Unfairer Handel

Deutsche-Bank-Händler in Südkorea angeklagt

Vier Börsenhändler der Deutschen Bank sind in Südkorea wegen unfairen Handels angeklagt worden. Die Mitarbeiter sollen einen illegalen Gewinn von mehr als 28 Millionen Euro gemacht haben.
Update: 21.08.2011 - 15:14 Uhr 9 Kommentare

Seoul/SingapurNeun Monate nach einem ungewöhnlichen Kurssturz an der Aktienbörse in Seoul hat die südkoreanische Staatsanwaltschaft vier Angestellte der Deutschen Bank angeklagt. Die Behörde wirft ihnen Finanzmarktmanipulation vor. Auch gegen das südkoreanische Tochterunternehmen der Bank, das Brokerhaus Deutsche Securities Korea (DSK), sei im Zusammenhang mit dem Vorfall im November 2010 Anklage erhoben worden, hieß es am Sonntag in einer Mitteilung der Bank in Singapur. Die DSK wies die Klage zurück und will sich dagegen zur Wehr setzen.

Unter den Angeklagten befinden sich ein südkoreanischer Angestellter bei DSK und drei Angestellte anderer Nationalität, darunter ein hochrangiger Mitarbeiter des Deutsche-Bank-Büros in Hongkong, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Staatsanwälte berichtete. Sie sollen durch unzulässige Handelsgeschäfte 44,8 Milliarden Won (28,5 Millionen Euro) eingenommen haben. Der Kurssturz war im November durch die Platzierung umfangreicher Verkaufsaufträge in den letzten zehn Handelsminuten ausgelöst worden.

"Die DSK hat weder irgendeine Form von Verletzung geltender Marktregeln authorisiert noch hat sie diese stillschweigend geduldet", hieß es in einer Mitteilung der Bank. Die DSK sei zuversichtlich, von allen Vorwürfen freigesprochen zu werden. Die betroffenen Mitarbeiter seien entweder suspendiert oder beurlaubt worden. Sie seien nicht mehr in Geschäftsvorgänge der Bank involviert.

  • dpa
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9 Kommentare zu "Unfairer Handel: Deutsche-Bank-Händler in Südkorea angeklagt"

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  • „DBahn-Chef Rüdiger Grube darf in der ARD Talkshow von Reinhold Beckmann jede Verantwortung an dem Zug-Crash von sich weisen und ankündigen, dass die Bahn alle eingleisigen Bahnstrecken auch im Osten "freiwillig (!) mit einem automatischen Zug-Bremssystem („PZB“) ausstatten wird".

    Das könnte auch heißen:

    DBank-Chef Josef Ackermann darf in der ARD-Tagesschau jede Verantwortung der Banken an dem Banken-Crash zurückweisen und ankündigen, dass sich der Private Bankensektor trotzdem freiwillig (!) an der Griechenland-Rettung beteiligen will.

    Das ist dann die sogenannte Freiwillige Bankenbeteiligung.

  • Und wie ging die Geschichte weiter?

    31.01.2011: Bahnchef Rüdiger Grube darf in der ARD Talkshow von Reinhold Beckmann jede Verantwortung von sich weisen und ankündigen, dass die Bahn alle eingleisigen Bahnstrecken auch im Osten "freiwillig (!) mit einem automatischen Zug-Bremssystem („PZB“) ausstatten wird".

    Februar 2011: Nach dem Zugunglück richtet der Landkreis Harz ein Spendenkonto ein. Politiker drücken ihr Mitgefühl aus. Bundeskanzlerin Merkel spricht den Angehörigen der Opfer am Sonntag ihr tiefes Mitgefühl aus.

    Und der Lokführer?

  • Da fällt mir ein realer Unfall ein (Presseauszüge):

    29. Januar 2011: Zehn Tote und 23 Verletzte: Das ist die Bilanz des schweren Zugunglücks bei Hordorf in Sachsen-Anhalt. Den Managern der Bahn waren die sicherheitstechnischen Defizite auf dieser Strecke schon länger bekannt.
    Bereits im November 2008 hatte die Bahn eine interne Handlungsanweisung herausgegeben. In einem Sofortprogramm sollten endlich auch in Ostdeutschland Zusammenstöße auf eingleisigen Strecken durch Installation der sogenannten Punktförmigen Zugbeeinflussung (PZB) mit absoluter Sicherheit (also auch bei menschlichem Versagen) verhindert werden, so wie in Westdeutschland schon vor 20 Jahren geschehen. Ganz oben stand die jetzige Unfallstrecke in Sachsen-Anhalt. Denn dort war es bereits drei Mal zu Beinahe-Zusammenstößen gekommen.

    Nach dem Betriebsunfall:

    Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft konzentrieren sich auf den Lokführer des Güterzuges, obwohl die Bahn als Institution die Sicherheitsmaßnahmen verschleppt hat. Die Bundespolizei verhaftet verletzten Lokführer.

  • Das ist eine berechtigte Frage.

    Interessanter ist, dass in Welt der Global Finance, hier: in der Börse von Soeul, per definitionem kein illegaler Handel stattfindet – höchstens ein unfairer Handel, und der ist kein Fall für den Staatsanwalt.

    Wenn trotzdem durch die ganz normale OFK, wie der Artikel ja anschaulich darstellt, im Rahmen des ganz normalen „unfairen Handels“ die ganz normalen „unfairen Gewinne“ - durch Versehen oder weil ein unfair Behandelter nicht mehr mitspielen will - publik werden, dann kann der Vorfall aus der Finanzwirtschaft in die Realwelt gelangen. Bei diesem Transfer wird die Schuld aus der Finance auf reale Menschen verlagert, hier: die vier Börsenhändler, sodass die Finance ihre saubere Weste behält und unbehelligt ihr business-as-usual weiter betreiben kann.

    Sozusagen ein Betriebsunfall.

  • „Vier Börsenhändler der Deutschen Bank sind in Südkorea wegen unfairen Handels angeklagt worden. Die Mitarbeiter sollen einen illegalen Gewinn von mehr als 28 Millionen Euro gemacht haben.“

    Ist es im deutschen Straf/Zivilrecht möglich, mit unfairem Handel illegalen Gewinn zu erzielen?

  • Dagegen gibt es eine einfache Lösung:
    1. Boni dürfen nicht mehr als Betriebsausgaben abgesetzt werden
    2. Boni dann mit 90% ESt versteuern

    Dann freut sich der Steuerzahler, weil er 90.000 Euro von 100.000 Euro Boni bekommt. Und die Aktionäre werden dann auch nicht mehr so größzügig mit Steuergeldern umgehen. Natürlich werden sie sich dann neue Tricks zur Steuerprellung einfallen lassen. Aber dagegen ist auch wieder ein Kraut gewachsen, wenn der Finanzminister nur will.

  • Wieso Kriminalität?
    Nach Meinung von Handelsblatt/dpa liegt doch nur ein "Unfairer Handel" vor!

  • OFK = Organisierte Finanz-Kriminalität

    Das ist doch wieder die ganz normale legale OFK.
    Das war doch nur mal wieder ein "Fetter Finger".
    Wie weit hat eigentlich die BaFin schon recherchiert,
    wem der Fettfinger letzte Woche in Frankfurt gehörte?
    Gibt es dann einen öffentlichen Bericht oder wird alles unter den Teppich gekehrt, "um den Börsenplatz D nicht zu gefährden"?

  • Hallo,
    in Deutschland werden Bangster, die ganze Banken vor die Wand fahren und vom Steuerzahler gerettet werden müssen, noch mit Boni belohnt.

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