Überwachung der Finanzaufsicht
Mitlauschen gegen krumme Praktiken

Die britische Finanzaufsicht will im Kampf gegen den Insiderhandel strengere Regeln für Banker. In bestimmten Fällen sollen Telefongespräche abgehört und Mails gelesen werden können – zum Wohle der Transparenz.

LondonEs ist eine Klage, die der britische Ombudsmann für die Finanzbranche offenbar besonders häufig zu hören bekommt: Beim Kauf von Anlageprodukten fühlen sich Privatkunden schlecht beraten und in riskante Investitionen gedrängt. Darauf will die britische Finanzaufsicht FCA reagieren und die Überwachung von Telefongesprächen auf Berater ausdehnen, die Finanzprodukte an den Mann bringen. Das hat die Behörde in einem am Donnerstag veröffentlichten Diskussionspapier vorgeschlagen. Man gehe davon aus, dass dieses Vorgehen helfen werde, den Verbraucherschutz zu verbessern, heißt es darin.

In dem Diskussionspapier geht die FCA aber auch auf andere Marktsegmente ein und schlägt beispielsweise im Kampf gegen Insiderhandel schärfere Regeln für Bankmitarbeiter vor. Auch deren Telefonate und E-Mails sollen in bestimmten Fällen überwacht und aufgezeichnet werden – etwa wenn sie Firmenkunden bei Kapitalerhöhungen oder Fusionen beraten.

Hintergrund all dieser Vorschläge ist die Umsetzung der neuen EU-Wertpapierrichtlinie Mifid II, die den Finanzmarkt transparenter und effizienter machen soll. Die neuen Vorgaben sollen ab Januar 2018 gelten. 

Nach einer Studie der Experten von IHS Markit wird es die Finanzbranche im nächsten Jahr voraussichtlich mehr als zwei Milliarden Dollar kosten, Mifid II vorzubereiten. Die Autoren der Studie warnen allerdings, dass einige Finanzunternehmen dabei recht langsam vorgehen. Das Tempo, in dem sich Investmentbanken und Fondsmanager auf die Änderungen einstellten, sei sehr unterschiedlich. Während einige Anbieter die neuen Regeln bereits umsetzten, seien einige ihrer Konkurrenten noch in der Planungsphase.

Mit den jetzt bekannt gewordenen Vorschlägen zu Mifid II geht die FCA teilweise weiter, als es Brüssel bei den neuen Finanzregeln vorsieht. Die britische Finanzbranche kann jetzt bis Anfang nächsten Jahres reagieren. Die FCA hat in erster Linie kleinere Finanzfirmen dazu aufgefordert: „Wir sind vor allem bei kleineren Finanzberatungsgesellschaften offen, alternative Herangehensweisen zu prüfen, die den Verbraucherschutz auf einem ähnlichen Niveau garantieren, aber mit niedrigeren Kosten für die Firmen verbunden sind“, heißt es.

Die britische Finanzaufsicht verfolgt auch eine strengere Linie, wenn es um den künftigen Vertrieb und das Bezahlen von Analystenresearch durch Fondsmanager geht. Diese decken das bisher durch die Gebühren ab, die sie Investmentbanken für den Aktienhandel überweisen. Die Studien gibt es daher im Prinzip kostenlos. Künftig müssen Fondsmanager dafür ein separates Konto einrichten.

Die FCA fordert bei dem Thema nicht nur eine transparente Gebührenstruktur, so dass die Endkunden wissen, wie viel Geld Fondsmanager für Studien ausgeben. Die Aufseher fordern auch, dass die Qualität dieser Analysen bewertet wird und sie nur in Anspruch genommen werden, wenn sie wirklich helfen, die Investitionsentscheidungen der Fondsmanager zu verbessern. Die britische Behörde erhofft sich davon am Ende vor allem eines: Die Geldanlage soll für den Endkunden mit niedrigeren Ausgaben verbunden sein.

Von den neuen Regeln wollen auch Start-ups profitieren, die Researchplattformen betreiben. Analysten können dort ihre Studien anbieten und Fondsmanager diese gezielt kaufen. Die FCA habe wenig Spielraum und statt dessen sehr deutlich gemacht, dass sich „die bisherige Bezahlpraxis für Research ab 2018 ändern muss“, sagt Vicky Sanders, Mitgründerin der Plattform RSRCHXchange. Die Ära des kostenfreien Research nähere sich dem Ende.

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