Unicredit: Die heikle Libyen-Connection

Unicredit
Die heikle Libyen-Connection

Der Auftritt Muammar al-Gaddafis in Rom hat die Anteilseigner entsetzt: Weil Unicredit-Chef Profumo nicht klärte, was ihn an libyschen Investoren reizt, geriet er in Not und musste zurücktreten. Nun werden erste Namen von Nachfolgern diskutiert.
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MAILAND. Hinterher wird in den Geschichtsbüchern stehen, dass Unicredit-Chef Alessandro Profumo über die Libyen-Connection stolperte. Seit Anfang August - von dem sonst so umsichtigen Vorstand fast unbemerkt - hat sich der Einstieg des libyschen Staatsfonds Lia (Libyan Investment Authority) zur Staatsaffäre hochgeschaukelt. Jetzt kostet sie ihn seinen Kopf.

Die offizielle Geschichte beginnt am 4. August. An diesem Tag wird bekannt, dass außer der libyschen Zentralbank mit ihren knapp fünf Prozent auch der libysche Staatsfonds Lia mit 2,1 Prozent als Aktionär bei Unicredit eingestiegen ist. Später steigt die Beteiligung auf 2,6 Prozent. Das sorgt in der Politik und bei den Stiftungen der Sparkassen, aus denen Unicredit einst hervorgegangen ist, für Unmut. Schließlich kommen die Libyer gemeinsam auf mehr als sieben Prozent und haben damit mehr Aktien als die bisher mächtigsten Stiftungen der Sparkassen mit ihren klingenden Namen: Fondazione Cariverona oder die Fondazione Cassa di Risparmio di Torino. Die Altvorderen fürchten nun um ihren Einfluss in der Bank.

Die Börsenaufsicht Consob leitet Ende August eine Untersuchung ein, um klarzustellen, ob es sich bei den beiden libyschen Investoren um zwei getrennte Aktionäre handelt oder ob sie als eine Einheit zu betrachten sind. Das ist entscheidend für die Stimmrechte bei Unicredit, da diese laut Statut pro Investor auf fünf Prozent beschränkt sind, auch wenn der Investor mehr als fünf Prozent der Aktien hält. Wären Zentralbank und Staatsfonds ein einziger Investor, hätten sie also nur fünf Prozent der Stimmen und nicht mehr als sieben Prozent. Von außen sind Unicredit und Profumo damit unangreifbar. Feinde können nur von innen kommen.

Die Investoren aus dem Wüstenstaat kamen zum schlechtesten Zeitpunkt

Für eine Verbindung zwischen Zentralbank und Staatsfonds spricht die Tatsache, dass der Gouverneur der Zentralbank, Farhat Bengdara, einer der Vizepräsidenten von Unicredit auch im Board der Libyan Investment Authority sitzt. Die Entscheidung der Consob steht heute noch aus. Doch auch ohne deren Urteil lief die Zeit gegen Profumo.

Die Investoren aus dem Wüstenstaat kamen für den Top-Manager zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, denn das Thema Libyen wird in Italien heiß diskutiert. Ende August hatte der spektakuläre Besuch des Diktators Muammar al-Gaddafi die italienischen Gemüter erhitzt. Er war mit einem Tross an Begleitern und Pferden nach Rom gereist, um sich mit Silvio Berlusconi zu treffen. Er gab nicht nur Hunderten von Hostessen Islam-Unterricht. Er rief von Rom aus auch ganz Europa auf, sich zum Islam zu bekehren. Viele Italiener entrüstete dieser Auftritt.

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  • "Geld stinkt nicht" sagte ein Römischer Kaiser zu den Urinsammlern, die Steuerprivilegien für ihre Zunft wollten. Man hat sich ausnahmsweise mal in italien die richtigen Gedanken gemacht und denen eine Lektion erteilt, die mit jedem Geschäfte machen, ohne zu fragen, ob an deren Händen oder deren Geld blut und menschenrechtswidrige Straftaten kleben oder die geistig-kulturelle Syphilis des islam eingeschleppt werden soll!

    bRAVO!

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