Urteil zu Dresdner Kleinwort

Commerzbank muss Millionen-Boni zahlen

Mehr als 50 Millionen Euro muss die Commerzbank Investmentbankern der Dresdner Kleinwort zahlen. Das hat ein Londoner Gericht entschieden. In dem Prozess hatte auch Coba-Chef Blessing ausgesagt.
Update: 09.05.2012 - 12:46 Uhr 23 Kommentare
Die Commerzbank muss Investmentbankern der Dresdner Kleinwort Millionen Boni auszahlen. Quelle: dpa

Die Commerzbank muss Investmentbankern der Dresdner Kleinwort Millionen Boni auszahlen.

(Foto: dpa)

LondonDie Commerzbank muss ehemaligen Investmentbankern der Dresdner Kleinwort mehr als 50 Millionen Euro an Prämien auszahlen. Das hat ein Londoner Gericht entschieden. Die teilverstaatlichte Commerzbank hatte den Bankern des Instituts die Auszahlung verweigert. Die Commerzbank, die im Spätsommer 2008 die Dresdner Bank übernommen hatte, ist Rechtsnachfolger der inzwischen liquidierten früheren Investmentbank. Die zweitgrößte deutsche Bank behält sich Rechtsmittel vor.

In London erregt der Prozess großes Aufsehen, weil Großbritannien gerade erneut in einer hitzigen Debatte über Banker-Boni steckt. Erst im Januar hatte Premierminister David Cameron kritisiert, die Sonderzahlungen und Leistungsprämien an die Investmentbanker seien „außer Kontrolle geraten“.

Um Punkt 10.30 Uhr begann Richter Robert Owen im Saal 15 des altehrwürdigen Royal Courts of Justice in der Londoner City mit der Verlesung des mit Spannung erwarteten Urteils. „Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Beklagten die strittigen Summen an die Kläger ausbezahlen müssen.“ Damit ist klar, dass die Commerzbank Boni im Wert von 52 Millionen Euro an 104 ehemalige Investmentbanker auszahlen muss.

Im Gegensatz zur Commerzbank ist Richter Owen der Meinung, dass durch das Versprechen des ehemaligen Dresdner-Kleinwort-Chefs Stefan Jentzsch und die anschließenden Bonusbriefe ein verbindlicher Vertrag zustande gekommen ist. Die Commerzbank will wenn möglich in Berufung gehen.

„Wir haben das Urteil zur Kenntnis genommen und behalten uns vor, Rechtsmittel einzulegen“, sagte ein Sprecher. Die Bank ist nach wie vor davon überzeugt, „dass es richtig war, die Boni zu reduzieren, nachdem das Investment-Banking von Dresdner Kleinwort 2008 einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro ausgewiesen hat“.

"Commerzbank-Zahlen schwächer als erwartet"

„Das Urteil hat nichts mit dem aktuellen Streit um Bankerboni zu tun“, meint Mark Levine von der Kanzlei Mishcon de Reya, einer der Anwälte der klagenden Banker. Die Dresdner habe die Boni versprochen, um nach den Verkauf an die Commerzbank einen gefährlichen „Massenexodus“ zu verhindern.

Blessing Ende Januar im Kreuzverhör
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23 Kommentare zu "Urteil zu Dresdner Kleinwort: Commerzbank muss Bankern Millionen-Boni zahlen"

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  • Vertrag ist Vertrag. Auch ein Herr Funk kassiert eine Millionenabfindung und riesige Bezüge aus der Altersvorsorge, obwohl er die HRE gewaltig gegen die Wand gefahren hat.

  • Lesen Sie hier zur Beantwortung Ihrer Fragen nach:
    http://www.lobbypedia.de/index.php/J%C3%B6rg_Asmussen

  • Auch mein Vorschlag.

    Der Staat hätte erklären sollen, welches seine Bank ist und wo die Kundeneinlagen sicher sind. Es wäre jedem Kunden freigestellt gewesen, seine Risikobeurteilung daran auszurichten.

    Ein anderes Modell wäre gewesen, den Vorständen das Vertrauen in deren verantwortungsvolles Handeln auszusprechen und die Übergabe der Bank an den Staat seitens der gleichen Vorstände dann zu verlangen, wenn diese der Meinung waren, dass sie für die Bank nichts mehr tun können. Es wäre dann marktwirtschaftlich die Sache der Aktionäre gewesen, "ihre" Vorstände ordentlich zu überwachen.

