Umfrage: Schweizer Banken begrüßen Scheitern des Steuerabkommens

Umfrage
Schweizer Banken begrüßen Scheitern des Steuerabkommens

Besser hätte es für die Schweizer Banken nicht laufen können: Das Scheitern des Steuerabkommens mit Deutschland ist für eidgenössische Institute viel wert, denn die Umsetzung hätte sie viel Geld gekostet.
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ZürichDie meisten Schweizer Banken begrüßen einer Umfrage zufolge das Scheitern des Steuerabkommens mit Deutschland. Fast drei Viertel der 120 vom Beratungsunternehmen Ernst&Young befragten Banken erklärten, die Ablehnung des Abkommens im deutschen Bundesrat habe positive Auswirkungen auf ihr Geschäft. „Dieses erstaunliche Ergebnis ist auch darauf zurückzuführen, dass Umsetzungskosten wegfallen und der sofortige Abfluss von Kundengeldern ausbleibt“, erklärte Ernst&Young-Experte Patrick Schwaller. Dies gelte vor allem für kleine und mittelgroße Privatbanken sowie für Institute, die vor allem in der Schweiz präsent seien.

Mitte Dezember war das fertig ausgehandelte Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz am Widerstand von SPD und Grünen im Bundesrat gescheitert. Das Abkommen hatte für deutsches Schwarzgeld eine pauschale, anonyme und abgeltende Nachversteuerung mit Sätzen zwischen 21 und 41 Prozent vorgesehen. Künftige Erträge sollten wie in Deutschland belastet werden.

Das Abgeltungssteuer-Modell war von Schweizer Bankern entworfen worden, um das Bankgeheimnis zu retten und gleichzeitig den Heimatländern der Bankkunden Steuergelder zukommen zu lassen. Doch hat die Begeisterung der Banken für das Modell, das mit Großbritannien und Österreich bereits vereinbart und in Kraft getreten ist und auch in anderen Ländern eingeführt werden soll, zuletzt deutlich nachgelassen. Beurteilten 2010 noch drei Viertel der Banken die Abgeltungssteuer als positiv, sind es inzwischen nicht einmal mehr die Hälfte.

Ein Grund für die zunehmende Ablehnung sind demnach die Kosten. Gingen die Banken zu Beginn noch davon aus, dass in allen Ländern das gleiche Abkommen angewendet werden kann, stellte sich inzwischen heraus, dass für jedes Land Besonderheiten Rechnung getragen werden muss. Das verteuert die Umsetzung für die Banken. Vielen Geldhäuser seien zu der Einschätzung gelangt, dass sie sich mehr mit Steuereintreiben als mit Bankgeschäften hätten beschäftigen müssen, sagte Schwaller.

Nach der Ablehnung des Abkommens rechnen die meisten Banken vorerst auch nicht mit größeren Abflüssen von Kundengeldern. Iqbal Khan von Ernst&Young stufte dies allerdings als kurzfristige Sichtweise ein. „Die kleinen Banken haben eine Verschnaufpause bekommen“, erklärte er.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die Schweizer waren der "Tresor" der Welt. Das aufzugeben kostet sie ihren "Stabilitätshort" und sie sind nicht mehr als einer der europäischen Staaten, als einer von vielen "unsicheren" Kantonisten. Meiner Meinung nach tun sie gut daran sich über das gescheiterte Abkommen zu freuen und ihren Weg der Demokratie Freiheit und Stabilität zu gehen. Dieser Weg wurde in Europa verlassen, Freiheit in Europa wird zugunsten von kleinstaatlichen Regeln und kleinlicher Bespitzelungen aufgegeben, wie z.B. Kontenabfragen, Prämien für Denunzianten, staatl. Überwachung auf Schritt und Tritt.

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