US-Großbank
JP Morgan will mehr Risiko eingehen dürfen

JP Morgan bekommt die Folgen der Zockerei und der Herabstufung von Fitch zu spüren. Die US-Bank hat 15 Milliarden Dollar Marktwert eingebüßt. Ihr Chef gibt sich reumütig. Nun muss er die Börsenaufsicht fürchten.
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New York/LondonDer jüngste Handelsskandal kommt JP Morgan Chase teuer zu stehen. Und Jamie Dimon, der Chef der größten US-Bank ist in diesen Tagen sehr kleinlaut. In einem Interview mit dem US-Sender NBC Fehler sagte er. „Wir waren schlampig. Wir wissen, dass wir dumm waren. Wir wissen, dass es eine Fehleinschätzung gab“. Die Investmentabteilung habe „unerhörte Fehler“ gemacht. „Das ist nicht die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben wollen“, sagte Dimon. Zugleich sagte er, es sei unklar, ob die Bank gegen Gesetze oder Regeln verstoßen habe.

Wären da nicht immer diese Gesetze. Der Bankchef gehört zu den schärfsten Kritikern von Plänen der US-Regierung, den Eigenhandel der Banken mit Kreditausfallversicherungen stark einzuschränken. Zur Sicherheit hat er seine Lobbyisten ausgesandt. Laut „New York Times“ sollen sie die Politiker überzeugen, hochrisikoreiche Spekulationen zu erlauben. Dabei sind gerade die schuld an der Misere.

Das renommierte Institut verlor gestern an der New Yorker Börse 15 Milliarden Dollar an Marktwert. Zuvor ging es Schlag auf Schlag. Erst gab die Großbank den Verlust von zwei Milliarden bekannt, durch hochriskante Geschäfte. Dann reagierte erst die Ratingagentur Fitch und stufte die Bonität von JP Morgan von AA- auf A+ herunter. Das Ausmaß der Verluste durch hochriskante Wetten, die derzeit mit zwei Milliarden Dollar angegeben werden, sei zwar kontrollierbar. Allerdings deute etwa die Größe des Fehlbetrags auf einen Mangel an Liquidität hin. Zudem werfe der Fall Fragen zum Risikomanagement des Finanzhauses auf.

Nun zog die Ratingagentur Standard & Poor's nach und senkte den Ausblick auf „negativ“. Damit damit S&P eine mögliche Herabstufung an. Der Verlust stehe im Widerspruch zu den Vorschriften für die Risikovorsorge bei JP Morgan, kritisiere S&P.

Einem Bericht der „New York Times“ zufolge leitete die US-Börsenaufsicht SEC eine erste Untersuchung ein. SEC-Chairman Mary Schapiro sagte am Freitag vor der Presse: „Man kann durchaus sagen, dass die gesamten Aufseher darauf blicken.“
Firmenchef Dimon hatte eingeräumt, der Verlust könne sogar noch um eine Milliarde Dollar größer ausfallen. Die genaue Ursache ist unklar. Genannt hatte die Bank in dem Zusammenhang bereits einen Händler in London, Bruno Iksil, der sich im großen Stil verspekuliert haben soll. Spätestens am Dienstag bei der jährlichen Hauptversammlung wird sich Dimon wohl genauer zu dem Fall äußern müssen. Das Treffen findet in Tampa in Florida statt.

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Kommentare zu " US-Großbank: JP Morgan will mehr Risiko eingehen dürfen"

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  • Sollen sie doch mit Geld [...] wie sie wollen.
    ABER ES DARF _KEINEN_ BAILOUT GEBEN!

    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

  • "Die Manager dort müssen in die Verantwortung gehen."

    Das hört sich genauso an wie "politische Verantwortung". Da haben Banken und Politik sehr viel gemein: Die Eliten sind PR-Puppen.

    So ein Oberhäuptling in einer Großbank hat mit dem operativen Geschäft nichts am Hut. Eigentlich werden solche Personen für ihre PR-Arbeit bezahlt. Es gibt nicht wirklich einen kausalen Zusammenhang zwischen Gewinnen und Verlusten der Bank (Natürlich werden sie wie eine Call-Option bezahlt, d.h. Gewinne sind meins, Verlusten nicht).

    Selbst das Argument mit der "strategischen Ausrichtung" ist Quatsch. Die meisten Geschäftsfelder im Finanzwesen sind so komplex, dass diese wohl kaum von PR-Experten bzw. "Bankenvorständen" verstanden werden.


  • Amerika ist groß geworden, weil dort Leute mit Pioniergeist und dem Willen zur Arbeit eingewandert sind. Diese Leute haben nicht gezockt, sondern rangeklotzt.
    Der Kapitalismus hat den Wettbewerb mit dem Sozialismus deshalb gewonnen, weil der Unternehmer genau weiß, das die Qualität seiner Produkte entscheidend sind für das Schicksal seiner Firma - im schlimmsten Fall geht die Firma pleite und im besten Fall wird der Unternehmer reich. Der Unternehmer mußte also Verantwortung für seine Taten übernehmen - baute er Mist, so wirkte sich das sehr deutlich auf seine Firma und seinem Lebensstil aus.
    Bei den Bankern in den Chefetagen greift dieses Prnzip nicht - die können Scheiße Bauen ohne Ende - es passiert nichts. Das ist wie im Sozialismus, auch bei schlechten Arbeitsleistungen konnte man nicht entlassen werden. Man mußte für seine schlechten Arbeitsleistungn kaum Verantwortung übernehmen. Wo das hingeführt hatte, wissen wir.
    Es ist sehr erstaunlich, das die Finanzwirtschft den selben dummen Fehler macht. Die Manager dort müssen in die Verantwortung gehen.

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