Unicredit-Chef Ghizzoni
„Mammutfusionen zwischen Banken sind erst mal vom Tisch“

Seit rund einem Jahr steht Federico Ghizzoni an der Spitze der Unicredit. Im Interview mit dem Handelsblatt sprach der 55-Jährige über die schwierige Lage bei den Banken, seine Osteuropa-Pläne und Stellenabbau.

Handelsblatt: Herr Ghizzoni, die Banken misstrauen sich wieder, wie kann dieser Teufelskreis durchbrochen werden?

Federico Ghizzoni: Zunächst einmal, ich sehe keine Krise wie nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman. Der kurzfristige Interbankenmarkt funktioniert, ist aber ganz klar fokussiert auf die Liquidität der einzelnen Häuser. Allerdings steigen die Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB), was ein Zeichen dafür sein kann, dass das Vertrauen unter den Banken nicht mehr so groß ist wie noch vor vier Monaten.

Warum ist die Lage nicht vergleichbar mit dem Lehman-Kollaps?

Weil damals für Wochen und Monate gar kein Interbankenmarkt funktionierte. Aktuell gibt es zum Beispiel weniger Probleme, sich Geld für einen Monat auszuleihen. Wenn Banken länger als ein Jahr refinanzieren müssen, bleiben momentan nur Bonds als adäquates Instrument. Das einzige wirkliche Problem, das mich momentan beunruhigt, hat jedoch mit dem Dollar zu tun: Institutionelle Geldgeber aus den USA kappen Linien oder frieren Gelder ein. Uns selbst betrifft dies jedoch weniger, wir legen sogar Dollar bei der Fed an, weil wir überschüssige Bestände haben.

Wie stark unterscheidet der Markt zwischen italienischen und anderen Adressen. Sind Sie ein Opfer der Staatsschuldenkrise zu Hause?

Die Lage des Haushalts in Italien beeinträchtigt natürlich unseren Aktienkurs und unsere Refinanzierung. Aber wir haben den Vorteil, eine europäische Bank zu sein, mit der Möglichkeit, mehrere Funding-Pools zu nutzen - nicht nur in Italien, sondern auch in Ländern mit der Topbonität "AAA" wie Deutschland und Österreich. Der Markt reagiert auf das hohe Verhältnis zwischen der Staatsverschuldung und dem Bruttoinlandsprodukt und vernachlässigt andere Basisdaten, wie die sehr niedrige Verschuldung der privaten italienischen Haushalte. Das eigentliche Problem Italiens ist aus meiner Sicht das fehlende Wachstum. Es darf indes nicht übersehen werden, dass die Wirtschaft in Norditalien - dort, wo Unicredit primär vertreten ist - mit zwei Prozent und mehr wächst.

Sie sagten auf der Handelsblatt-Tagung, die EZB könne nicht dauerhaft italienische Staatspapiere aufkaufen. Sollte die Aufgabe der Stabilisierungsfonds EFSF übernehmen, wenn er einmal steht?

Meiner Meinung nach kann sich die EZB in Abstimmung mit dem Fonds zurückhalten, wenn der EFSF steht.

In Deutschland kritisiert etwa die Bundesbank, dass die EZB schon zu viel des Guten getan hat …

Ich teile die Ansicht, dass die EZB nicht dauernd, sondern nur zeitlich begrenzt intervenieren sollte.

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