US-Großbank
Neue Probleme in Venezuela für Goldman Sachs

Nachdem die US-Großbank wegen des Kaufs von Staatsanleihen aus Venezuela im Frühjahr in die Kritik geraten ist, will das Land nun seine Auslandsschulden restrukturieren. Das könnte dem Geldhaus einen Verlust bescheren.
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New YorkDas Investment stieß von Anfang an auf öffentlichen Widerstand. Als die Vermögensverwaltungssparte von Goldman Sachs Ende Mai Anleihen des staatlichen venezolanischen Ölkonzerns Petroleos de Venezuela (PDVSA) kaufte, machte die Opposition ihrem Ärger Luft. „Goldman Sachs ist jetzt ein Komplize bei der Unterdrückung und den Menschenrechtsverletzungen in unserem Land“, wetterte Parlamentspräsident Julio Borges in einem offenen Brief. Ricardo Hausmann, Ökonomieprofessor an der Eliteuniversität Harvard und ehemaliger venezolanischer Planungsminister, brandmarkte die Anleihen als „Hunger-Bonds“ und warf der US-Investmentbank vor, gegen ihren eigenen Ethik-Code zu verstoßen.

Nun jedoch geraten die Papiere erneut unter Druck. Mittlerweile soll Goldman Sachs zwar einen großen Teil der Bonds wieder verkauft haben, wie die „Financial Times“ (FT) berichtet. Doch das Geldhaus habe zum Ende des dritten Quartals immer noch Papiere mit einem Nennwert von 1,3 Milliarden Dollar gehalten und sei der größte Anleihebesitzer des Ölkonzerns.

Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hatte Ende vergangener Woche angekündigt, die ausländischen Schulden des Landes restrukturieren zu wollen, was die Anleihen von PDVSA weiter einbrechen ließ. Goldman Sachs kaufte sie zu 31 Cent je Dollar. Nun sind sie noch 25 Cent je Dollar wert. Sollte die Bank ihren Anteil im laufenden Quartal nicht weiter reduziert haben, wäre das laut „FT“ ein Verlust – auf dem Papier – von 54 Millionen Dollar. Goldman Sachs Asset Management hatte Ende Mai für 865 Millionen Dollar die Anleihen gekauft, und zwar zu einem starken Abschlag. Die Papiere, die 2022 fällig werden, hatten einen Nennwert von 2,8 Milliarden Dollar.

„Wir beobachten die Situation genau“, sagte eine Goldman-Sprecherin. Die Bank hatte die Anleihen nicht von der Regierung, sondern über einen Händler auf dem Sekundärmarkt gekauft und habe im Auftrag von Kunden gehandelt, hieß es damals aus Kreisen der Bank.

Maduros sozialistische Regierung befindet sich in einer schweren Krise, seitdem die Ölpreise eingebrochen sind. Mit 89 Milliarden Dollar ist das Land schwer überschuldet. Im August hatten die Vereinigten Staaten die Sanktionen gegen den zunehmend autokratisch geführten Öl-Exporteur noch einmal verschärft. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass die Wirtschaft 2017 um 7,4 Prozent schrumpfen wird, nachdem sie 2016 bereits um zehn Prozent nachgegeben hat.

Experten sehen schwierige Zeiten auf die Investoren aus dem Ausland zukommen. Gerade im Fall von PDVSA sei es schwer, die Geschäfte des staatlichen Ölkonzerns klar von denen Venezuelas zu trennen, warnt Robert Koenigsberger vom auf Schwellenländer spezialisierten Vermögensverwalter Gramercy in New York. „Venezuelas Ziel ist es, weiterhin Öl zu produzieren und zu exportieren. Doch das könnten sie auch ohne PDVSA tun.“

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Korrespondentin New York

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