Unicredit: Die Stunde der Provinzfürsten

Unicredit
Die Stunde der Provinzfürsten

Italiens Sparkassenstiftungen sind eine Welt für sich. Bei der Suche des Profumo-Nachfolgers haben die Institute ein mächtiges Wort mitzureden. Ein Erbe der Vergangenheit.
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MAILAND. Ihre kleinen Reiche haben wohlklingende Namen wie Cariverona und Caritorino. Sie sitzen in schönen Städten wie Verona und Turin und leiten dort die Sparkassenstiftungen. Aber ihre ganze Aufmerksamkeit ist in diesen Tagen auf das Geschehen in der italienischen Finanzhauptstadt gerichtet. In Mailand hat die Stunde der Provinzfürsten geschlagen. Ob für Paolo Biasi, Präsident der Cariverona, oder für Fabrizio Palenzona, Präsident der Stiftung Caritorino: Mit ihren Beteiligungen von jeweils 4,6 Prozent und 3,3 Prozent haben sie ein mächtiges Wort mitzureden, wenn es darum geht, den Nachfolger von Alessandro Profumo an der Spitze der Unicredit zu bestimmen.

Italiens Sparkassenstiftungen sind eine Welt für sich. Ähnlich verankert wie die deutschen Sparkassen in ihren Regionen, haben auch Italiens „Casse di risparmio“ in der Gesellschaft und Wirtschaft lange eine wichtige Rolle gespielt. Doch mit der Privatisierung in den 90er-Jahren ging das Geschäft in großen Banken wie Unicredit und Banca Intesa auf.

Die Privatisierung erfolgte in Italien nach einer klaren Trennung: Das Bankgeschäft geht komplett privatisiert an die Großbank; die Wohltätigkeit bleibt bei den Stiftungen, die als Großaktionäre investiert bleiben. Das passierte bei Unicredit bei Kalibern wie den Stiftungen in Turin und in Verona ebenso wie bei kleineren Sparkassenstiftungen aus Modena, Treviso und Reggio Emilia, die als Aktionäre aktiv und im Verwaltungsrat vertreten sind. In den Stiftungen selbst sitzen auch Vertreter der lokalen Politik. Mit den Milliardenvermögen finanzieren die Stiftungen Kunstausstellungen und Konzerte oder helfen hilfsbedürftigen Familien in ihren Städten. Ein steter Fluss der Dividenden von Unicredit garantiert das wohltätige Werk.

Doch gerade bei den Dividenden hat es zuletzt gehakt. Die Stiftungsvertreter wie Biasi und Palenzona haben dem geschassten Profumo kaum verziehen, dass sie im vergangenen Jahr kein Bares gesehen haben. Angesichts der Krise hatte der Unicredit-Chef kurzerhand beschlossen, die Dividende in Form von neuen Aktien zu bedienen. Eine Kapitalerhöhung, finanziert von den Aktionären.

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