US-Banken
Die Party ist vorerst vorbei

Haushaltsstreit, Rätseln über die Notenbank Fed, schwaches Wachstum: Wie das dritte Quartal gezeigt hat, verderben die vielen Risiken den US-Geldhäusern das Kapitalmarktgeschäft. Glück hat, wer sein Geld anders verdient.
  • 0

New YorkNach einer durchwachsenen Woche für die Wall-Street-Banken sorgte immerhin Morgan Stanley am Ende noch für etwas gute Laune. Die New Yorker Investmentbank hat im dritten Quartal kräftig zugelegt, kräftiger noch als von Analysten erwartet. Damit konnte sie auch gegen den übermächtigen Konkurrenten auftrumpfen, Goldman Sachs. Das erfolgsverwöhnte Investmenthaus hatte am Donnerstag enttäuscht.

Das Ergebnis „spiegelt unsere Fortschritte wider, das Unternehmen gut für die Zukunft aufzustellen“, sagte Morgan-Stanley-Chef James Gorman am Freitag bei der Vorlage der Zahlen. Im Vergleich zum Minus von rund einer Milliarde Dollar wegen Sondereffekten im Vorjahreszeitraum konnte das Institut nun einen Gewinn von knapp 0,9 Milliarden Dollar vorweisen. Die Einnahmen legten von 5,3 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal auf 7,9 Milliarden zu. Grund sind vor allem gute Geschäfte im Aktienhandel und in der Vermögensverwaltung, mithin das Ergebnis einer umfassenden Umstrukturierung.

Damit konnte Morgan Stanley einen negativen Branchentrend ausgleichen, der auch die Investmentbank erfasst hat: Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen (FICC). Dieser Geschäftsbereich brach bei Morgan Stanley um 44 Prozent ein, genauso wie bei Goldman. Die Citigroup verlor dort 26 Prozent, die Bank of America 20. Etwas weniger dramatisch ging es bei der nach Vermögenswerten größten US-Bank aus: JP Morgan büßte 8 Prozent ein.

Für reine Investmentbanken wie Goldman, so zeigt das dritte Quartal, ist die große Party also erst einmal vorbei. Und es zeigt, wie stark die Branche von den Kapitalmärkten abhängig ist. Demgegenüber standen Banken mit eher traditionellem Geschäftsmodell auch im dritten Quartal gut da. So konnte etwa Wells Fargo aus San Francisco die Folge der Rekordgewinne abermals verlängern.

Als Gründe für die Schwäche im Investmentbanking nennen Analysten die Unwägbarkeiten durch den nur vorübergehend gelösten Haushaltsstreit in Washington, das weiter schwache Wachstum in Europa, vor allem aber die Unsicherheit bei Investoren über den künftigen Kurs der US-Notenbank Fed. Die Zentralbanker hatten zunächst den Eindruck erweckt, ab September die lockere Geldpolitik zu zügeln, dann aber überraschend einen Rückzieher gemacht.  

„Die Ergebnisse des dritten Quartals zeigen, dass die Kunden weniger aktiv waren“, sagte auch Goldman-Chef Lloyd Blankfein bei der Vorlage der Zahlen. Er hofft, dass nach der Einigung in Washington Firmen und Investoren wieder optimistisch sind „und damit das Fundament für eine nachhaltige Erholung legen“. Goldman hatte für das dritte Quartal einen Rückgang der Erlöse von 8,4 auf 6,7 Milliarden Dollar gemeldet. Der Gewinn ging leicht auf 1,5 Milliarden einigermaßen stabil – jedoch nur deshalb, weil das Unternehmen bei den Boni sparte.

Kommentare zu " US-Banken: Die Party ist vorerst vorbei"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%