US-Banken: Liebesentzug für Obama

US-Banken
Liebesentzug für Obama

Die ungewöhnliche Romanze der Wall Street mit dem demokratischen Präsidenten Barack Obama ist Geschichte. Die Banken investieren wieder in die republikanische Opposition. Und hoffen im Gegenzug auf mildere Regulierungsregeln.
  • 2

NEW YORK. Eisige Kälte dürfte Präsident Barack Obama entgegenschlagen, wenn er kommenden Mittwoch nach New York reist, um Wahlkampfspenden für die politisch angeschlagenen Demokraten einzuwerben. Die Schar seiner Anhänger, die im plüschigen Ballsaal des Nobelhotels "Roosevelt" seinen Worten andächtig lauschen werden, ist kleiner geworden. In der Finanzgemeinde darf der eloquente Präsident kaum auf Zustimmung hoffen. "Obama hat die Wall Street mit seiner Finanzreform nachhaltig gegen sich aufgebracht", sagt Chris Whalen, Gründer des Researchinstituts Institutional Risk Analytics und einer der profiliertesten US-Bankenkritiker. "Das schafft plötzlich neue Chancen für die Republikaner."

Das zeigt sich klar in der finanziellen Unterstützung durch die Banken. Hatte die Wall Street im Wahlkampf 2008 noch 70 Prozent ihrer Spenden in die Taschen der Demokraten gelenkt, zeigen die Daten des unabhängigen Forschungsinstituts Center for Responsive Politics, dass nun 68 Prozent der Gelder an die Republikaner gehen.

Selbst die Deutsche Bank hat die Opposition für sich entdeckt. Sie hatte 2008 keinen Cent an die Republikaner gespendet. In diesem Jahr gingen den Daten zufolge immerhin 20 Prozent der Gelder an die Opposition. Auch in Frankfurt scheint man auf Nummer Sicher gehen zu wollen - schließlich liegen die Republikaner in den Meinungsumfragen vorne. Kommentieren wollte das Institut die Spenden nicht.

2008 galt Obama als Liebling der Wall Street, obwohl die Banker wussten, dass er für mehr Staatsintervention und höhere Einkommenssteuern stand. Aber nach den gesellschaftspolitisch lähmenden Jahren unter George W. Bush unterstützten die sonst eher den Republikanern zugeneigten Banker den jungen Hoffnungsträger auch deshalb, weil sie sich selbst als positive, moderne Kraft verstanden. Übrig geblieben ist von der ungewöhnlichen Liaison wenig, nachdem Obama die Banker als "Bonzen" beschimpfte und das Finanzmarktregulierungsgesetz verschärfte.

Spätestens die am Ende durch Vergleich beigelegte Klage der Wertpapier-Aufsichtsbehörde SEC gegen den Branchenprimus Goldman Sachs hat die Finanzbranche in das Lager der Opposition getrieben. "Washington hat in den vergangenen Monaten Maßnahmen wie die Klage gegen Goldman ergriffen, die dazu gemacht scheinen, Kapital und Macht aus den Händen einiger Leute abzuziehen und sie in andere Hände legen", wetterte Hedge-Fonds-Manager Daniel Loeb, der 2008 noch Hunderttausende von Dollar für Obamas Wahlkampfkasse beschafft hatte, kürzlich in einem offenen Brief gegen die Regierung.

Die neuerliche Unterstützung der Opposition durch die Banken hat vielleicht mit Rache, mehr aber mit geschäftlichem Kalkül zu tun. Sollten die Republikaner bei den Novemberwahlen, bei denen das gesamte Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu bestimmt werden, die Oberhand gewinnen, dürfte dies deutlichen Einfluss auf die Ausgestaltung des gerade beschlossenen Finanzmarktregulierungsgesetzes haben. "Das könnte die Abfassung bestimmter Regeln komplizierter machen und in einigen Fällen verlangsamen", sagte Kevin Petrasic, ehemals hochrangiger Mitarbeiter in der Bankenaufsicht und heute Anwalt bei der Kanzlei Paul, Hastings & Co in Washington.

Seite 1:

Liebesentzug für Obama

Seite 2:

Kommentare zu " US-Banken: Liebesentzug für Obama"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die ökonomische, politische und soziale Selbstzerstörung der USA geht in die nächste Runde und die maßgebenden banken profilieren sich als Totengräber aus Leibeskräften. interessant wird, welche Überlebensstrategien die Großbanken entwicklen, wenn ihre Arbeitsgrundlage, der US-$ und alle auf ihn bezogenen Werte sich rasend schnell in Richtung NULL bewegen werden, weil alles andere, was zum hetching taugen würde, viel zu wenig und zu wertlos sein wird, um dies zu bewerkstelligen. Spannende Zeiten kommen auf uns zu, sie haben schon angefangen!

  • Als Messias hat man ihn gefeiert und jetzt- kommt die Ernüchterung.
    immer wieder erstaunlich, es reichen die richtigen Worte und alle laufen mit. Ob dem Taten folgen, das ist zweitrangig.
    Je größer die Worte, desto euphorischer die Masse.
    Das ist der Finanzwelt bestens gelungen, sie haben ihrem Mann, ihren bürgen für ungehinderte bereicherung, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, er hat seine Schuldigkeit getan, jetzt kann man ihn ziehen lassen. Er wird nichts mehr bewegen. Kein Wunder, er war der bestellte Präsident der Finanzmafia, perfekt getarnt.
    Jetzt ist der Kaiser nackt. Das Volk endet im Desaster. Wer wird der nächste Messias?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%