Unterschlagung: Südkoreanische Bank zeigt Chef an

Unterschlagung
Südkoreanische Bank zeigt Chef an

Die Shinhan Finanzgruppe, Südkoreas größtes Finanzimperium nach Marktkapitalisierung, steht offenbar kurz davor, ihren Präsidenten Shin Sang-hoon zu entlassen. Grund für den unfreiwilligen Abschied des asiatischen Top-Bankers ist ein in der Branche ungewöhnlicher Vorgang.
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TOKIO. Am gestrigen Vormittag wurde Shin von der zur Konzerngruppe gehörenden Shinhan Bank, deren Präsident er von 2003 bis 2009 war, wegen des Verdachts auf Unterschlagung und Amtspflichtverletzung angezeigt. Nach Angaben der Bank soll es sich in einem Fall um 95 Mrd. Won (etwa 62,5 Mio. Euro) handeln, in einem anderen um 1,5 Mrd. Won. Das Mutterhaus plane nun eine Sitzung des Boards, um einen Rausschmiss wegen der - bisher nicht bewiesenen - Vorwürfe zu beraten, meldete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Wann die Sitzung stattfinden soll, ist nicht bekannt.

Den Stein ins Rollen brachte offenbar die Finanzaufsicht des Landes. Sie soll die Bank um Informationen gebeten haben, um nachzuprüfen, ob der Chairman der Finanzgruppe, Ra Eung Chan, ein Konto unter dem Namen einer anderen Person eröffnet hat. Dies ist in Südkorea verboten. Eine daraufhin eingeleitete interne Untersuchung habe laut Shinhan Bank zugleich zu Tage gefördert, dass Shin (62) unberechtigter Weise drei Unternehmen einen Kredit über 95 Mrd. Won gegeben hatte - eines davon stand in Verbindung mit einem Verwandten von Shin. Zugleich sollen er und weitere sechs Angestellte der Bank zusätzlich 1,5 Mrd. Won veruntreut haben. Shin bestreitet laut Yonhap die Vorwürfe.

Die Finanzaufsicht will nun selbst genauer in die Bücher der Bank schauen. "Wir planen, den Fall im November unter die Lupe zu nehmen, wenn eine reguläre Inspektion ansteht", hieß es bei der Finanzaufsicht. Auf Veruntreuung steht im schlimmsten Fall eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Der Kurs der gesamten Finanzgruppe sackte aufgrund der Berichte deutlich ab. Er fiel um 4,87 Prozent, der stärkste Einbruch seit sieben Monaten, die Aktie schloss bei 43950 Won.

Das Verfahren Shin ist bereits das dritte, bei dem es um das schwache Risiko-Management innerhalb einer Bank geht. Die Finanzaufsicht hatte zuvor den Chef der KB Finanzgruppe wegen schlechten Managements zum Rücktritt bewegt. Im letzten Monat ging es dem früheren Kookmin-Bank-Chef Kang Chung-won ebenfalls wegen verlustreichen Investments an den Kragen.

Dass prominente Verurteilte in Südkorea jedoch nach wie vor auch schnell wieder amnestiert werden können, zeigt der Fall von Samsung-Gründersohn Lee Kun-hee. Er wurde im vergangenen Jahr wegen Korruption verurteilt, aber von Präsident Lee Myung-bak kurze Zeit später wieder begnadigt. Südkorea braucht ihn für die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 - als Strippenzieher hinter den Kulissen.

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