US-Großbank

Marktwert von JP Morgan bricht ein

JP Morgan bekommt die Folgen der Zockerei und der Herabstufung von Fitch zu spüren. Die US-Bank hat 15 Milliarden Dollar Marktwert eingebüßt. Ihr Chef gibt sich reumütig. Nun muss er die Börsenaufsicht fürchten.
Update: 12.05.2012 - 16:20 Uhr 11 Kommentare
Fast zehn Prozent fiel der Kurs der Aktie von JP Morgan Chase. Quelle: Reuters

Fast zehn Prozent fiel der Kurs der Aktie von JP Morgan Chase.

(Foto: Reuters)

New York/LondonDer jüngste Handelsskandal kommt JP Morgan Chase teuer zu stehen. Und Jamie Dimon, der Chef der größten US-Bank ist in diesen Tagen sehr kleinlaut. In einem Interview mit dem US-Sender NBC Fehler sagte er. „Wir waren schlampig. Wir wissen, dass wir dumm waren. Wir wissen, dass es eine Fehleinschätzung gab“. Die Investmentabteilung habe „unerhörte Fehler“ gemacht. „Das ist nicht die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben wollen“, sagte Dimon. Zugleich sagte er, es sei unklar, ob die Bank gegen Gesetze oder Regeln verstoßen habe.

Wären da nicht immer diese Gesetze. Der Bankchef gehört zu den schärfsten Kritikern von Plänen der US-Regierung, den Eigenhandel der Banken mit Kreditausfallversicherungen stark einzuschränken. Zur Sicherheit hat er seine Lobbyisten ausgesandt. Laut „New York Times“ sollen sie die Politiker überzeugen, hochrisikoreiche Spekulationen zu erlauben. Dabei sind gerade die schuld an der Misere.

Das renommierte Institut verlor gestern an der New Yorker Börse 15 Milliarden Dollar an Marktwert. Zuvor ging es Schlag auf Schlag. Erst gab die Großbank den Verlust von zwei Milliarden bekannt, durch hochriskante Geschäfte. Dann reagierte erst die Ratingagentur Fitch und stufte die Bonität von JP Morgan von AA- auf A+ herunter. Das Ausmaß der Verluste durch hochriskante Wetten, die derzeit mit zwei Milliarden Dollar angegeben werden, sei zwar kontrollierbar. Allerdings deute etwa die Größe des Fehlbetrags auf einen Mangel an Liquidität hin. Zudem werfe der Fall Fragen zum Risikomanagement des Finanzhauses auf.

Nun zog die Ratingagentur Standard & Poor's nach und senkte den Ausblick auf „negativ“. Damit damit S&P eine mögliche Herabstufung an. Der Verlust stehe im Widerspruch zu den Vorschriften für die Risikovorsorge bei JP Morgan, kritisiere S&P.

Einem Bericht der „New York Times“ zufolge leitete die US-Börsenaufsicht SEC eine erste Untersuchung ein. SEC-Chairman Mary Schapiro sagte am Freitag vor der Presse: „Man kann durchaus sagen, dass die gesamten Aufseher darauf blicken.“
Firmenchef Dimon hatte eingeräumt, der Verlust könne sogar noch um eine Milliarde Dollar größer ausfallen. Die genaue Ursache ist unklar. Genannt hatte die Bank in dem Zusammenhang bereits einen Händler in London, Bruno Iksil, der sich im großen Stil verspekuliert haben soll. Spätestens am Dienstag bei der jährlichen Hauptversammlung wird sich Dimon wohl genauer zu dem Fall äußern müssen. Das Treffen findet in Tampa in Florida statt.

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11 Kommentare zu "US-Großbank: JP Morgan will mehr Risiko eingehen dürfen"

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  • Sollen sie doch mit Geld [...] wie sie wollen.
    ABER ES DARF _KEINEN_ BAILOUT GEBEN!

