US-Versicherer: Exit-Strategie mit Tücken

US-Versicherer
Exit-Strategie mit Tücken

Der in der Finanzmarktkrise nur durch massiven Eingriff der Regierung gerettete Versicherungsriese AIG soll vom US-Finanzministerium scheibchenweise verkauft werden. Das Unternehmen und die Regierung einigten sich nach Angaben von AIG am Donnerstag in New York auf das Verfahren.
  • 0

NEW YORK. Der in der Finanzkrise fast kollabierte ehemals weltgrößte Versicherer AIG stellt dem US-Steuerzahler einen Gewinn für seine Rettung in Aussicht. „Ich glaube angesichts der starken Erholung des Unternehmens fest daran, dass am Ende ein Gewinn stehen wird“, sagte AIG-Chef Robert Benmosche gestern bei Vorlage des Ausstiegsplanes der Regierung. Dieser sieht vor, das die Staatshilfen in AIG-Aktien getauscht werden. Dadurch steigt der Staatsanteil an AIG auf gut 92 Prozent. Die sollen in den nächsten 18 Monaten über den offenenMarkt verkauft werden. Finanzkreisen zufolge macht die Regierung einen Gewinn, wenn sie die Papiere zu einem Kurs von mehr als 30 Dollar verkaufen kann. Gestern legten die Anteilsscheine um gut zwei Prozent auf gut 39 Dollar zu.

Die US-Regierung musste den damals weltgrößten Versicherer im Herbst 2008 mit Kreditlinien und Finanzspritzen von über 130 Mrd. Dollar vor dem Kollaps retten, nachdem sich die Londoner Tochter des Konzern mit Kreditversicherungen verspekuliert hatte. Im Laufe der Zeit hatte AIG Firmentöchter verkauft und mit den Erlösen Teile der Hilfen zurückgezahlt oder Schulden in Aktien umgewandelt. Geholfen hat zudem die Erholung der Märkte: Einige Wertpapierportfolios, die die Regierung AIG in der Krise abgekauft hat, sind mittlerweile stark im Wert gestiegen und werfen sogar Geld ab. Zuletzt stand AIG beim US-Steuerzahler mit 100 Mrd. Dollar in der Kreide. Durch weitere Anteilsverkäufe, unter anderem die Platzierung der Asientochter AIA und die Veräußerung von Edison Life (s. Deal des Tages), sollen die Schulden weiter reduziert werden. Die Verbliebene Summe wird spätestens Anfang 2011 in Aktien gewandelt.

Der Staat kann seine Papiere allenfalls peu à peu loswerden

Experten bezweifeln aber, dass die US-Regierung diese Papiere im Wert von 60 Mrd. Dollar tatsächlich in 18 Monaten an der Börse verkaufen kann ohne den Kurs zu ruinieren. Ex-AIG-Chef Hank Greenberg spottete bereits, das werde ein Jahrzehnt dauern. Es halten sich daher Spekulationen, früher oder später könnten Private-Equity-Fonds bei AIG einsteigen. Dass der Verkauf von Staatsbeteiligungen über die Börse nicht einfach ist, zeigt das Beispiel Citigroup. Hier will die Regierung Papiere im Wert von 25 Mrd. Dollar bis Ende des Jahren über die Börse verkaufen. Der anfänglich gut laufende Prozess stockt derzeit allerdings angesichts der geringen Handelsvolumina an den Märkten.

Im ersten Halbjahr 2010 ist AIG im operativen Geschäft wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt und wies ein Plus von 2,9 Mrd. Dollar aus. An der Börse wurde dies mit deutlichen Kursgewinnen gefeiert. Seit dem Tiefstkurs von 5,9 Dollar im Frühjahr 2009 hat sich die Aktien mehr als versechsfacht.

Die politisch unter Druck stehende Regierung von Barack Obama präsentiert den AIG-Ausstiegsplan einen Monat vor den Parlamentswahlen. Im Wahlkampf wird sie von den Opposition gerne als Retter der Wall Street beschimpft, der „gierigen Bankern“ die Steuergelder des „kleines Mannes“ in den Rachen geschoben habe. Da kommt das Versprechen von AIG-Chef Benmosche, der Regierung die Hilfen mit einem Gewinn zurückzuzahlen, äußerst gelegen.

Kommentare zu " US-Versicherer: Exit-Strategie mit Tücken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%