US-Bankensektor: Bankensterben in den USA beschleunigt sich

US-Bankensektor
Bankensterben in den USA beschleunigt sich

In der zweiten und dritten Reihe des US-Bankensektors nimmt die Zahl der Zusammenbrüche seit Jahresbeginn deutlich zu. Steigende Kreditausfallraten und die Angst der US-Bürger machen den Geldhäusern zu schaffen. Auch der in die Krise geratene Hypothekenfinanzierer Freddie Mac leidet unter den Kreditausfällen - und braucht weitere Staatshilfen.

NEW YORK. Mit der kalifornischen First Centennial Bank wurde am Wochenende bereits das dritte Institut in diesem Jahr von den Behörden geschlossen. Gerald Cassidy, Analyst bei der kanadischen RBC, rechnet damit, dass 200 bis 300 Institute in diesem Jahr aufgeben werden oder nur durch Notverkauf zu retten sind. 2008 verschwanden so 25 von rund 8 400 Instituten.

Der Ausfall der oft sehr kleinen Banken ist weniger wegen der direkten finanziellen Konsequenzen ein Problem. Vielmehr verstärkt jede Pleite die Angst der US-Bürger um ihr Geld. Sie sind heute eher als früher geneigt, beim geringsten Gerücht über eine Bank ihre Konten leer zu räumen. Dies kann schnell den Tod eines eigentlich überlebensfähigen Instituts bedeuten. Viele der plötzlich auftretenden Zusammenbrüche des Jahres 2008 gehen auf diesen Effekt zurück.

Bei den meisten Pleiten in der derzeitigen Krise führen Kreditausfälle, vor allem bei Hausfinanzierungen, eine Rolle. Den auf lokale Märkte beschränkten Kleinstinstituten fehlt es an Standbeinen in anderen Sektoren, um dies auszugleichen. So erlebte First Centennial mit ihren nur sechs Filialen im Laufe des Jahres 2008 einen drastischen Anstieg der Zahl der notleidenden Kredite im kollabierenden lokalen Immobilienmarkt.

Einige, wie die Anfang Januar geschlossene National Bank of Commerce, werden aber von großen Wettbewerbern mit in den Abgrund gerissen. Dem Institut aus dem Bundesstaat Illinois wurden seine Investments in Papiere der Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae zum Verhängnis.

Die beiden im Herbst 2008 faktisch verstaatlichten Institute, die in der Vergangenheit mehr als die Hälfte des US-Häusermarktes finanziert haben, leiden ebenfalls unter der steigenden Zahl von Menschen, die ihre Hypotheken in der aktuellen Krise nicht zurückzahlen können. Am Freitag kündigte Freddie Mac an, das Institut benötige angesichts der sich abzeichnenden Verluste im vierten Quartal weitere 35 Mrd. Dollar an Staatshilfen. Wenn dies eintreten sollte, wäre gut die Hälfte der 100 Mrd. Dollar aufgebraucht, die die Regierung im Herbst 2008 zur Verfügung stellte.

Auch wenn die wachsende Zahl von Ausfällen am US-Bankenmarkt ein Zeichen für eine Verschärfung der aktuellen Krise ist, bleiben die Zahlen weit hinter denen der Großen Depression Anfang der 1930er-Jahre zurück. Damals kollabierten jährlich rund 1 000 Institute. Auch wenn Ende der 1920er-Jahre in den USA 30 000 Banken existierten, lag die Ausfallquote damals bei mehr als dem Zehnfachen.

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