US-Banken
Aufstand gegen „obszöne Gehälter“

Den Top-Managern der US-Banken steht eine Sparrunde ins Haus. Nicht nur bei Citigroup, auch bei der Bank of America wächst unter den Aktionären der Widerstand gegen neue Boni. Ein Analyst spricht von einem „Weckruf“.
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New YorkDie Citigroup wird in diesem Jahr 200 Jahre alt. Allerdings dürfte Vorstandschef Vikram Pandit kaum zum Feiern zumute sein. Seine Aktionäre meutern. Erstmals haben sie gegen sein Millionengehalt und die Boni der Topmanager der Bank gestimmt. 55 Prozent der Eigentümerstimmen votierten auf der Hauptversammlung gegen das geplante 15-Millionen-Dollar-Gehalt für Pandit. Sie sind unzufrieden: Die Citigroup war die einzige Großbank, die jüngst bei den Stresstests der US-Notenbank durchgefallen war.

Bankenkritische Analysten feiern das als ein richtungsweisendes Ereignis: „Das ist ein Meilenstein für Corporate America“, sagte Mike Mayo, Bankenanalyst bei CLSA. „Wenn Anteilseigner sich zu Wort melden zu Dingen, zu denen sie bislang geschwiegen haben, ist das ein Weckruf“, so der Experte, der in der Vergangenheit die Gehälter vor allem bei der Citigroup lautstark kritisiert hatte. Nun könnte den US–Großbanken ein heißer Mai blühen. Dann finden die meisten Hauptversammlungen statt.

Eine wichtige Rolle bei der Niederlage der Citigroup-Führung spielten die Aktionärsberatungsfirmen ISS und Glass Lewis & Co. Beide hatten empfohlen, gegen die Vorschläge der Bank in Sachen Boni zu stimmen. Die Dienstleister, an deren Vorschlägen sich viele Fondsmanager orientieren, waren hart mit dem Institut ins Gericht gegangen. „Die Bank bekommt eine (Schulnote) 6 für die Bezahlung der Manager. Das Unternehmen bezahlte mehr als die vergleichbare Konkurrenz, aber ihre Entwicklung war schlechter“, heißt es in der Studie von Glass Lewis. Fondsmanager Brian Wenzinger von Aronson Johnson Ortiz, der ebenfalls gegen Pandits Bezahlung gestimmt hat, sagte: „Vorstandschefs verdienen ein gutes Gehalt. Aber es gibt gute Gehälter und obszöne Gehälter.“ Die Citi-Führung hat angekündigt, nun das Gespräch mit den Aktionären zu suchen.

Gegenwind könnte auf der anstehenden Hauptversammlung auch Brian Moynihan entgegenwehen, dem Chef des zweitgrößten US-Instituts Bank of America, die heute ihre Zahlen für das erste Quartal präsentiert. Dessen Bezahlung hatte sich 2011 auf 18 Millionen Dollar vervielfacht, obwohl die Bank zu den Instituten mit den größten Problemen gehört. „Man könnte davon sprechen, dass Bezahlung und Leistung bei Bank of America in der Tat entkoppelt sind“, sagte Frank Glassner, Partner bei Meridian Compensation Partners, einer Beratungsfirma für Managerbezahlung.

Für die Investmentbank Goldman Sachs dürfte die Abstimmung über das Gehalt von Bankchef Lloyd Blankfein besonders wichtig werden. Und das nicht so sehr wegen der absoluten Höhe, die um 35 Prozent auf rund zwölf Millionen Dollar zurückging. Vielmehr haben sich die Skandale und Skandälchen bei der weltgrößten Investmentbank in jüngster Zeit derart gehäuft, dass die Abstimmung über das Gehalt zu einer Abstimmung über die Führungsqualitäten Blankfeins werden könnte.

Topverdiener unter den Wall-Street-Banken war im vergangenen Jahr mit 23 Millionen Dollar Jamie Dimon, Chef der größten US-Geschäftsbank JP Morgan. Da das Institut 2011 aber ein Rekordergebnis erzielte, könnte dies von den Aktionären goutiert werden. Die Empfehlung von ISS und Glass Lewis für die Hauptversammlungen der drei Institute liegen noch nicht vor.

Unumstritten dürfte in jedem Fall die Bezahlung des derzeit wohl erfolgreichsten Bankchefs in den USA sein: John Stumpf von Wells Fargo. Schließlich eilt die Westküstenbank seit Jahren von Rekordgewinn zu Rekordgewinn und ist mittlerweile an der Börse mehr wert als der nach Bilanzsumme erheblich größere Konkurrent JPMorgan. Glass Lewis jedenfalls empfiehlt den Aktionären, Stumpfs stattliches Gehalt von 19 Millionen Dollar durchzuwinken.

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