld für das Lebens- und Krankenversicherungssegment konzentrieren wir uns weiter auf die Qualität unseres Portfolios”, sagte Allianz-Vorstandsmitglied Oliver Bäte. In dieser Woche hatte die Diskussion die Runde gemacht, dass die anhaltend niedrigen Zinsen einige Lebensversicherer in Deutschland gefährden könnten.

Die Bundesregierung sorgt sich um deren Stabilität. In einem Papier des Bundesfinanzministeriums, das dem „Handelsblatt“ vorliegt, wird die Schieflage von Instituten nicht ausgeschlossen. Im Falle einer Inflation bestehe sogar die „Gefahr eines Runs“ - eines Wettlaufs aus den dann unattraktiven Policen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, „dass einzelne Unternehmen künftig in Schwierigkeiten geraten“, heißt es in dem fünfseitigen Protokoll einer Expertenrunde im Finanzministerium.

Insgesamt musste die Allianz von Juli bis September deutlich weniger Wertberichtigungen von 56 (Vorjahr 931) Millionen Euro verkraften. Sowohl bei festverzinslichen Wertpapieren als auch Aktien verbesserte sich die Lage spürbar. Die Vermögensverwaltung mit Investments von 1,8 Billionen Euro verdankte ihren Erfolg dem US-Staatsanleihenhändler Pimco, der weltweit wächst.

Im Kernsegment Schaden/Unfall-Versicherung kam die Allianz auf ein operatives Ergebnisplus von gut vier Prozent, weil größere Belastungen durch Naturkatastrophen ausblieben. Die Schaden/Kosten-Quote verbesserte sich um 1,3 Punkte auf 96,3 Prozent. Bei Werten von unter 100 Prozent sind Zahlungen für Schäden und die Verwaltung noch durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

Der Versicherer hatte bereits Ende Oktober veröffentlicht, den operativen Quartalsgewinn auf 2,5 (1,9) Milliarden und den Überschuss auf 1,4 Milliarden (258 Millionen) Euro gesteigert zu haben. Die Münchner hatten zudem die Jahresprognose erhöht und rechnen im Tagesgeschäft nun mit mehr als neun Milliarden Euro Gewinn - nach den ersten neun Monaten sind es 7,22 Milliarden. Daran werde voraussichtlich auch der Hurrikan „Sandy“ nichts ändern, hieß es. Eine konkrete Schätzung gab es aber nicht.

Der Wirbelsturm wird den weltgrößten Rückversicherer Munich Re und viele lokale Assekuranzen an der US-Ostküste hart treffen. „Sandy“ hatte auf einer ungewöhnlich breiten Front gewütet und vor allem im gut versicherten New York immense Schäden verursacht.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Allianz nach Gewinnzuwachs selbstbewusst?!
    Hier stellt sich die Frage, unter welchen Kriterien dieses Ergebnis zustande gekommen ist.
    Ein Fall ist die ACP. Es gibt bestimmt noch weitere Fälle.
    Soviel mir bekannt ist, gehört die ACP (Allianz Capital Partner) auch zur Allianzgruppe. Diese war auch an MANroland zu ca.75% beteiligt. Das haben die meisten Leute bestimmt schon vergessen! Hier hat Allianz ganze Arbeit geleistet, so wenig Staub wie möglich aufwirbeln.
    Die Firma Schlecker war hier nicht so geschickt, ist aber auch kein Konzern gewesen.
    Zur Erinnerung: 4 Tage vor Gehaltzahlung + Weihnachtgeld ist die Insolvenz bei Manroland eingetreten. Diese Kosten und auch sonstige Kosten musste der Steuerzahler übernehmen. Lieferanten und ehemalige Mitarbeiter warten immer noch auf die Erfüllung Ihrer Forderungen. Hier sind bestimmt sehr viele Millionen gespart worden. Politik und Presse hätte hier mehr tun müssen.
    Tolles Ergebnis das Allianz hier erwirtschaftet hat, dagegen stehen ja nur einzelne Schicksale/Familien. Bei solchen Zahlen sollte man sich wirklich überlegen, ob man seine Investitionen nicht doch lieber sauber und ordentlich abwickelt, auch oder gerade weil, viele Betroffene auch noch Kunden bei der Allianz sind. Aber es gab noch nicht einmal „Negativpropaganda“ für die Allianz. Warum sollte sie dann Ihre Gewinne schmälern?!
    Ein „Hoch“ auf die Firmenkultur der Allianzgruppe. Hier hätte ich dem Allianz-Konzern mehr Verantwortungsbewusstsein zugetraut.
    Übriges, der damalige Vorstand Paul Achleitner ist jetzt Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank.

  • Meine Kritik bezog sich eindeutig auf die Äußerungen von vandale, nicht die weiteren Äußerungen von Hermann.

    Aber auch Sie sehen die Sache nicht ganz richtig. Den Vertretern wird nicht gekündigt, sie wechseln von sich aus zum Mitbewerber. Bei den Entlassungen der Allianz handelt es sich um die Verschlankung des Innendienstes, das ist genau das, was dem Konzern ständig vorgeworfen wird, dass es zu viel Personal bindet, was letztendlich über die Beiträge refinanziert werden muss.

  • @meyer2011 es ist aber schon bezeichnend, dass die Allianz der führende Dax - Konzern in diesem Jahr 2012 ist, der bisher die meisten Arbeitsplätze laut Statistik gestrichen hat. Dazu kommt noch das der Außendienst schon lange über ein Tochterunternehmen ausgelagert ist und dort fröhlich in diesem Jahr die Vertriebsmitarbeiter massiv bundesweit Ihren Handelsvertretervertrag gekündigt bekommen. Im Innendienst und Außendienst herrscht nur noch Frust und das Versicherungsgeschäft spielt bei der Allianz nur noch eine untergeordnete Reihe. Das zeigt sich auch dadurch, dass die Kundenbestände vom Außendienst immer mehr zum Ziel von Maklerpools werden. Da können sich die Mitarbeiter ja beim Vorstand beschweren wie Sie wollen, aber genau diese Vorstände haben erkannt, dass eine Betreuung über Maklerpools für die Allianz preiswerter ist und es keine Vertragskündigungen der Allianzkunden von Maklern hagelt.

    Hauptsache die Vorstände können sich jedes Jahr Ihre Bezüge erhöhen und die Dividende der Aktionäre stimmt.

    Dazu mal ein lustiges Satire - Video:

    http://www.youtube.com/watch?v=8JaUm0lKRn0

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