US-Kongress arbeitet Rettung von Bear Stearns auf Regierung verteidigt Nothilfe

Erstmals haben die entscheidenden Akteure über die Hintergründe der Rettungsaktion für die Investmentbank Bear Stearns Auskunft gegeben. Dabei wurde die Dramatik der außerordentlichen Rettungsaktion Mitte März noch einmal deutlich. Übereinstimmend berichteten alle Beteiligten, dass ohne staatliche Eingriff die Auswirkungen dramatisch gewesen wären.
  • Torsten Rieke

NEW YORK. Vertreter von Notenbank, Börsenaufsicht, des Finanzministeriums und der beteiligten Banken berichteten, dass ohne einen staatlichen Eingriff nicht nur Bear Stearns in Konkurs gegangen wäre, sondern das weltweite Finanzsystem und die reale Wirtschaft gelitten hätte.

Der New Yorker Fed-Präsident Timothy Geithner dämpfte Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Finanzkrise. „Die Liquidität der Märkte ist beeinträchtigt“, sagte Geithner. Ein entschlossenes Eingreifen sei nötig, um sich der Krise entgegen zu stemmen. Der Notenbanker forderte, die Liquiditäts- und Kapitalanforderungen zu stärken, damit künftige „Schocks“ vom Finanzsystem absorbiert werden können.

Der Notverkauf von Bear Stearns hat die gefährlichen Verstrickungen im Finanzsystem und die mangelhafte Aufsicht offen gelegt. Trotz einer mehr als ausreichenden Kapitalausstattung sei der Kollaps nur eine Frage von Tagen gewesen, hieß es von Behördenvertretern während der Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats. „Bis zu der vereinbarten Übernahme durch JP Morgan hatte Bear Stearns ein Kapitalpolster, das deutlich über den Basel-Vorschriften für das Banken-Eigenkapital lag“, erläuterte der Chef der US-Börsenaufsicht Christopher Cox. Der Securities and Exchange Commission (SEC) wird vorgeworfen, dass sie die Probleme bei Bear Stearns zu spät entdeckt hat. „Die SEC war offenbar nicht im Bilde“, sagte Senator Christopher Dodd.

Um die gebeutelten Finanzmärkte vor neuen Turbulenzen zu bewahren, hätten sich die Regulierer entschlossen, die Übernahme zu unterstützen. Dabei sei es weniger um Bear Stearns als vielmehr um die möglichen Folgen einer solchen Bankenpleite gegangen, erklärte Finanzstaatssekretär Robert Steel. „Der Zusammenbruch eines Unternehmens, das soweit in unseren Märkten verwoben ist, hätte Störungen über die Wall Street hinaus verursacht.“ Bear-Stearns-Chef Alan Schwartz sprach von einem klassischen „Run auf die Bank“, der auch auf andere Institute hätte übergreifen können.

Auch Geithner verteidigte die Rettungsaktion. Die Notenbank habe erst sehr spät von der brenzligen Lage erfahren. Innerhalb weniger Tage habe sich die Fed dann in Absprache mit dem Finanzministerium entschieden, die Rettung mit einer Kreditgarantie von rund 30 Mrd. Dollar sicherzustellen. Der extrem niedrige Kaufpreis von zunächst zwei Dollar je Aktie habe aus Sicht der Fed keine entscheidende Rolle gespielt. „Es herrschte die Ansicht, dass der Preis am unteren Ende sein sollte“, sagte Staatssekretär Steel. Die Sicherheiten für den Kredit bestehen nach Angaben der Fed aus hochwertigen Wertpapieren (investment grade) und Hypothekenprodukten, die bislang nicht von Zahlungsausfällen betroffen sind. Die Papiere seien von Bear Stearns am 14. März zu Marktpreisen bewertet worden. Zugleich habe man das Diskontfenster der Notenbank geöffnet, um andere Finanzinstitutionen mit ausreichender Liquidität zu versorgen. Bear Stearns hat mit Hilfe von JPMorgan seitdem einen Kredit von 25 Mrd. Dollar aufgenommen. tor

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