US-Gebaren UBS-Steueraffäre: „Eine Aura von Diskretion“

Ein unterirdischer Tresorraum um Aktien, Bargeld, Gold und Silber steuerfrei zu lagern - mit diesem unmoralischen Angebot soll die Schweizer Großbank UBS den kalifornischen Immobilien-Magnat Olenicoff umworben haben. Der Baulöwe ist Kronzeuge der US-Steuerbehörden im Kampf gegen Steueroasen - und könnte die UBS in Schwierigkeiten bringen.
  • David Voreacos
Die Schweizer Großbank UBS soll ihre Kunden mit Steuerspar-Modellen geködert haben. Quelle: ap

Die Schweizer Großbank UBS soll ihre Kunden mit Steuerspar-Modellen geködert haben.

(Foto: ap)

NEW YORK. Zweihundert Millionen Dollar hatte der kalifornische Milliardär Igor Olenicoff 2001 bereits bei der UBS angelegt, als ihn seine Schweizer Banker in Genf in einen unterirdischen Tresorraum geleiteten. Olenicoff, Gründer des Immobilienentwicklers Olen Properties im kalifornischen Newport Beach, sah Etage um Etage voller Schließfächer. Sein Kundenbetreuer Bradley Birkenfeld und ein Kollege führten ihn zu seinem Fach. "Sie sagten: "Alles, was du willst - Aktien, Bargeld, Gold, Silber - kannst du hier unterbringen? ", sagt der 66-Jährige. "Es herrschte eine Aura von Legitimität und Diskretion. Warum sollte man da Fragen stellen?"

Zuvor hatte Birkenfeld, Karriere-Banker und Sohn eines Neurochirurgen, Olenicoff nach dessen Aussagen jahrelang umworben. Er hatte den Baulöwen in seinen Häusern in Laguna Beach, Kalifornien, und Lighthouse Point, Florida, besucht. Er und ein Kollege von der UBS waren auf der 45-Meter-Jacht des Milliardärs zu Maya-Ruinen in Honduras gereist - und mit seinem Jet, einer Cessna Citation II, geflogen. "Wir haben viel unternommen und Abenteuer erlebt", erinnert sich Olenicoff. Man sei gut befreundet gewesen.

Das ist inzwischen anders. Birkenfeld ist zum Kronzeugen der US-Steuerbehörden geworden, die zur letzten Jagd auf Steuerflüchtige in Offshore-Bankplätzen geblasen haben. Der Milliardär hat die UBS verklagt - er und Birkenfeld haben gestanden. Olenicoff, der eine Schwäche für Jachten und russische Kunst hat, bekannte sich im Dezember 2007 Falschangaben in der Steuererklärung für schuldig - nach US-Recht Steuerbetrug. Der Richter damals: "Solche Fälle frustrieren und betrüben mich."

Ein Immobilienmagnat also brachte die UBS am Ende in ernsthafte Schwierigkeiten. Unglaubliches hatte er über die Bank und ihre Werbemethoden zu erzählen, mit der Folge, dass die Schweizer in mehrere Verfahren verwickelt sind und um ihre Lizenz in den USA fürchten müssen. Olenicoff, dessen Vater 1945 aus der Sowjetunion fliehen musste, repräsentiert einen jener typischen Selfmade-Milliardäre, die kaum jemandem kennt. "Er hatte einen ausgezeichneten Riecher für die besten Lagen", sagt ein Branchenkollege. Heute gehören Olenicoff nach eigenen Angaben 580 000 Quadratmeter Geschäftsflächen, 11 200 Apartments, zwei Jachthäfen, ein Einkaufszentrum, und ein Golfplatz.

Sein erstes Offshore-Konto eröffnete der Bauunternehmer 1980 auf Anraten von Lloyds Bank California, damals eine Tochter der heutigen Lloyds Banking Group in London. Die Sache kam ins Rollen, und einige Jahre später hatte er rund 90 Millionen Dollar auf Konten auf den Bahamas liegen. Dann bekam er 2000 aus dem Nichts einen Anruf von Birkenfeld, der seinerzeit noch bei der britischen Bank Barclays arbeitete.

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