    Aber das, was jetzt gemacht wurde, das war gar nichts. Da war eine riesige Vermögensumverteilung von unten nach oben stattgefunden. Das müssen sich die letzten beiden Regierungen eindeutig entgegen halten lassen.

    Dumm ist natürlich, dass die Banker festgestellt haben, dass das System funktioniert und es ausbauen. Schauen sie sich den ESM an. Schon wieder das gleiche Strickmuster.

    http://www.youtube.com/watch?v=r4crr-kX9zc

  • Das ist eine sehr gute Frage. Ich schätze, Blessing übernimmt keine Verantwortung.

    Dazu ein anderer, ernsthafter Spruch von mir, der Ihnen sicherlich gefallen wird: "Wer zuständig ist, muss verantwortlich sein. Wer nicht verantwortlich ist, kann auch nicht zuständig sein."

    Um zu den Händlern zurückzukommen. Es gibt keinen Händler, der nicht zu seinem Wort steht. Darin liegt der gewaltige, charakterliche Unterschied. Sie konnten die unterschiedlichen Qualitäten der Vorstände auch an deren unterschiedlichem Auftritt vor dem Gericht erkennen und nachlesen.

    Dass das Bonigehabe unvertretbare Ausmaße erreicht hat, darüber streiten wir nicht. Und dennoch müssen Sie sich klar sein, dass der Erfolg oder Misserfolg der Kläger auf "Heller und Pfennig" nachkalkuliert wird, während die Tantieme der Vorstände meist an den Bilanzgewinn - und dieser wiederum von der Bewertungsmethode abhängig ist - gebunden ist. Ein Schema, das als erstes ausgekehrt werden müsste.

    Typisches Beispiel ist, wie Ihnen sicherlich bekannt auch ist, wie der Steuerzahler, der sehr viel Geld in Commerzbank zu deren Erhalt hineingepumpt hat, leer ausgeht, während die Vorstände nach wie vor mit üppigem Salär abgefunden werden. Auch Aufsichtsräte, die überhaupt nichts zum Erfolg beigetragen haben, werden so auch auf der Sänfte getragen.

    Ich nehme an, dass Ihre Kritik in diese Richtung gerichtet war und darin unterstütze ich Sie.

    Der Bonivirus kam übrigens nach Deutschland nachdem die Deutsche Bank das Bankhaus Morgan Grandfield schluckte. Die Angelsachsen brachten diese Kultur mit und die deutschen Händler wollten und konnten nicht hinten anstehen. Meines Wissens wurde damals der erste Händler in der Deutschen Bank eingestellt, der damals schon 10 Millionen DM nur deshalb erhielt, weil er unterschrieben hat. Von einer erbrachten Leistung war zu dem Zeitpunkt nicht zu sprechen. 10 Millionen DM waren damals viel Geld, sehr viel Geld.

  • @mazi
    Gut, einverstanden. Welche Verantwortung übernimmt nun Herr Blessing ? Wahrscheinlich, wie immer, keine.

  • Der Brechreiz von Kunden, Aktionären un Aktionären steigt ins Unermessliche bei solchen Sprüchen wie die von Blessing: "Ich kann die Enttäuschung der Investmentbanker verstehen, aber in diesem Fall musste ich auch die Interessen unserer Aktionäre und der Öffentlichkeit in Betracht ziehen.“

    Vor Gericht zieht Herr Blessing ganz opportun die Karte "Aktionär". Nämlich die Aktionäre, die er in den vergangenen Jahren in einer Art geprellt hat wie es in der deutschen Bankengeschichte vorher noch nie geschehen ist. Juristisch sauber, ansonsten unanständig. Bei den Aktionären hält die Gier der ehemaligen Mitarbeiter für die eigene Unfähigkeit her. Bei den Mitarbeitern wird es dann der Hauptaktionär Staat sein der die Handlungsunfähigkeit der Coba zementiert. Und die Kunden sind nur "Muppets" um bei der Sprache eheverbundener Goldmänner zu bleiben. Es sind immer die ANDEREN, nicht wahr Herr Blessing?
    Wieviel Schaden darf ein Manager in Deutschland eigentlich anrichten? Der "Blender" Rodrigo Rato ist gerade seines Amtes bei der spanischen Bankia enthoben worden und auch sonst geht man dort mit Managern in Banken unter Staatskuratel nicht zimperlich um. Im korrupten Deutschland haben Kapitalvernichter im schlimmsten Fall den Tod durch Verfettung zu fürchten. Und wenn dann noch Herr Müller als Aufsichtsratsvorsitzender der Coba über Werte und Best-Governance redet, dann ist der Brechreiz nicht mehr zu halten.

