Verbraucherkredite
Britische Banken müssen Milliarden zurücklegen

Auf der britischen Insel legt das Wachstum der Verbraucherkredite rasant zu. Deshalb ruft die Notenbank nun die Geldhäuser zu zusätzlichen Milliardeneinlagen auf. Wie so häufig spielt auch der Brexit eine Rolle.
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LondonDas schnelle Wachstum der Verbraucherkredite bereitet der britischen Notenbank (BoE) Sorgen. Die Geldhäuser auf der Insel müssten zur Absicherung der steigenden Risiken zehn Milliarden Pfund (11,35 Milliarden Euro) an zusätzlichem Kapital vorhalten, erklärte die BoE am Montag. Das Volumen der ungesicherten Verbraucherkredite ist zuletzt um fast zehn Prozent gewachsen, deutlich schneller als die Einkommen. „Die Banken unterschätzen die möglichen Verluste im Falle eines Wirtschaftsabschwungs“, kritisierte die Notenbank. Zudem warnte sie wegen des geplanten EU-Austritts Großbritanniens vor rechtlichen Problemen bei rund einem Viertel der Derivate-Kontrakte. Mit diesen sichern sich Unternehmen gegen Zins- und Währungsrisiken ab.

Die britischen Verbraucher spüren derzeit die starke Teuerung, die Kreditkartenschulden steigen. Nach dem Brexit-Votum vom Juni 2016 ist das Pfund unter Druck geraten: Das erhöht die Preise für Importgüter und treibt die Inflation nach oben. Um gegenzusteuern, wird die BoE nach Erwartung der meisten Ökonomen ihren Leitzins im November auf 0,5 Prozent von zurzeit 0,25 Prozent anheben.

In einem Extremszenario müssten die britischen Banken 20 Prozent ihrer Kredite abschreiben, warnte die Zentralbank. Dabei nimmt sie eine Verdoppelung der Arbeitslosigkeit und eine Erhöhung des Leitzinses auf vier Prozent an.

Insgesamt halten die britischen Institute 280 Milliarden Pfund an hartem Kernkapital, die von der BoE geforderten zehn Milliarden Pfund an zusätzlichem Polster sind also vergleichsweise wenig. Die Notenbank wird zum Jahresende abhängig von den jeweiligen Kreditrisiken festlegen, wie viel Extra-Kapital die einzelnen Banken halten müssen.

Um Verwerfungen bei Derivate-Kontrakten zu verhindern, müssen die Finanzfirmen nach Einschätzung der BoE ihre grenzüberschreitenden Verträge überarbeiten. Besser sei jedoch eine Lösung, wonach Großbritannien und EU gesetzlich regeln, dass die existierenden Kontrakte bis zum Ende ihrer Laufzeit gültig blieben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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