Unicredit-Verluste
Hypo-Vereinsbank streicht 800 Stellen

Die Mitarbeiter der Hypo-Vereinsbank müssen um ihre Jobs bangen: Unicredit plant international einen Konzernumbau. Die italienische Mutter des Geldhauses hat mit großen Verlusten im vierten Quartal zu kämpfen.
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Mailand/MünchenDie Rezession in der Heimat und der scharfe Wettbewerb in Deutschland machen der größten italienischen Bank Unicredit immer stärker zu schaffen. Die Hypo-Vereinsbank-Mutter schrieb im vierten Quartal unerwartet hohe Verluste, die einen Großteil des Jahresgewinns auffraßen.

Vorstandschef Federico Ghizzoni kündigte am Freitag an, den Konzernumbau in mehreren Ländern voranzutreiben. Bei der deutschen Tochter Hypo-Vereinsbank (HVB) sollen 800 Arbeitsplätze gestrichen werden, in Österreich weitere 200 Stellen bei der Bank Austria.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits im Januar erfahren, dass bei der HVB zahlreiche Jobs auf der Kippe stehen. Rund 45 Filialen sollten dichtmachen, hatte es damals in Branchenkreisen geheißen. Hintergrund der Stellenstreichungen ist die Neuausrichtung des Privatkundengeschäfts, die das Münchner Institut im November angekündigt hatte.

Die Segmente für normale Privatkunden und reiche Klienten werden zusammengelegt. Zudem erledigen immer mehr Kunden ihre Bankgeschäfte im Internet und kommen kaum noch in die Filialen. Näheres wird bei der Bilanzpressekonferenz der HVB am Montag erwartet, die traditionell zu den Stützen des Konzerns zählt.

Für faule Kredite musste Unicredit allein im vierten Quartal 4,6 Milliarden Euro zurücklegen – fast so viel wie in den neun Monaten davor. Der Verlust im Schlussquartal fiel mit 553 Millionen Euro dreimal so hoch aus wie von Branchenexperten geschätzt, so dass im Gesamtjahr unter dem Strich lediglich 865 Millionen Euro als Gewinn übrig blieben. Erwartet worden waren 1,2 Milliarden Euro.

Der Konzernumbau mit Kostensenkungen und Filialschließungen zahle sich aus, erklärte Ghizzoni. „Doch wegen des beispiellosen makroökonomischen Umfelds werden wir die Finanzziele des Strategieplans anpassen.“ Ein Datum dafür wollte er aber nicht nennen. „Solange die Märkte so volatil bleiben, sind Vorhersagen unmöglich. Wir brauchen mehr Klarheit an der makroökonomischen Front.“

Ins Kontor schlug im vergangenen Jahr auch der Rückzug aus Kasachstan, den Unicredit bei der Bilanzvorlage in Mailand bestätigte. Die ATF Bank wurde zu einem nicht genannten Preis an den Investor Galimschan Jessenow verkauft. Dies habe zu einer einmaligen Belastung von 260 Millionen Euro geführt.

Insider rechnen mit einem Verkaufserlös von 380 Millionen Euro. Die Unicredit hatte die ATF Bank 2007 für damals umgerechnet 1,5 Milliarden Euro gekauft – musste aber seither wegen der unerwartet schlechten Entwicklung massive Abschreibungen verdauen. Im Zuge einer großangelegten Sanierung hatte Unicredit die Tochter verkleinert und Stellen abgebaut. In den ersten drei Quartalen 2012 verbuchte die ATF einen Vorsteuerverlust von 19 Millionen Euro und entwickelte sich damit etwas besser ab als im Vorjahreszeitraum.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Unicredit-Verluste: Hypo-Vereinsbank streicht 800 Stellen"

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  • Dr. Sonja Radatz
    Unicredit kürzt gesamt 1000 Stellen in Deutschland und Österreich, Metro Cash & Carry kürzt 240 Jobs in Deutschland... wer bietet mehr?
    Was aus meiner Sicht fehlt: Management - hier verstanden als Strukturierung der Organisation so, dass überhaupt die Ergebnisse erreicht werden können; Prozesse, die von den Verantwortlichen selbst geschaffen werden und dadurch auch endlich funktionieren; die nachhaltige Abkehr von Projekten; und klare Ergebnisvorgaben (anstatt Handlungsvorgaben...) an die Mitarbeiter, die auch monatlich geprüft werden und für die (jetzt kommen wir zur Führung, die ebenfalls m. E. fehlt) bei Nichterreichung ein klares Konsequenzenmanagement (also zunächst engere Führung) zur Folge haben. Und zusätzlich in der Führung: Die unablässige Arbeit an der Vereinfachung, Optimierung von Prozessen, Schaffung von Freiraum...

    Was ich anstattdessen leider allzu häufig erlebe, wenn ich das erste Mal ins Unternehmen komme: Strategien "für 2020", Potpourris von 25 und mehr "Zielvorgaben" für jede Führungskraft, die auch nur am Ende des Jahres "überprüft" werden und Abweichungen meist gut argumentiert "zur Kenntnis genommen werden". Zur gleichen Zeit ist der Terminkalender voll mit Projektmeetings und tausend Micro-Management-Themen, die mitnichten zur Ergebniserzielung beitragen...
    Und dann kommt der Bumerang wieder zurück, und es werden Stellen gekürzt.

    Most wanted an dieser Stelle: Ergebnisfokussierte Unternehmensführung.

  • Ja, das UC- HV- Gebäude am alten Wall neben dem Rathaus der
    Hamburgs ist bereits stockdunkel, verlassen, verschachert.
    Hamburg selbst will etwa 3000 Stellen "streichen", zu
    verkaufen gibt`s ohnehin kaum noch etwas. Gleich um die Ecke am Jungfernstieg an der schönen Alster mit Fontäne,
    ja da brummt im noblen Haus der C- Bank das Geschäft.
    Der Boss will (aktuelle Info ?) 100.000 Werte des von
    ihm geführten systemrelevanten Instituts kaufen, nachdem
    sich der Wert eines Anteilscheins in nur 5 Jahren um etwa
    96 % vermindert hat, auf den Wert von nicht einmal 3x
    Toilettenebesuchen (a 50 C),im beliebten Alsterpavillion gleich gegenüber.
    Dazu aktuell, Guthabenschnitt für alle auf der schönen Mittelmeerinsel Zypern. Alles in allem ein nachdenklicher Frühlingsanfang im Europa der Zukunft, der Bürger, aber
    nun weiß man endlich wo`s langgeht.

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