USA vs. Credit Suisse
Die Verschwörer

Die Credit Suisse hat US-Bürgern Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet und muss jetzt eine Milliardenstrafe zahlen. Die Klageschrift betitelt die Schweizer als „Verschwörer“. Der Chef der Bank darf trotzdem bleiben.
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WashingtonDas ist der Stoff, aus dem sonst Hollywood schöpft: Aus US-Gerichtsdokumenten, die Handelsblatt Online vorliegen, geht hervor, dass die Schweizer Großbank Credit Suisse, die auch in Deutschland mit zahlreichen Niederlassungen vertreten ist, einer „Verschwörung“ beschuldigt wird. Ausdrücklich sprechen die Ankläger aus dem US-Justizministerium nicht nur wie in vergleichbaren Fällen von Steuerhinterziehung, sondern davon, dass sich die Credit Suisse „unrechtmäßig, freiwillig, vorsätzlich und wissentlich verschworen“ habe, um ihren Kunden zu helfen, den USA Einkommensteuern vorzuenthalten. In den Dokumenten werden die Credit Suisse und ihre Geschäfte zum „Kriminalfall“ erklärt.

Das Justizministerium hatte zuvor eine Klageschrift eingereicht, laut der Credit Suisse begüterten Amerikanern durch Offshore-Konten dabei half, ihre Abgaben am Fiskus vorbeizuschleusen. Dabei gehen die US-Ankläger ins Detail, schreiben von geheimen Treffen von Schweizer Bankern mit US-Kunden in einem New Yorker Hotel und Beratungen zur Steuerhinterziehung in den Geschäftsräumen der Credit Suisse in Zürich. Ein solche Klageschrift kann nur mit Zustimmung des Beschuldigten eingereicht werden, was in aller Regel ein Schuldeingeständnis voraussetzt.

Die Credit Suisse hat das Urteil inzwischen akzeptiert. Finanziell trifft eine entsprechende Einigung die Schweizer Großbank jetzt hart. Um den Steuerstreit zu entschärfen, muss sie die höchste Geldstrafe in der Schweizer Bankengeschichte zahlen. Das nach der UBS zweitgrößte Institut des Landes willigte ein, insgesamt mehr als 2,5 Milliarden Dollar auf den Tisch zu legen, wie das US-Justizministerium in der Nacht auf Dienstag mitteilte. Credit Suisse sei die größte Bank in den vergangenen 20 Jahren, die sich strafrechtlich schuldig bekannt habe, erklärte US-Justizminister Eric Holder auf einer Pressekonferenz.

Der Steuerstreit kommt die Bank viel teurer zu stehen als die 780 Millionen Dollar, die der Branchenführer UBS wegen der gleichen Sache im Jahr 2009 gezahlt hatte. Die Strafe ist für das Geldhaus zwar schmerzhaft, aber verkraftbar. Zudem darf die Credit Suisse ihre für die Weiterführung des Geschäfts wichtige Lizenz in New York behalten.

Die Einigung im Steuerstreit mit den USA hat nach den Worten von Credit-Suisse-Chef Brady Dougan allerdings keinen Einfluss auf das Geschäft der Schweizer Großbank. „Wir haben uns im Vorfeld der Entscheidung intensiv mit unseren Kunden beraten. Wir sehen bis heute praktisch keinen Einfluss auf unsere Geschäft und erwarten auch für die Zukunft keinen Einfluss“, sagte Dougan am Dienstag. Am Montag hatte sich die Bank mit den US-Behörden auf eine Strafe von 2,5 Milliarden Dollar wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung und auf ein formelles Schuldeingeständnis geeinigt. An der Börse eröffnete die Credit-Suisse-Aktie drei Prozent fester. Der Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Thomas Jordan erklärte, die SNB werde mit Credit Suisse Geschäfte wie bisher machen. 

Kommentare zu " USA vs. Credit Suisse: Die Verschwörer"

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  • Als Schweizer kann Ruedi Keller vielleicht zum Schuldbekenntnis der Credit Suisse vielleicht nichts anderes sagen, als dass die Bank zur falschen Zeit am falschen Ort stünde. Die CS steht zwar nicht wegen ihrer Geschäftspraktiken zur Finanzkrise vor Gericht, aber die Unterstützung zur Steuerflucht bleibt ein gravierender Rechtsverstoß. Der Beweis, dass die USA “Too big to jail” nicht mehr duldet, wird erst dann erbracht, wenn auch US-Banken verurteilt werden. Hier haben sich die USA bisher bei ihren Großbanken auf Geldstrafen beschränkt, die diese anscheinend locker verkraftet haben. – Das ändert aber nichts daran, dass anscheinend die Empörung in Deutschland noch nicht so groß ist, dass die deutsche Justiz mit “Too big to jail” aufräumt.Quelle NDS

  • c.Schuld und Sühne
    Nach Too big to fail richtet sich der Kampf jetzt gegen Too big to jail. Fünf Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise, in der Grossbanken reihenweise mit staatlichen Mitteln gerettet werden mussten, hat die öffentliche Meinung in den USA gedreht. Im Notfall einzuspringen, aber die Schuldigen ungeschoren davonkommen zu lassen, wird nicht mehr toleriert. Diesen Druck gibt das amerikanische Justizdepartement weiter: «Keine Bank ist zu gross, um angeklagt zu werden», lautet das Versprechen von Justizminister Eric Holder. Dies ist ein Bruch der langjährigen Praxis. Während zwei Jahrzehnten war in den USA kein systemrelevantes Finanzinstitut strafrechtlich angeklagt worden. Als zu gross galt die Gefahr des potenziellen volkswirtschaftlichen Schadens. Doch nun sollen strafrechtliche Schuldbekenntnisse wieder als juristisches Instrumentarium eingesetzt werden.
    Quelle: FuW

  • Eigentlich müssten viel mehr Institute der westlichen Welt an den Pranger gestellt. Aber da wo kein Kläger, auch kein Richter? Machen wir uns doch nichts vor, wie es schon Roosevelt sagte: "Vom organisiertem Geld, regiert zu werden, ist genau so schlimm, wie vom organisiertem Verbrechen regiert zu werden" Mich jedenfalls ärgert, dass reihenweise Institute gerettet werden mussten, dafür den Preis dafür tragen andere, nämlich die, welche keine Stimme in dieser sog. Demokratie haben

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