Urteil am Landgericht Köln
Nur ein Ex-Oppenheim-Manager soll ins Gefängnis

Nach gut zwei Jahren Verhandlung sind die Urteile im Strafprozess gegen vier ehemals persönlich haftenden Gesellschafter der Bank gefallen. Das Gericht verhängt vor allem Bewährungsstrafen. Eine Revision ist wahrscheinlich.
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KölnIm spektakulären Strafprozess gegen die frühere Führung des Bankhauses Sal. Oppenheim hat das Landgericht Köln die vier ehemaligen Chefs des Geldinstituts zu Freiheitsstrafen verurteilt. Ins Gefängnis soll allerdings nur einer von ihnen - die übrigen Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Die Manager hätten Untreue in zwei Fällen zulasten der einst größten europäischen Privatbank begangen, entschied das Gericht am Donnerstag nach mehr als zwei Jahren Verhandlungsdauer.

Der ehemalige persönlich haftende Gesellschafter der mittlerweile von der Deutschen Bank übernommenen Privatbank Sal. Oppenheim, Friedrich Carl Janssen, erhält eine Haftstrafte in Höhe von zwei Jahren und zehn Monaten. Er soll als einziger ins Gefängnis.

Der Sprecher der Bank, Matthias Graf von Krockow, und der für das Investmentgeschäft zuständige Dieter Pfundt erhielten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, Christopher von Oppenheim von einem Jahr und elf Monaten. Alle drei Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Der fünfte Angeklagte, Immobilienentwickler Josef Esch, muss eine Geldstrafe in Höhe von 495.000 Euro zahlen. Das Gericht blieb unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft.

In einer Pause während der mehrstündigen Urteilsbegründung deutete sich am Mittag an, dass sowohl die Staatsanwaltschaft als auch einige Verteidiger für ihre Mandanten eine Revision des Urteils beantragen dürften.

Die Vorsitzende Richterin Sabine Grobecker sagte, das gesamte Verfahren sei ein „Kraftakt“ gewesen. Im Mittelpunkt des Prozesses standen ein umstrittenes Immobiliengeschäft der Bank in Frankfurt sowie dreistellige Millionenkredite an den damals schon angeschlagenen und inzwischen pleitegegangenen Arcandor-Konzern. Die Staatsanwaltschaft warf den vier Ex-Bankiers zahlreiche Pflichtverletzungen vor. Sie hätten sich nicht die notwendigen Informationen für die Geschäfte beschafft, gegen Strategien und Geschäftsordnungen der Bank verstoßen und persönliche Interessen mit denen des Bankhauses vermischt. Mit riskanten Investments in Arcandor und einer umstrittenen Immobilien-Transaktion in Frankfurt hätten sie einen Schaden von insgesamt über 100 Millionen Euro für das Bankhaus verursacht. Die Verteidiger bestritten, dass sich ihre Mandanten der schweren Untreue schuldig gemacht hätten.

Graf von Krockow und von Oppenheim hatten in einem der größten Wirtschaftsprozesse Geständnisse abgelegt, Reue gezeigt und um Milde gebeten. Die beiden anderen früher persönlich haftenden Gesellschafter hatten die Vorwürfe dagegen zurückgewiesen, sich als Randfiguren dargestellt und Freisprüche gefordert. Krockows Anwälte erklärten, dieser sei erleichtert, dass das Urteil ihm eine Lebensperspektive lasse. Es müsse aber erst eingehend geprüft werden, ehe über die Frage einer Revision entschieden werde. Alle vier Banker waren nach Angaben des Gerichts bislang nicht vorbestraft, was sich strafmildernd ausgewirkt haben könnte. Ähnliches würde gelten, wenn das Gericht einige Aussagen als Geständnis wertete, was zunächst offen blieb.

Janssen hatte in dem Verfahren betont, er sei davon ausgegangen, „dass wir Arcandor erfolgreich sanieren können“. Er war dort Aufsichtsratschef gewesen. Kerzengerade stehend und eingerahmt von seinen Anwälten stellte sich der ehemalige Risikovorstand von Sal. Oppenheim vor Prozessbeginn den Fotografen und Kamerateams. Die anderen Angeklagten warteten dagegen im Flur und kamen erst unmittelbar vor der Urteilsverkündung zurück in den Saal 210.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers müssen Krockow, Oppenheim und Pfundt auch je 300.000 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen. Josef Esch wurde wegen unerlaubten, fahrlässigen Betreibens von Bankgeschäften verurteilt. Bei ihm war es - anders als bei den Ex-Bankiers - zuletzt nur noch um Verstöße gegen das Kreditwesengesetz gegangen. Dabei stand ein Großkredit an die ehemalige Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz im Mittelpunkt.

Als Arcandor im Frühjahr 2009 zusammenbrach, geriet auch Sal. Oppenheim in Schwierigkeiten. Die Privatbank wurde letztlich von der Deutschen Bank aufgefangen, zu der sie seit Anfang 2010 in stark verkleinerter Form gehört.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Urteil am Landgericht Köln: Nur ein Ex-Oppenheim-Manager soll ins Gefängnis"

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  • Der berühmt, berüchtigte Kölner "Klüngel" hat tadellos funktioniert.
    Allen Beteiligten meine Gratulation für diese Art von Gerechtigkeit.
    Für eine Schale edlen Gesöffs wird es sicherlich noch reichen.
    Na, dann Prosit.

  • Jemand, der seine Ordnungsstrafe, nicht zahlen kann, wandert dafür, ersatzweise, in den Knast.
    "Die Kleinen hängt man, die Großen, lässt man laufen".
    Na dann!

  • Warum lässt ein Richter solche Schurken laufen? Warum findet sich niemand, der diese Schurken richtet? Am Geld sollte es nicht liegen.

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