    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

  • "Die Manager dort müssen in die Verantwortung gehen."

    Das hört sich genauso an wie "politische Verantwortung". Da haben Banken und Politik sehr viel gemein: Die Eliten sind PR-Puppen.

    So ein Oberhäuptling in einer Großbank hat mit dem operativen Geschäft nichts am Hut. Eigentlich werden solche Personen für ihre PR-Arbeit bezahlt. Es gibt nicht wirklich einen kausalen Zusammenhang zwischen Gewinnen und Verlusten der Bank (Natürlich werden sie wie eine Call-Option bezahlt, d.h. Gewinne sind meins, Verlusten nicht).

    Selbst das Argument mit der "strategischen Ausrichtung" ist Quatsch. Die meisten Geschäftsfelder im Finanzwesen sind so komplex, dass diese wohl kaum von PR-Experten bzw. "Bankenvorständen" verstanden werden.


  • Amerika ist groß geworden, weil dort Leute mit Pioniergeist und dem Willen zur Arbeit eingewandert sind. Diese Leute haben nicht gezockt, sondern rangeklotzt.
    Der Kapitalismus hat den Wettbewerb mit dem Sozialismus deshalb gewonnen, weil der Unternehmer genau weiß, das die Qualität seiner Produkte entscheidend sind für das Schicksal seiner Firma - im schlimmsten Fall geht die Firma pleite und im besten Fall wird der Unternehmer reich. Der Unternehmer mußte also Verantwortung für seine Taten übernehmen - baute er Mist, so wirkte sich das sehr deutlich auf seine Firma und seinem Lebensstil aus.
    Bei den Bankern in den Chefetagen greift dieses Prnzip nicht - die können Scheiße Bauen ohne Ende - es passiert nichts. Das ist wie im Sozialismus, auch bei schlechten Arbeitsleistungen konnte man nicht entlassen werden. Man mußte für seine schlechten Arbeitsleistungn kaum Verantwortung übernehmen. Wo das hingeführt hatte, wissen wir.
    Es ist sehr erstaunlich, das die Finanzwirtschft den selben dummen Fehler macht. Die Manager dort müssen in die Verantwortung gehen.

  • Es waren beileibe weniger die besten Lloyds, die sind bereits 1988 dem Verfall preisgegeben worden. Seit dem ZEITpunkt hat sich das Spiel auf die "rotierenden" Prime Banks versteift.

    Und dort arbeiten die besten Lloyds mittlerweile, und hatten auch noch Pech Miese zu machen. So lange jedoch eine Bank "unkapputbar" bleibt, wird sich das Spiel zwischen Freitag und Montag ständig wiederholen.

    Die Politiker mit dem "hehren" Anspruch auf Hegemonie, angeführt durch die Lloyds neo-liberaler Moderne, haben es zugelassen, daß die Globalisierung so weit ausuferte, damit ein "ungebremstes" Wachstum entstehen kann.

    Es sind dieselben "Herrschaften", die nunmehr einen rigiden Sparkurs gegen die eigene Bevölkerung betreiben. Ob es auch Frau Merkel angehen mag oder nicht, sie ist dabei. Denen die Berge von Bildern unterscheiden können, machen bei ungesicherten "Papieren" die ewig gleiche Figur. Den Gnom hat es erwischt, andere werden folgen. Ein weiter so, verbietet sich von selbst und hat ausgedient.

