US-Großbank
Wells Fargo demonstriert Stärke

Die US-Großbanken hatten im vierten Quartal mit einem Abwärtstrend zu kämpfen. Nur ein Geldhaus kann sich entziehen: Wells Fargo. Der Branchenvierte hat seinen Jahresgewinn sogar um fast ein Drittel gesteigert.
  • 0

Düsseldorf/CharlotteWeit weg von der Wall Street in San Francisco führt das viertgrößte US-Institut ein Eigenleben und konzentriert sich auf das klassische Bankgeschäft. Das dem europäischen Publikum bestenfalls durch seine Kutschen in Hollywood-Western bekannte Institut spielt am Kapitalmarkt kaum eine Rolle – deswegen hat es 2011 einen Rekordgewinn von 15,9 Milliarden Dollar (12,4 Milliarden Euro) eingefahren, eine Steigerung von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ist noch etwas mehr als von Analysten erwartet.

Besonders bemerkenswert ist Quartalsgewinn von 4,1 Milliarden Dollar von Oktober bis Dezember - eine Steigerung um rund ein Fünftel auch dank geringerer Rücklagen für faule Kredite. Dies entspricht einem Gewinn je Aktie von 0,73 Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 0,72 Dollar gerechnet. Die Einnahmen erhöhten sich in diesem Zeitraum leicht auf 20,6 Milliarden Dollar. Die Aktie legte am Dienstag vorbörslich um ein Prozent zu.

Analysten gaben sich zufrieden mit der Entwicklung von Wells Fargo. Die Bank habe die Erwartungen übertroffen, sagte Bruce Forester von South Beach Capital Markets. Die Rückstellungen für Kreditausfälle gingen um eine Milliarde Dollar auf zwei Milliarden Dollar zurück.

Dabei ist vor allem das boomenden Geschäft mit Hypotheken und Baufinanzierungen von Bedeutung. Angesichts der niedrigen Zinsen nutzen viele US-Bürger die Chance und kaufen ein Haus oder lösen alte, teurere Kredite ab. Wells-Fargo-Chef John Stumpf dürfte angesichts des Rekordgewinns also der einzige US–Topbanker sein, für den 2011 alles andere als ein „Jahr zum Vergessen“ war.

Während die Geschäftsbanken sich gegen das raue Kapitalmarktklima noch halbwegs schützen können, weil sie ihre Verluste teilweise kompensieren können, trifft es die Investmentbanken Goldman Sachs, die morgen Geschäftszahlen vorlegt, und Morgan Stanley (Geschäftszahlen am Donnerstag) hart. Sie werden den Prognosen zufolge im Gesamtjahr über 50 Prozent an Gewinn einbüßen, wie die von Bloomberg befragten Analysten vorhersagen.

Alle Banken reagierten mit Sparmaßnahmen auf die Lage. Sie kündigten die Streichung von über 60000 Stellen an, wie die Beratungsfirma Challenger, Gray & Christmas ermittelt hat. Gleichzeitig sinken Boni und Gehälter. Die Gesamtbezahlung dürfte 2011 um 27 bis 30 Prozent geringer ausfallen und damit auf den niedrigsten Stand seit 2008 fallen, wie die Personalberatung Options Group ermittelt hat. Die Boni werden demnach um bis zu 40 Prozent geringer sein.

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " US-Großbank: Wells Fargo demonstriert Stärke"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%