  • @Oelblase
    Die Rettung Griechenlands ist eine Frage des ESM. Ob ein Gericht in Sachen ESM angerufen werden kann, beantwortet der Blick in den ESM-Vertrag.

    Hier der Link mit der Antwort auf Ihren Gedankengang:
    http://www.youtube.com/watch?v=r4crr-kX9zc

  • @kuac
    Ich denke, dass Sie gewaltig daneben liegen. Sie bringen Punkte ungeordnet und ohne Zusammenhang an.

    Sie schreiben "solche Banker". Woher wissen Sie, dass es nicht die anderen Banker waren.

    Wenn die Coba Milliarden Verluste macht, dann ist das keine Aussage, dass dies "solche Banker" zu verantworten haben. Wenn die klagenden Mitarbeiter die außer Zweifel stehende Zusage der Millionenboni der Dresdner Bank hatten und zwar zu einen Zeitpunkt bevor Blessing die Dresdner Bank "kaufte", dann wäre es sachgemäß gewesen eben diese Boni vom Kaufpreis abzuziehen.

    Wenn hier über etwas nachzudenken wäre, dann dahingehend, dass Blessing hier einen Fehler bei der Zusammenstellung/Bewertung der Verbindlichkeiten gemacht hat, den er nicht von den besagten Händlern einfordern darf.

    Ob die zugesagten Boni, das gesamte Bonusgehabe in Ordnung waren/war, ist etwas anderes. Darüber hatte das Gericht nicht zu urteilen. Das darf man nicht vermischen.

    Wenn Sie dieses Thema aufmachen, dann müssen Sie die Frage aufwerfen, ob es ethisch und moralisch verantwortlich ist, dass Vorstände das 200-fache eines Mitarbeitergehalts kassieren dürfen. Bei dieser Argumentation sind wir zusammen.

  • Das sehen Sie durch eine ganz spezielle Brille. In der Tat ist davon auszugehen, dass das Urteil vor einem deutschen Gericht anders ausgefallen wäre, anders ausgefallen wie die zahllosen Prozesse gegen Versicherungen.

    Zurück zum Thema! Der Unterschied zwischen Deutschland und England liegt in der Rechtssicherheit. Während in England Verträge, so sie geschlossen sind, auch gegen einen, gegen die Commerzbank, gelten. Nachdem Blessing in England vor dem Gericht ausgesagt hatte, gab es keinen Zweifel mehr an dem Urteil.

    Wo lag das Problem? Die klagenden Mitarbeiter waren zweifellos von der Commerzbank autorisierte Händler. Händler, deren Wort, deren Wort sogar am Telefon gilt. Ein Wort, das die Commerzbank zur Zahlung von Milliarden verpflichtet und begünstigt. Während der für das Investmentbanking zuständige Vorstand den mündlichen Vertrag bestätigte, merkte Blessing an, dass die handschriftliche Unterschrift unter dem Vertrag fehle. Das war ein Eigentor, bei dem sich die Szene auf die Schenkel klopfte. Blessing hatte sich bis auf die Knochen blamiert.

    Man kann vieles den Britten nachsagen, aber was die Rechtssicherheit angeht, kann man sich auf sie verlassen. Hier bei uns sind zwar die Gerichte auch unabhängig, aber anders als dort. Zahlreiche Gerichtsurteile sind bei uns so unabhängig, dass sie nicht einmal von der objektiv vorliegenden Sachlage abhängig sind. Viele Urteile, wenn man sie sorgfältig liest, sind derart gestylt, dass sie den Leser anekeln.

  • Politik ist das was Wirtschaft zuläßt

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