US-Steuerstreit
Politiker fordern Rücktritte bei Credit Suisse

Wer sein Millionengehalt mit einer großen Verantwortung begründe, dürfe sich nicht vor der Verantwortung drücken. So sehen es die Schweizer Sozialdemokraten – und wollen eine neue Führung bei der Credit Suisse.
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ZürichAngesichts der Eskalation im Steuerstreit mit den USA verliert die Spitze der Credit Suisse zunehmend an Rückhalt in der Politik. Während zwei kleinere Parteien auf Distanz zum Management gehen, fordern die Sozialdemokraten den Rücktritt von Konzernchef Brady Dougan, Verwaltungsratspräsident Urs Rohner und Chefjurist Romeo Cerutti. Auch unter Kleinaktionären mehrten sich zuletzt die kritischen Stimmen.

Die US-Behörden werfen der Credit Suisse und 13 weiteren Schweizer Banken Beihilfe zur Steuerhinterziehung vor. Lange sah es so aus, als ob das zweitgrößte Schweizer Institut nach der UBS mit einer Buße davonkommen würde. Inzwischen verlangen die Amerikaner nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zusätzlich zu einer Geldstrafe von bis zu 1,6 Milliarden Dollar auch ein formelles Schuldeingeständnis. Die US-Behörden schreckten in den vergangenen Jahren meist vor einem solchen Schritt zurück, weil die Auswirkungen schwer zu kalkulieren sind. Credit Suisse versucht Medienberichten zufolge ein Schuldeingeständnis für den Konzern zu verhindern und sucht nach einem Ausweg.

Für die Schweizer Sozialdemokraten sind Dougan, Rohner und Cerutti Teil des Problems und nicht der Lösung. Wer sein Millionengehalt mit einer großen Verantwortung begründe, dürfe sich nicht vor der Verantwortung drücken. „Der Rücktritt der schwer belasteten CS-Spitze ist die Voraussetzung für einen glaubwürdigen Neustart“, erklärte die zweitgrößte Partei des Landes am Sonntag.

Etwas vorsichtiger äußerte sich die mit Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf in der Schweizer Regierung vertretene Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP). Den Rücktritt von Konzernchef Dougan forderte Parteichef Martin Landolt nicht. Je nachdem, wie eine Lösung im Steuerstreit aussehe, könne ein solcher Schritt aber in Betracht kommen. Er sei möglicherweise notwendig, um sicherzustellen, dass das Ansehen von Credit Suisse nicht leide und das Kundenvertrauen wiederhergestellt werde, sagte Landolt am Montag zu Reuters.

Großaktionäre stehen offenbar hinter dem Management

Nach Einschätzung der Grünen hat die Credit Suisse in dem Steuerstreit Fehler gemacht. „Wir haben Verständnis für Rücktrittsforderungen und hoffen, dass die Aktionäre diese umsetzen“, erklärte Generalsekretärin Miriam Behrens. Es sei allerdings nicht die Aufgabe der Politik, Personalentscheidungen von Privatunternehmen zu beeinflussen. Credit Suisse kommentierte die Äußerungen der Parteien nicht.

Die meisten Großaktionäre stehen offenbar hinter dem Management. Auf der Generalversammlung am Freitag erteilten die Eigner der Konzernleitung mit 90 Prozent Ja-Stimmen die Entlastung. CS-Präsident Rohner wurde mit 93 Prozent wiedergewählt.

Bei manchen Kleinanlegern brodelt es aber. „Treten Sie zurück“ forderte ein Aktionär Dougan am Freitag auf. „Es ist Zeit, dass sich die CS mit neuen Köpfen den Problemen stellt und sie bereinigt.“ Ganz so weit ging der Aktionärsberater Ethos nicht, der die Interessen zahlreicher Schweizer Pensionskassen vertritt. Die hohen Rückstellungen für juristische Streitfälle seien aber ein Beleg dafür, dass die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat nicht in der Lage seien, das Geschäft ausreichend zu kontrollieren, erklärte Direktor Dominique Biedermann. Viele Aktionäre hätten ihr Vertrauen verloren. „Wir sind nicht mehr bereit, die Art und Weise wie unsere Bank geführt wird, zu unterstützen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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