Urteil zu Dresdner Kleinwort
Commerzbank muss Bankern Millionen-Boni zahlen

Mehr als 50 Millionen Euro muss die Commerzbank Investmentbankern der Dresdner Kleinwort zahlen. Das hat ein Londoner Gericht entschieden. In dem Prozess hatte auch Coba-Chef Blessing ausgesagt.
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LondonDie Commerzbank muss ehemaligen Investmentbankern der Dresdner Kleinwort mehr als 50 Millionen Euro an Prämien auszahlen. Das hat ein Londoner Gericht entschieden. Die teilverstaatlichte Commerzbank hatte den Bankern des Instituts die Auszahlung verweigert. Die Commerzbank, die im Spätsommer 2008 die Dresdner Bank übernommen hatte, ist Rechtsnachfolger der inzwischen liquidierten früheren Investmentbank. Die zweitgrößte deutsche Bank behält sich Rechtsmittel vor.

In London erregt der Prozess großes Aufsehen, weil Großbritannien gerade erneut in einer hitzigen Debatte über Banker-Boni steckt. Erst im Januar hatte Premierminister David Cameron kritisiert, die Sonderzahlungen und Leistungsprämien an die Investmentbanker seien „außer Kontrolle geraten“.

Um Punkt 10.30 Uhr begann Richter Robert Owen im Saal 15 des altehrwürdigen Royal Courts of Justice in der Londoner City mit der Verlesung des mit Spannung erwarteten Urteils. „Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die Beklagten die strittigen Summen an die Kläger ausbezahlen müssen.“ Damit ist klar, dass die Commerzbank Boni im Wert von 52 Millionen Euro an 104 ehemalige Investmentbanker auszahlen muss.

Im Gegensatz zur Commerzbank ist Richter Owen der Meinung, dass durch das Versprechen des ehemaligen Dresdner-Kleinwort-Chefs Stefan Jentzsch und die anschließenden Bonusbriefe ein verbindlicher Vertrag zustande gekommen ist. Die Commerzbank will wenn möglich in Berufung gehen.

„Wir haben das Urteil zur Kenntnis genommen und behalten uns vor, Rechtsmittel einzulegen“, sagte ein Sprecher. Die Bank ist nach wie vor davon überzeugt, „dass es richtig war, die Boni zu reduzieren, nachdem das Investment-Banking von Dresdner Kleinwort 2008 einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro ausgewiesen hat“.

„Das Urteil hat nichts mit dem aktuellen Streit um Bankerboni zu tun“, meint Mark Levine von der Kanzlei Mishcon de Reya, einer der Anwälte der klagenden Banker. Die Dresdner habe die Boni versprochen, um nach den Verkauf an die Commerzbank einen gefährlichen „Massenexodus“ zu verhindern.

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Blessing Ende Januar im Kreuzverhör

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  • Vertrag ist Vertrag. Auch ein Herr Funk kassiert eine Millionenabfindung und riesige Bezüge aus der Altersvorsorge, obwohl er die HRE gewaltig gegen die Wand gefahren hat.

  • Lesen Sie hier zur Beantwortung Ihrer Fragen nach:
    http://www.lobbypedia.de/index.php/J%C3%B6rg_Asmussen

  • Auch mein Vorschlag.

    Der Staat hätte erklären sollen, welches seine Bank ist und wo die Kundeneinlagen sicher sind. Es wäre jedem Kunden freigestellt gewesen, seine Risikobeurteilung daran auszurichten.

    Ein anderes Modell wäre gewesen, den Vorständen das Vertrauen in deren verantwortungsvolles Handeln auszusprechen und die Übergabe der Bank an den Staat seitens der gleichen Vorstände dann zu verlangen, wenn diese der Meinung waren, dass sie für die Bank nichts mehr tun können. Es wäre dann marktwirtschaftlich die Sache der Aktionäre gewesen, "ihre" Vorstände ordentlich zu überwachen.

    Aber das, was jetzt gemacht wurde, das war gar nichts. Da war eine riesige Vermögensumverteilung von unten nach oben stattgefunden. Das müssen sich die letzten beiden Regierungen eindeutig entgegen halten lassen.

    Dumm ist natürlich, dass die Banker festgestellt haben, dass das System funktioniert und es ausbauen. Schauen sie sich den ESM an. Schon wieder das gleiche Strickmuster.

    http://www.youtube.com/watch?v=r4crr-kX9zc

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