US-Hypotheken
Bankaufseher spülen ihre Regeln weich

Die Banken in den USA sollen Immobilienkredite doch wieder großzügig vergeben und anschließend verkaufen dürfen. Kritiker warnen: Die Finanzaufseher öffnen einer neuen Krise wie nach der Lehman-Pleite die Tür.
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New YorkEin neuer Vorschlag der Aufsichtsbehörden über die Finanzbranche der USA nimmt wesentliche Punkte einer vorher vorgeschlagenen strengeren Regulierung für Immobiliendarlehen zurück. Den Vorschlag haben alle wichtigen Aufsichtsbehörden unter Koordination des Finanzminister Jack Lew erarbeitet.

Pünktlich fünf Jahre nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers, die den Höhepunkt der Finanzkrise markierte, öffnen die Finanzaufseher der USA damit die Tür zu einer neuen Krise derselben Art. So sehen es jedenfalls die Kritiker. Die Finanzbranche in Gestalt ihres Dachverbands (Aba) klatscht dagegen begeistert Beifall, was nicht häufig vorkommt als Reaktion auf Vorschläge der Aufseher.

Daniel Gallagher von der Wertpapieraufsicht SEC gab ein Minderheitsvotum gegen das neue Konzept ab, das fast 500 Seiten umfasst. „Es ist sehr schade, dass die Aufseher entschlossen zu sein scheinen, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, obwohl die Finanzkrise Politikern und und Steuerzahlern doch noch so frisch in Erinnerung ist“, schreibt er darin.

Und das „Wall Street Journal“, dem es wahrlich nicht an tieferem Verständnis für die Belange der Finanzbranche fehlt, schrieb am Mittwoch in einem ersten Kommentar: „Offenbar haben die Regulatoren wieder einmal die Hoffnung auf einen kurzfristige ökonomischen Gewinn über die Notwendigkeit gesetzt, einen stabileren Immobilienmarkt aufzubauen.“

Der wichtigste Punkt dabei: Nach dem alten Konzept war vorgesehen, dass Banken, wenn sie Darlehen minderer Qualität ausgeben, diese nicht sofort in vollem Umfang verkaufen können. Salopp gesagt: Wer sich überhöhte Risiken ins Haus holt, muss wenigstens einen Teil davon behalten, und zwar eine Quote von fünf Prozent. Zur Erinnerung: Im Kern der Finanzkrise standen Immobiliendarlehen, die schlechte Bonität hatten und hemmungslos weiter verkauft wurden.

Im Prinzip funktioniert der neue Vorschlag, der von der Politik nach einer Phase weiterer Diskussion noch umgesetzt werden muss, genauso. Nur: Jetzt sollen sehr viel weniger Darlehen als „schlecht“ gelten. Vor allem zählte bisher als „schlecht“, wenn der Hauskäufer nicht in der Lage ist, mindestens 20 Prozent Eigenkapital aufzubringen – diese Regel soll jetzt durch ein paar harmlosere Konditionen ersetzt werden.

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Ein Gefühl von Wohlstand vermitteln

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  • Economy at risk. Der Us Buerger kann weiter sein Glueck versuchen und bekommt die Gelegenheit. In der EUDSSR bekommt der Buerger keine Chance, nur die Staaten werden gemaestet. Die Zukunft in den USA bleibt spannend und birgt Risiken und massive Chancen. So ist das Leben hier, und das will hier niemand aendern. Zum Glueck.

  • Bankenregulierung
    "Basel III ist sehr leicht zu manipulieren"
    Die unter dem Stichwort "Basel III" vereinbarten Regeln zur Eigenkapitalausstattung seien leicht zu manipulieren, warnt Ökonom Martin Hellwig. Politiker und Aufsichtsbehörden hätten sich bei der Erstellung des Regelwerks zu sehr von der Finanzlobby beeinflussen lassen.
    http://www.manager-magazin.de/politik/artikel/a-895186.html
    Weltweit das gleiche Spiel. Solange Verluste sozialisiert werden, wird sich nichts ändern.

  • Lobbyismus pur. Hauptsache man kann ohne Arbeit Geld verdienen. Und in der Finanzbranche, heißt das viel Geld.

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