US-Kreditkartenbranche
Hacker stehlen Mastercard- und Visa-Daten

Unbekannte haben einen US-Zahlungsdienstleister gehackt und dabei auch Kreditkartenanbieter wie Mastercard, Visa und American Express ausspioniert. Kartenbesitzer fürchten jetzt, dass auf ihre Kosten eingekauft wird.
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New YorkHackern ist es in den USA erneut gelungen, in großem Stil auf Kreditkarten-Daten zuzugreifen. Betroffen sind Kunden der großen Kreditkarten-Unternehmen, allerdings wurden in Medienberichten unterschiedliche Angaben zum möglichen Umfang gemacht: Sie reichten von einigen Zehntausend bis hin zu Millionen von Konten. Ob ausschließlich Karteninhaber in den USA in Mitleidenschaft gezogen wurden, war zunächst ebenfalls unklar.

Der international tätige Zahlungsabwickler Global Payments räumte in einer Mitteilung ein, dass er Anfang März einen „unautorisierten Zugang zu einem Teil des Abwicklungssystems“ bemerkt habe und dabei auf „Kartendaten“ zugegriffen worden sein könnte. Es seien sofort Sicherheitsexperten sowie die Kriminalbehörden eingeschaltet worden, teilte das Unternehmen in Atlanta mit. Details will Global Payments am Montag, 2. April, in einer Telefonkonferenz nennen.

Nach Angaben der Analystin Avivah Litan vom IT-Beratungsunternehmen Gartner wurden die Kreditkartennummern über einen Hackerangriff auf ein New Yorker Taxiunternehmen gestohlen. „Wer in den vergangenen Monaten in New York City mit einer Kreditkarte ein Taxi bezahlt hat, sollte seine Abrechnungen auf einen möglichen Betrug hin überprüfen“, sagte Litan. Ob die Analyse aber stimmt, ist nicht gewiss; allerdings ist es richtig, dass Global Payments Zahlungsprozesse zwischen Einzelhändlern und Banken abwickelt - darunter können also auch Taxiunternehmen sein.

Das Kreditkartenunternehmen Visa teilte mit, die Kunden seien im Fall von Betrugsversuchen geschützt und würden dadurch keine finanziellen Verluste erleiden. Das eigene System sei auch nicht geknackt worden, betonte Visa. Die gleichen Angaben machte MasterCard und forderte Kreditkarteninhaber auf, die Posten auf ihrer Rechnung genau zu prüfen.

Ähnliche Vorfälle hatte es in der Vergangenheit bereits gegeben. Häufig betroffen sind Abwickler wie Global Payments, die den Konsumenten kaum bekannt sind, jedoch eine wichtige Rolle im Zahlungsverkehr spielen und mit sensiblen Daten umgehen.

Die Datendiebe hätten monatelang Kreditkartennummern gesammelt und dann begonnen, sie zu nutzen. Hinter dem Angriff stehe womöglich eine Bande aus Mittelamerika. Nach Angaben des Computersicherheitsspezialisten Brian Krebs ist in Finanzkreisen von einem „massiven“ Datenleck die Rede. Demnach schickten Visa und MasterCard Warnungen an Banken, dass hinreichend Informationen gestohlen worden seien, um gefälschte Kreditkarten herzustellen.

Visa erklärte, die Finanzinstitute, die Kreditkarten des Konzerns ausgeben, seien über die betroffenen Kontonummern benachrichtigt worden. Die Banken könnten gegebenenfalls neue Kreditkarten ausstellen. Laut MasterCard wurde die Polizei über den Datenklau informiert; er werde auch von einer „unabhängigen Datensicherheitsfirma“ untersucht.

Kommt es zu betrügerischen Einkäufen, werden die Kreditkartenbesitzer in der Regel entschädigt. Dies übernehmen dann die Einzelhändler. Analysten zufolge kommen im vorliegenden Fall auf Mastercard und Visa wahrscheinlich keine Kosten zu. Trotzdem gaben die Aktienkurse beider Unternehmen am Freitag an der Börse nach. Mastercard rutschte um 1,8 Prozent ab, Visa um 0,8 Prozent. Die Aktie von Global Payments rauschte sogar um mehr als neun Prozent in den Keller.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Ihre Theorie hat auch Lücken. Z.B.: In Italien gilt für Bargeldzahlungen grundsätzlich das Limit von 999,99€.

    Der Staat will ja keine Steuerhinterziehung oder Geldwäsche. Sobald es die Technik erlaubt und die konservativen Opas gestorben sind, wird das Bargeld auch aussterben. Das ist der Plan.

    :)

  • Nur Bares ist Wahres! Sehr richtig. Wer lacht nicht, wenn er Bargeld kriegt?
    Dieses Datenklaugeschrei nervt. Ehrlich.
    Wer meint, dieser digitalen Pseudomodernität hinterherhecheln zu müssen, überall seine Karte reinsteckt, weil das alle machen, oder Glückpunkte winken (die jeden Einkauf verteuern), hat selber Schuld.
    Es gibt einfach zu viele, die aus Erfahrung nicht klug werden. Firewall ist ein Märchen.
    Kreditkarten kann man übrigens auch im Netz bestellen. Die Russen haben da ein breitgefächertes Angebot.
    Hätte ich eine, würde ich auch damit einkaufen gehen.

  • Stimmt - Geld kann gar nicht bar genug sein !

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