Unerlaubte Wettbewerbsvorteile
Debeka-Mitarbeiter bestachen jahrelang Beamte

Der Versicherungsbranche droht ein Korruptionsskandal. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, haben Mitarbeiter der Debeka im großen Stil Adressen von Beamten gekauft. Der Konzern zieht nun Konsequenzen.
  • 22

DüsseldorfDie traditionsreiche Debeka Versicherung steht vor einem möglichen Korruptionsskandal. Wie das Handelsblatt (Freitagausgabe) von Unternehmensinsidern erfuhr, sollen Debeka-Vertreter jahrelang unter dubiosen Umständen die Adressen von angehenden Beamten angekauft und sich so einen unerlaubten Wettbewerbsvorteil verschafft haben. Nach Aussagen von Beteiligten fand die Bestechung auch zwischen 1994 und 1998 statt, als der heutige Vorstandsvorsitzende Uwe Laue den Vertrieb der Debeka leitete.

Auf eine entsprechende Anfrage des Handelsblattes reagierte Debeka am Donnerstag mit einer Pressemitteilung. Vorstandschef Laue gab darin zu, dass „in den 1980er und 1990er Jahren Vertriebsmitarbeiter auf eigene Rechnung Adressen potenzieller Kunden erworben haben, die zwischen Mitarbeitern weiter verteilt wurden.“ Weiter sagte Laue: „Auch der damaligen Führungsmannschaft fehlte die Sensibilität für diese datenschutzrechtliche Thematik. Und in diese Selbstkritik schließe ich mich ausdrücklich mit ein.“

Auf die Frage, ob Laue damit zugebe, dass er Bestechung von Beamten geduldet habe, sagte ein Debeka-Sprecher: „Nein“. Er musste allerdings einräumen, dass es bei der Debeka keinerlei Sanktionen gegen diejenigen gab, die mit Adressen handelten. „Ein solches Fehlverhalten war aber von der Debeka zu keinem Zeitpunkt gewünscht, gefordert oder angewiesen“, sagte der Sprecher. Es sei zu keinem Zeitpunkt zu einem Ankauf von Adressdaten durch die Debeka selbst gekommen.

Mehrere ehemalige Mitarbeiter der Debeka bezeichneten gegenüber dem Handelsblatt den Adressenkauf als gängige und vertraute Praxis. Einer erklärte an Eides statt, er habe elf Jahre lang Beamtenadressen von seinem Vorgesetzten gekauft. „Ob das legal war oder nicht, habe ich nicht gefragt. Die Adressen kamen ja von meinem Chef. Die waren für uns wie Gold.“

Debeka gab am Donnerstag bekannt, mit sofortiger Wirkung einen neuen Verhaltenskodex für ihre 17.000 Mitarbeiter einzuführen. Die Versicherung bezeichnete die neuen Verhaltensregeln als „zeitgemäß und notwendig – auch weil es in der Vergangenheit zu Verfehlungen kam“.

Die Versicherung hat 1,87 Millionen vollkrankenversicherte Beamte und Angehörige in ihrem Bestand. Die 1905 als Krankenunterstützungskasse für die Gemeindebeamten der Rheinprovinz gegründete Versicherung zählt insgesamt 6,6 Millionen Kunden und verbuchte im vergangenen Jahr 12,8 Milliarden Euro an Beiträgen. Laue leitet er den Vorstand der Debeka seit elf Jahren und feierte vor kurzem sein 40. Dienstjubiläum. Im Juli wurde er Chef des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV).

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Unerlaubte Wettbewerbsvorteile: Debeka-Mitarbeiter bestachen jahrelang Beamte"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Kann dann eine Staatsanwaltschaft, deren Bedienstete ja ebenfalls Beamte sind und offensichtlich bisher keinen Anstoß an der Procedur nahmen, überhaupt noch objektiv ermitteln?

    Gibt es in den Behörden überhaupt noch jemanden der denkt? Das Licht muss doch vorher schon jedem rechtsstaatlich gefestigten Bürger aufgegangen sein?

  • Das nur bis 1998? Jede große Behörde hat einen Debeka-Mitarbeiter im Hause sitzen. Jeder neue Beamte darf sich dort gleich vorstellen und versichern. Den Namen braucht er nicht mehr angeben, da diese bereits der Debeka vorliegen..... . Wenn man sich dann noch den Werdegang eines angehenden Polizisten anschaut.. abgefangen direkt nach dem Amtsarzt mit der Tauglichkeitsurkunde in der Tasche.. bitte einmal hier unterschreiben.... . Aber das interessiert niemanden, wo kein Kläger, kein Angeklagter

  • Am schlimmsten wiegt für mich die "Vorteilsnahme" durch die Beamten vom Finanzamt bis Müll-Verwertung, die die Hand aufgehalten haben und mit Ihren Dienstvorgesetzten und einen akzeptierten Teilungsmechanismus entwickelt haben.

    Auch die Finanzierung von Betriebsausflügen und "Arbeitsessen" (wie man lesen konnte endeten diese angeblich auch im Rotlichtmilléu mit Billigung der Dienstvorgesetzen..."

    Ich glaube: die Härte die die Finanzämter & Co, in den letzten Jahren dem einfachen Bürger angedeihen ließen, schlägt jetzt manigfaltig zurück... das Proletariat wird das nicht gutheißen wollen...

    PS: Wie lief das bei der AOK-Bayern (gesetzliche Krankenkasse) die Private Krankenversicherungszusatz-Policen der Bayerischen Beamtenkrankenkasse (BBKK) ohne Vermittlungszulassung vermittelt hat?

    WAS UNTERNIMMT UNSERE JUSTIZMINISTERIN GEGEN DIESES SCHLAMASSEL WO SIE DOCH SCHON IM FALLE MOLLATHS SO SEHR GEGLÄNZT HAT?

    Merkt man schon ob etwas geMerkelt wird? Nach der Spähaffäre auf das Kanzlerin-Partei-Handy wohl nur ein Nebenkriegsschauplatz, denn als 80 Millionen Deutsche abgehört wurden, hat sie das wenig interessiert...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%