Untersuchung HRE hatte ihre Risiken nicht im Griff

Die Bundesbank macht der Hypo Real Estate schwere Vorwürfe: In ihrem Prüfbericht listet die Beamten schwerwiegende Versäumnisse bei der Erfassung von Risiken auf. Das wirft kein gutes Licht auf die Aufsicht der Bank. Und dazu zählen auch prominente Politkker.
Die Hypo Real Estate hatte offenbar ihre Risiken nicht im Griff. Quelle: dpa

Die Hypo Real Estate hatte offenbar ihre Risiken nicht im Griff.

(Foto: dpa)

BERLIN. Unter dem Strich war die HRE nach der Übernahme des irischen Staatsfinanzierers Depfa im Oktober 2007 offensichtlich zu keinem Zeitpunkt in der Lage, ihre Risiken angemessen zu erfassen. Im September 2008 konnte der Immobilienfinanzierer nur durch ein Engagment der öffentlichen Hand und der Kreditwirtschaft aufgefangen werden, das sich mittlerweile auf mehr als 100 Mrd. Euro beläuft. Seit mehreren Wochen versucht ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zu ergründen, ob dieses Debakel von der Bankenaufsicht zu verhindern war und welche Verantwortung das Bundesfinanzministerium dabei trägt.

"Die Risikosteuerungs- und Controllingprozesse der HRE-Gruppe sind teilweise noch nicht in sich konsistent und gewährleisten nicht in allen Bereichen eine vollständige Erfassung der wesentlichen Risiken", schreibt die Bundesbank in dem Bericht vom Juni 2008, der dem Handelsblatt vorliegt. Der tägliche Liquiditätsrisikoreport erfasse nicht alle relevanten Zu- und Abflüsse. Zudem wurden bei der Ermittlung der aufsichtlichen Eigenmittelanforderungen Positionen nicht berücksichtigt, so dass die Ausstattung mit Eigenmitteln per 31.7.2007 nicht korrekt beschrieben wurde.

Ferner fiel der Bundesbank auf, dass die "Antwortzeiten der HRE-Gruppe" zu Anfragen der Prüfer "großteils außergewöhnlich lang" waren. "Die Rückmeldungen erfolgen erst auf mehrfache Anfrage, so dass personelle Engpässe zumindest in einigen Bereichen Fachbereichen offenkundig wurden", schreibt die Bundesbank.

Nach ihrem Mitte Januar 2008 publizierten Abschreibungsbedarf auf strukturierte Papiere geriet die HRE stärker ins Visier der Bankenaufsicht, die sich BaFin und die Bundesbank teilen. Ab Februar wurden wöchentliche Berichte über den Liquiditätsstatus der Gruppe angefordert, seit Mitte März erhielt die Bundesbank tägliche Liquiditätsberichte.

Nach Angaben von BaFin-Bankenprüfer Stefan Schrader, der gestern vor dem Untersuchungsausschuss aussagte, wurde das Bundesfinanzministerium regelmäßig über die Lage der HRE unterrichtet. Das geschah beispielsweise zwei Mal im Januar und allein fünf Mal im März. Am 20.3. ging ein Schreiben direkt an den damaligen Abteilungsleiter Jörg Asmussen, in dem es auch um die allgemeine Lage der Pfandbriefbanken ging.

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