Umfrage
City-BKK-Aus verunsichert die Deutschen

58 Prozent der Deutschen befürchten nach der Pleite der City BKK ein "Kassensterben" in den nächsten Jahren. Beobachter und Vorstände halten die Angst vor einem Kassensterben dagegen für unbegründet.
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Frankfurt

58 Prozent der Deutschen befürchten ein "Kassensterben" in den nächsten Jahren. Dies eine repräsentative Umfrage der Beratungsgesellschaft Faktenkontor und des Marktforschers Toluna unter 1.000 Bundesbürgern, die Handelsblatt FinanceToday exklusiv vorliegt. Grund für diese Angst ist die Schließung der Betriebskrankenkasse City BKK und die Anzeige der BKK für Heilberufe, sie könnte am Jahresende womöglich insolvent sein.

Der Fall City BKK hat alle Akteure im Gesundheitswesen tief verunsichert: vom Vorstand bis zum letzten Sachbearbeiter. Dies belegen die zahlreichen Abwimmelaktionen von Kunden der City BKK, die nun eine neue Krankenkasse benötigen. Ablehnungen sind rechtswidrig, passierten aber dennoch, wie auch Recherchen des Handelsblatts ergaben. Die zahlreichen Berichte darüber haben nun die Kunden zusätzlich verunsichert.

Dass die eigene Krankenkasse geschlossen werden könnte, befürchte inzwischen jeder vierte Deutsche, ergabt die Umfrage weiter.

Knapp jeder dritte Deutsche (32 Prozent) achtet schon jetzt auf Warnsignale, die eine Pleite ankündigen könnten. Dazu gehören beispielsweise überdurchschnittliche Zusatzbeiträge oder sich häufende Absagen bei Kostenübernahmen. Die wenigsten Befragten bereiten sich allerdings frühzeitig auf einen Wechsel der Krankenkasse vor. 83 Prozent der Deutschen möchten dies erst planen, wenn es tatsächlich soweit ist.

Beobachter und Vorstände in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) halten die Angst vor einem Kassensterben dagegen für unbegründet. Sie erwarten stattdessen eine Vielzahl von Fusionen. Dadurch könnte die Zahl der Krankenkassen von derzeit gut 150 auf 50 oder weniger Institute sinken. Rund 90 Prozent der 70 Millionen gesetzlich Versicherten sind ohnehin schon bei einer der 20 größten Krankenkassen. Die Schließung der City BKK zum 1. Juli gilt dagegen als Sonderfall, weil die Krankenkasse aufgrund von Altlasten und zahlreichen Managementfehlern nicht mehr als sanierbar galt. Dies betonten sowohl Aufseher als auch zuletzt der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr.

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  • Es gibt noch gut 150 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland. Bei denen sind 70 Millionen Menschen versichert. Und dann gibt es gut 40 private Krankenversicherungen mit knapp neun Millionen Versicherten. Die Kosten der Privaten für Verwaltung und Werbung sind wesentlich höher als die Kosten der Gesetzlichen. Ein Vorstand einer Krankenkasse verdient um die 200000 Euro. Ein Vorstand eines börsennotierten Klinikbetreibers verdient dagegen mehr als vier Mal so viel. Soweit nur mal zum Unterschied zwischen privat und gesetzlich. Entscheidend bei den Krankenkassen: Alle diese Einrichtungen haben eine Geschichte. Sie einfach abzuschaffen, geht also gar nicht. Allerdings setzt die Politik die Regeln so, dass es in einigen Jahren nur ein paar Dutzend Krankenkassen geben wird. Das Problem dabei: Wettbewerb ist in diesem Sektor nur in geringem Maße gewollt. Die gesetzliche Krankenversicherung ist ein planwirtschaftliches System, in dem die Politik die Regeln bestimmt. Wettbewerb gibt es da kaum. Auf Dauer ist das nicht gut, weil es nur dazu führt, dass sich diejenigen bedienen, die den besten Draht zur Politik haben. Und das sind nicht die Krankenkassenvorstände!

  • von Mehrheit gewollt, von "Leistungsfähigsten Spitzenverdiener und Beamten" und Politiker (die zu den Spitzenverdiener und Beamten gehören) gemieden, weil diese nur Klientel- und Lobbysten-Politik treiben

  • Als Berichterstatter konzentriere ich mich immer auf das Neueste - und bringe dann den Hintergrund. Sie haben sicherlich Recht: Letztlich können viele Krankenkassen nichts für ihre schwierige Lage: Ihr Handeln wird getrieben von den Regeln des Gesundheitsfonds - und der ist eben alles andere als perfekt. Wenn letztlich einer "Schuld" hat, dann ist es die Politik, die ja alle Regeln setzt. Das heißt nicht, dass es auch Fehlverhalten von Managern gibt, doch dies ist nach meinen bisherigen Recherchen eher die Ausnahme als die Regel.

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