  • Da scheint ein Fehler in HB-Artikel zu sein. Soweit ich "gehört" habe, soll "Whaledemort" der Protection Seller auf den Kreditindex CDS.HY.NA sein. D.h. Whaledemort bekommt Kupons die Kupons vom CDS.HY.NA im Tausch gegen Defaults eines der Basket-Firmen. Sprich Whaledemort hat sich nicht Ausfälle von HY-Corporates abgesichert, sondern andersherum Ausfälle versichert (Synthetisch Long).
    Es lag dann auf Ebene von JPM eine Lücke zwischen dem Marktrisiko von JPMs Long-Positionen auf HY Corporates ("Cash" Markt) und JPMs Shhort-Positionen auf High-Yield CDSs ("Derivate" Markt) vor. JPMs Verluste sind die Differenzen zwischen den Spreads auf dem Kredit- und Kreditderivatemarkt (bzgl. derselben Firmenanleihen). Solche Bewertungsunterschiede entstehen normalerweise durch die unterschiedliche Marktliquidität beider Märkte (synthetisch ist i.d.R. liquider als cash), was aber verstärkt werden kann, wenn Arbitrage zwischen beiden Märkten nicht umgesetzt werden (z.B. Market Impact, d.h. hier wenn in einem Markt die Spreads durch sehr viel Nachfrage reinlaufen).
    Anscheinend hat Whaledemort sehr viel "Market Impact" erzeugt. Das muss einem Trader nicht zwingend bewusst gewesen sein, weil IBs unterschiedliche Trading Desks für Flow/Bonds und CDS (auf diese Bonds) betreiben. So kann letzlich nur die zentrale Risikoabteilung sowas erkennen, was aber widerum schwierig ist, weil illiquide Bonddaten weitaus weniger Datenpunkte bzw. nur (relativ) stark verzögerte Datenpunkte liefert als der liquidere CDS-Markt.
    Daher erscheint dieser aktuelle S***storm wie eine Stochern im Dunkeln.

  • @Anonymer Benutzer: Rolf_Kuntz

    So ist es. Der Skandal ist nicht JP Morgan. Der Skandal ist die Lobby-Politik, die bewusst Narrenfreiheit ohne Konsequenzen (ausser fuer die Buerger) schafft.

  • Wieso Schaden? Die schieben doch eh die faulen Papiere ab zu einer Badbank und bekommen dafür edles lupenreines Zentralbankgeld. So macht die Macht der Finanzaristokraten es doch heutzutage allenthalben. Und mit dem gehorteten ultimativen Zentalbankgeld (muß so sein, weil kein Bürger davon etwas sieht) warten die Mafiosi der Finanzwelt nur darauf, daß sie im systemlogischen Zusammenbruch der bürgerlichen Mitte, deren Sachwerte im Rahmen von Firesales günstigst einverleiben.

  • prima, ein weiterer artikel - aus gegebenem anlass, der den kern der probleme im weltfinanzsystem erahnen läßt. nach berechnungen von zerohedge können verluste bis zu 20 milliarden dollar anfallen. wie hier ja zu lesen reichen schon ca. 2 milliarden dollar verlust aus, um jpm in liquiditätsschwirigkeiten zu bringen. wenn mann/frau sich die bilanz anschaut, passen ja locker ganze BSP's von westlichen ländern wie frankreich usw. rein, dann kann man die dimensionen erahnen. und alles durch einen händler verursacht. bodenlos! auch ist es mal aufbauend von einen namen wie Richard Fisher zu lesen. einen der wenigen finanziers und notenbanker der usa und uk, die nicht nur ihr und das heil des usa dominierten weltfinanzsystems darin suchen, den "schwarzen peter der brd und damit auch der eu zuzuschieben. der mann ist wahrhaft und aufrecht - er bestitzt noch moralische integrietät und gesellschaftliche verantwortung und er versteht was von der sache. bitte mehr davon.

  • Jetzt muß JPM die Börsenaufsicht fürchten! Nun, ich frage mich, hätte JPM die Börsenaufsicht auch fürchten müssen, wenn die (sinnlosen) hochriskanten Geschäfte (auf Kosten anderer) geglückt wären?
    Ich denke die Beantwortung dieser grundsätzlichen Frage zeigt die Perversität unserer Gesellschaft wenn es im die Wahrnehmung dessen geht, was wir "unter Geld verstehen".

  • Endlich erwischt die Zockerei mal die richtigen. :)

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