Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza
Rettungsversuch mit Zähneknirschen

In Italien zeichnet sich eine Lösung für die Krisenbanken Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza ab. Aushelfen müssen vermutlich die Großbanken Intesa Sanapolo und Unicredit – zum wiederholten Mal.
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RomDie Regierung in Rom macht Druck. Sie will das Kapitel Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza so bald wie möglich abschließen. Erst mahnte Wirtschafts- und Finanzminister Pier Carlo Padoan mit Blick auf die beiden Krisenbanken im Norden, dann legte in diesen Tagen sein Staatssekretär nach: „Das Scheitern von Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza hätte negative Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt und würde zu einer systemischen Krise führen“, sagte Pier Paolo Baretta am Rande eines Kongresses. Und deshalb sei die Regierung gegen ein Bail-in der beiden Banken. Der Staat würde aber nur mit Billigung der EU zum Mittel der vorsorglichen Rekapitalisierung greifen.

Hinter den Kulissen wird an einer Lösung gearbeitet, die schon in wenigen Tagen kommen kann. Der Blick der Italiener geht nach Spanien, wo quasi über Nacht und bei geschlossenen Märkten der Notverkauf der Banco Popular an Santander über die Bühne gebracht wurde. Zwei Konditionen gibt es in Italien: Eingehalten werden müssen die Regeln der Europäischen Zentralbank und der ganze Bankensektors muss einbezogen werden.

Die beiden angeschlagenen Banken benötigen insgesamt 6,2 Milliarden Euro frisches Kapital zum Überleben. Um grünes Licht der EU-Kommission für Staatshilfen in Höhe von fünf Milliarden Euro zu erhalten, müssen sie dabei 1,2 Milliarden Euro an privaten Mitteln einsammeln. Dafür zeigten Investoren in den vergangenen Tagen jedoch wenig Interesse. Und auch der private Hilfsfonds Atlante hatte abgelehnt, sich erneut zu beteiligen.

Doch jetzt soll der Druck des Finanzministers Erfolg gehabt haben: Die beiden Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo sind nach bisher noch nicht bestätigten Medienberichten bereit, ihr Portemonnaie zu zücken und auszuhelfen – zum wiederholten Mal. Schon 2015 und 2016 trugen sie zur Rettung von vier Regionalbanken bei und bestückten den Fonds Atlante, der bereits 3,4 Milliarden in die beiden Krisenbanken gepumpt hatte.

„Wir arbeiten daran, eine Lösung zu finden“, erklärte Franco Papa, Generaldirektor von Unicredit. Beide Banken wollen jedoch, dass sich auch die anderen Institute in Italien beteiligen. Die beiden Krisenbanken aus dem Norden hatten schon vor einem Jahr Schlagzeilen gemacht, als auf dem Weg zur Fusion ihr Börsengang mangels Interesse der Investoren gefloppt war. Der Stresstest der Europäischen Zentralbank ergab dann, dass der Banca Popolare di Vicenza 3,3 Milliarden Euro und der Veneto Banca 3,1 Milliarden Euro fehlen. Mitte März hatten beide Institute Staatshilfen beantragt.

Regierung und die Großbanken wollen, dass sich auch die privaten Investoren aus dem Veneto an der Rettung beteiligen, denn die hätten zur aktuellen Krisensituation beigetragen. „Die Krise hat vor allem die Banken getroffen, die wegen mangelhafter Governance und wegen unvorsichtiger und teilweise rechtswidriger Kreditvergaben schon geschwächt waren. Dazu gehören die Banken, für die im Augenblick Anstrengungen unternommen werden, das Kernvermögen zu erhöhen“, hatte Notenbankgouverneur Ignazio Visco vor einer Woche in seiner Jahresbilanz gesagt.

Kategorisch abgestritten wird in Mailand, dass Unicredit Popolare di Vicenza und Intesa Sanpaolo Veneto Banca nach spanischem Vorbild direkt retten könnte. Das wäre zu teuer. Doch eine Abwicklung der beiden Krisenbanken wäre in jedem Fall teurer. Nicht mehr im Gespräch ist auch eine Fusion der beiden Banken mit Monte dei Paschi. Für alle Banken geht es jedoch um strikte Sparpläne zur Senkung der operativen Kosten. Dazu gehört auch Personalabbau. Die Rede ist von 3600 bis 11.000 Beschäftigten bei den Veneto-Banken.

Sämtliche italienische Banken arbeiten an Kostensparprogrammen, zu denen Personalabbau und die Schließung von Filialen gehört. So überlegt  Intesa nach Presseberichten, rund ein Drittel der 3000 Filialen zu schließen und die Digitalisierung voranzutreiben. Auch Unicredit verfolgt einen entsprechenden langfristigen Strategieplan.

Die Regierung versucht unterdessen weiter, Druck und Zuversicht zu verbinden: „Die Regierung Gentiloni lässt keine Bank im Stich. Sie hilft den beiden Instituten, wie sie Monte dei Paschi geholfen hat und davor den anderen Bank in der Krise“, sagte Staatssekretär Baretta.

Regina Krieger
Regina Krieger
Handelsblatt / Korrespondentin

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