Umfrage
Mittelständler profitieren von Mini-Zinsen

Fast alle mittelständischen Unternehmen in Deutschland planen im laufenden Jahr Investitionen. Die Firmen lockt dabei vor allem das niedrige Zinsniveau, wie eine Umfrage der Deutschen Bank jetzt zeigt.
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DüsseldorfDie große Mehrheit der mittelständischen Unternehmen in Deutschland plant im laufenden Jahr Investitionen - trotz der sich verschlechternden Gesamtwirtschaftslage. Nach einer Umfrage der Deutschen Bank wollen 85 Prozent der Mittelständler noch in diesem Jahr investieren. Für die Umfrage, die Handelsblatt Online exklusiv vorliegt, befragte TNS Infratest im April und Mai 200 Finanzentscheider in Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 25 Millionen Euro. Nur 12 Prozent der Befragten planen keine Investitionen.

Die niedrigen Zinsen sind für die Investitionsfreudigkeit besonders ausschlaggebend. 88 Prozent der befragten Mittelständler sagen, dass das Zinsniveau derzeit sehr attraktiv für Investitionen sei. Fast drei Viertel (74 Prozent) der Umfrageteilnehmer investieren, um zu wachsen.

Es sei der richtige Zeitpunkt, um die eigene Position im Wettbewerb zu festigen, sagen 71 Prozent. Die staatliche Förderung der Energieeffizienz ist für 62 Prozent ein ausschlaggebender Punkt. Zudem begünstigt für mehr als die Hälfte der Befragten die höhere Bereitschaft der Banken, Kredite an Mittelständler zu vergeben, das Investitionsklima (52 Prozent). 21 Prozent sagen, dass sie nun Investitionen nachholen, die in der Krise zurückgestellt worden waren.

Auch die Höhe der Investitionen ist erstaunlich. Die Mehrheit der investierenden Unternehmen (41 Prozent) will zwischen einer halben Million Euro und 2,5 Millionen Euro in die Hand nehmen. 16 Prozent planen eine Investition zwischen 2,5 Millionen Euro und 5 Millionen Euro, 15 Prozent wollen bis zu 500.000 Euro in ihr Unternehmen stecken.

Mit den Investitionen wollen immerhin 37 Prozent der Mittelständler neue Arbeitsplätze schaffen. Die Mehrheit (51 Prozent) der Investoren plant aber keine neuen Jobs, 13 Prozent machten keine Angaben. Zwei Drittel wollen dagegen mit den Investitionen Arbeitsplätze erhalten.

Die Unternehmen wollen vor allem ihre Infrastruktur ausbauen (66 Prozent) oder neue Maschinen kaufen bzw. alte ersetzen (65 bzw. 55 Prozent).

Auch in Immobilien soll Geld gesteckt werden. Mehr als ein Viertel (26 Prozent) der Mittelständler will eine Immobilie bauen oder kaufen, 30 Prozent will Immobilien im Bestand modernisieren. Auch für Übernahmen rüsten sich die Unternehmen: Jedes zehnte will andere Unternehmen oder Teile davon kaufen.

Fast drei Viertel (74 Prozent) der Investoren wollen aus vorhandener Liquidität investieren. Jeweils 26 Prozent planen eine neue Bankfinanzierung oder die Finanzierung über freie Kreditlinien.

Die Deutsche Bank will die Unternehmen mit frischem Geld versorgen. „Wir wollen die Kreditausreichungen an den deutschen Mittelstand weiter ausbauen“, sagt Cornel Wisskirchen, Mitglied der Geschäftsleitung Firmenkunden Deutschland der Deutschen Bank. In den letzten vier Quartalen habe man die Kredite für Mittelständler um rund 1,3 Milliarden Euro gesteigert, was eine Steigerung von vier Prozent bedeute.

Für die mittelständischen Unternehmen sind auch Fördermittel interessant. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der investierenden Unternehmen hat grundsätzlich Interesse an Fördermitteln, fast ebenso viele (36 Prozent) haben schon Mittel beantragt oder erhalten.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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  • Schön, dass für die Deutsche Bank der Mittelstand - die Hauptsäule unseres Wohlstands - stärker ins Zentrum des Interesses rückt. Hoffentlich sind das nicht nur Lippenbekenntnisse. Ich habe gerade erst erlebt, wie eine Bank (nicht die Deutsche!) einem tollen, innovativen Unternehmen und Kunden von mir den Geldhahn zudrehte und zeitweilig hunderte Arbeitsplätze auf dem Spiel standen.

  • Interessant zu lesen, das 74% der Mittelstaendler ihre geplanten Investitionen aus Eigenmitteln finanzieren wollen und wohl auch koennen. Wie muss es da erst bei den Grossunternehmen ausschauen. Kein Wunder, das auf einmal fuer die Deutsche Bank auch wieder der Mittelstand interessant ist als moeglicher Kunde. Nur, 74% der investitionswilligen Mittelstaendler wollen nichts mit ihrer oder einer Bank machen. Die Ueberschrift ueber diesem Artikel koennte also auch lauten:"Mittelstand vertraut Banken nicht bei Investitionen"

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