Unicredit-Zahlen
Panne in Mailand

Weil interne Zahlen im Netz stehen, muss die italienische Bank Unicredit ihre Quartalszahlen zwei Wochen früher publizieren. Die HVB-Mutter verbucht aber einen satten Gewinn. Der Sanierungskurs zahlt sich allmählich aus.
  • 1

RomFrüh aufstehen mussten die Mitglieder des Verwaltungsrats der italienische Großbank Unicredit am Dienstagmorgen. Noch vor dem Öffnen der Märkte wurden sie in Mailand zusammengetrommelt, um offiziell die Zahlen für das dritte Quartal 2017 abzusegnen, damit diese dann rechtzeitig vor neun Uhr veröffentlicht werden konnten.

Denn es war eine Panne passiert: Am späten Montagnachmittag war auf der Website der Mailänder Bank eine Tabelle „mit zwei verborgenen, aber lesbaren Säulen“ aufgetaucht, so hießt es in einer Mitteilung, die die Bank um sechs Uhr in der Frühe verschickte. Und die Tabelle war irrtümlicherweise auch per Mail an Investoren und Finanzanalysten gesendet worden. „In der Tabelle standen vorläufige und unvollständige Zahlen über das dritte Quartal 2017“, heißt es in dem dürren Kommuniqué. Die Zahlen seien sofort von der Website genommen worden. Investoren und Finanzanalysten wurden mit einer neuen Mail über den Fehler informiert.

Doch der Schaden war angerichtet. Also mussten die Quartalszahlen raus, vierzehn Tage früher als es der Finanzkalender der HVB-Mutter vorgesehen hatte. Auf der Unicredit-Homepage wurde auch am Vormittag noch zum „Conference call“ am 9. November vormittags eingeladen. Dann sollen schließlich alle Zahlen im Detail mitgeteilt werden.

Es sieht nach einem technischen Versehen aus. Vermutlich hat jemand zu früh auf den Knopf gedrückt. Doch italienische Medien erinnerten sogleich daran, dass die Bank im Juli den Markt mitgeteilt hatte, dass es einen Angriff von Hackern gegeben hätte. Daten von 400.000 Kunden seien eingesehen worden. Doch Unicredit versicherte, dass kein PIN und kein Kennwort entwendet worden sei.

Immerhin, die ersten Zahlen beflügelten den Aktienkurs an der Mailänder Börse. Er stieg bis gegen Mittag auf 17,1 Euro pro Aktie. Für die ersten drei Quartale des Jahres kann die Bank einen Gewinn von 2,8 Milliarden Euro verbuchen im Vergleich zu 447 Millionen im Vorjahreszeitraum. Das kommt durch den Verkauf des Vermögensverwalters Pioneer an den französischen Vermögensverwalter Amundi, den Bankchef Jean-Pierre Mustier im vergangenen Dezember eingefädelt hatte. Im Juli wurde der Verkauf vollzogen und brachte einen Buchgewinn von 2,1 Milliarden Euro.

Doch auch ohne die Erlöse aus dem Pioneer-Verkauf und andere Einmaleffekte verdoppelt die Mailänder Bank ihren Gewinn fast auf 838 Millionen Euro von 447 Millionen Euro vor Jahresfrist. Die Aufwendungen für faule Kredite fielen auf rund 600 Millionen Euro - vor einem Jahr waren es noch eine Milliarde Euro. Außerdem sanken die Ausgaben für Personal um fast fünf Prozent.

Der Franzose Mustier, seit 2016 als CEO an der Spitze der Großbank, verfolgt von Anfang an einen strikten Spar- und Umbaukurs. Er ist der Regisseur einer als historisch bezeichneten und gelungenen Kapitalerhöhung von 13 Milliarden Euro zu Beginn des Jahres. In zwei Jahren soll der Umbau der Bank abgeschlossen sein. Vor kurzem wurde über eine Übernahme der Commerzbank spekuliert.

Am Tag der Internetpanne in Mailand war Mustier in Abu Dhabi. In der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate eröffnet Unicredit eine Filiale für Corporate und Investmentbanking. Der Staatsfonds Mubadala ist über die Aabar Luxemburg Großaktionär bei Unicredit. Von Abu Dhabi sprach er beruhigend über die Situation der Banken in Italien: „Der Aufschwung ist solide, Italien hat ein großes Wachstumspotenzial und kann ein Champion des 21. Jahrhunderts sein“, sagte Mustier. Die italienische Regierung und die Aufsichtsbehörden hätten eine exzellente Arbeit geleistet für den Bankensektor “und Lösungen gefunden, dass man heute sagen kann, dass es kein systemisches Risiko mehr gibt für Italien.“

Regina Krieger
Regina Krieger
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Unicredit-Zahlen: Panne in Mailand"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ITALIENS GRÖSSTE BANK
    Unicredit macht dicken Gewinn
    Datum:
    24.10.2017 09:33 Uhr
    Der Verkauf des Investmenthauses Pioneer spült Geld in die Kassen der Unicredit. Aber nicht nur deswegen kann die größte Bank Italiens und Mutter der Hypovereinsbank ein Ergebnis von fast drei Milliarden Euro ausweißen.

    ............................

    Hoffentlich kommt die Hühnergrippe nicht !

    Weil wenn die Hühner sterben dann sind die im Gewinn einkalkulierte noch nicht gelegte Eier dann nicht vorhanden !!!

    So sieht es aus mit den Gewinnen.

    Verträge laufen noch und könnten jetzigen Gewinn vierfach auffressen in kommende Jahren !!!


Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%