Unicredit vs. Hypo-Vereinsbank: München muss für Mailand zahlen

Unicredit vs. Hypo-Vereinsbank
München muss für Mailand zahlen

Die EZB setzt die italienische Großbank Unicredit unter Druck. Bis Ende Februar soll ein Plan für den Umgang mit faulen Darlehen vorliegen. Deswegen fließen Milliarden von der Tochter Hypo-Vereinsbank nach Mailand.
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MailandDie Europäische Zentralbank (EZB) wacht unerbittlich über Italien – und nicht nur über die Krisenbank Monte dei Paschi: Bis Ende Februar muss die Mailänder Bank Unicredit eine Strategie vorlegen, wie sie mit ihren faulen Krediten umgehen will. Diese betragen immerhin 17,7 Milliarden Euro. Das teilte die Großbank selbst zu Wochenbeginn mit. Der Unicredit-Kurs an der Piazza Affari brach am Morgen ein und wurde teilweise vom Handel ausgesetzt.

Die Forderung der EZB steht schwarz auf weiß auf Seite 4 eines Konvoluts von 1049 Seiten, das die HVB-Mutter am Montag morgen veröffentlichte. Das umfangreiche Registrierungsdokument  für die Kapitalerhöhung von 13 Milliarden Euro hatte die Börsenaufsicht Consob zuvor am Freitag in Rom gebilligt. Damit geht die  größte Kapitalerhöhung in Italien in die entscheidende Runde. Bis zum 30. Juni soll das Mammutunternehmen über die Bühne gehen.

Und zu den Vorbereitungen der Kapitalerhöhung gehört, dass die Mailänder Bank im laufenden Jahr eine Sonderdividende von drei Milliarden Euro von der Tochter HVB aus München abzieht. Das teilte die Bank am Montag mit. Ein Insider sagte Reuters, die deutschen Aufsichtsbehörden sähen mit Sorge, dass die HVB durch den Mittelabfluss geschwächt werde: „Wir sind nicht erfreut“.

Die Kapitalerhöhung ist nicht ohne Risiken, wie die Bank selbst zugibt: Das Problem der faulen Kredite könnte einmalige negative Auswirkungen auf das Nettoergebnis des vierten Quartals 2016 haben, steht im Registrierungsdokument. Der Konzernumbau führte im vierten Quartal zu Abschreibungen von 12,2 Milliarden Euro. Und das könne auch Auswirkungen auf den Jahresabschluss haben.  Die Bank will am 9. Februar, dann trifft sich der Verwaltungsrat, ihre Zahlen für 2016 bekannt geben. Eine Dividendenzahlung könne ausgesetzt werden, heißt es.

Weitere Risiken, die die EZB sieht, sind neben der Liquidität und der schwachen Rentabilität die Folgen der Geschäfte mit Russland und der Türkei. Als eine der ersten Amtshandlungen hatte der neue CEO Jean-Pierre Mustier die türkischen Tochtergesellschaft Yapi Kredi verkauft. Überprüfungen würden laufen,  steht in dem Registrierungsdokument.

Die Treffen des Verwaltungsrats häufen sich – auch an diesem Montag soll laut Insidern eines stattfinden, das nächste am  Mittwoch, mit dem dann die Kapitalerhöhung starten soll. Mustier hatte im Dezember in London den neuen Strategieplan vorgelegt, dessen Kern die Suche nach frischem Kapital für die Bank mit 55000 Angestellten in 17 Ländern ist. Am 12. Januar hatten die Aktionäre dem Plan zugestimmt, der unter anderem auch Entlassungen vorsieht, um die Bank  rentabler zu machen. 14000 Stellen sollen in den kommenden Jahren wegfallen, davon rund 1500 bei der HVB.    

Analysten sind erstaunt über die Beschleunigung der Kapitalerhöhung. Am 6. Februar hätte die Operation eigentlich starten sollen, heißt es in einer Studie von ICBPI, dem Institut der italienischen Volksbanken. Es sei nicht auszuschließen, dass das Management vom guten Marktumfeld profitieren und so dem Risiko entgegenwirken wolle, dass die Operation unter schlechteren Vorzeichen  über die Bühne gehen müsse. Denn in den vergangenen drei Monaten sei der Kurs der Aktie um 16,4, Prozent gestiegen.

Regina Krieger
Regina Krieger
Handelsblatt / Korrespondentin

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