Unicredit: Italiens größte Bank sucht neuen Chef

Unicredit
Italiens größte Bank sucht neuen Chef

Der Machtkampf an der Spitze der italienischen Großbank Unicredit ist vorbei. Der Verwaltungsrat hat dem langjährigen Chef Alessandro Profumo das Vertrauen entzogen. Das Amt übernimmt nun Ex-HVB-Vorstand Rampl.
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HB MAILAND. Der unter massiven Druck geratene Vorstandschef der italienischen Großbank Unicredit, Alessandro Profumo, ist von seinem Posten zurückgetreten. Profumo, der die Bank 13 Jahre lang erfolgreich geführt hatte, war wegen des umstrittenen Engagements Libyens in der Unicredit massiv kritisiert worden. "Der Unicredit-Aufsichtsrat und Alessandro Profumo stimmen darin überein, (...) dass nach 15 Jahren der Moment für einen Wechsel an der Spitze der Gruppe gekommen ist“, so hieß es in der Erklärung, die nach der viereinhalbstündigen Aufsichtsratssitzung in den frühen Morgenstunden in Mailand veröffentlicht wurde.

Die Leitung der Geschäfte übernehme für eine Übergangszeit Aufsichtsratschef Dieter Rampl, teilte Unicredit weiter mit. Der Münchener, der bis zur Übernahme der bayerischen Großbank HVB durch Unicredit Vorstand in dem deutschen Institut war, soll einen Nachfolger suchen. Die Suche nach einem Nachfolger dürfte auch externe Kandidaten umfassen, hatte es zuvor aus Kreisen geheißen. Italienische Zeitungen nannten als Aspiranten den früheren Goldman-Sachs-Manager Claudio Costamagna und den Ex-Chef der Römer Bank Capitalia, Matteo Arpe. Die vier Stellvertreter Profumos kämen auch infrage, wie in Finanzkreisen verlautete.

Letztlich war der 53-jährige Profumo, der die Bank in seiner Amtszeit durch eine Serie von Zukäufen kleiner und kleinster Institute an die Spitze der europäischen Geldwirtschaft geführt hatte, an seiner Haltung gegenüber dem Einstieg Libyiens in den Aktionärskreis gescheitert. Vor allem Vertreter der rechtsgerichteten Lega Nord stören sich am wachsenden Einfluss des nordafrikanischen Landes in der Bank. So übernahmen im Sommer die Libysche Investment-Behörde einen Anteil von 2,6 Prozent an Unicredit, de libysche Zentralbank besitzt schon fast fünf Prozent. Damit kommen libysche Investoren auf insgesamt mehr als sieben Prozent.

Zu den Kritikern Profumos und des wachsenden libyschen Einflusses gehört der Bürgermeister von Verona, Flavio Tosi. Andere Aktionäre teilten seine Sorgen, erklärte Tosi. Die Stadt Verona ist der größte Aktionär in der Stiftung Cariverona, dem viertgrößten Investor der Unicredit. Profumo hatte darauf verwiesen, dass die Libyer aus freiem Antrieb gehandelt und ihre Anteile auf dem freien Markt erworben hätten.

Italien und Libyen haben ihre wirtschaftlichen Beziehungen in letzter Zeit deutlich vertieft. So investiert der italienische Ölkonzern Eni stark in dem nordafrikanischen Land. Das stärkere Engagements Libyens bei Unicredit wurde im Sommer bei einem Galaempfang für den libyschen Staatschef Muammar al Gaddafi in Rom durch Ministerpräsident Silvio Berlusconi bekannt. Erst kürzlich bekam Unicredit die erste internationale Lizenz, um in Libyen Geschäfte tätigen zu können.

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