Verdacht der Steuerhinterziehung
Deutsche Bank soll Beweismaterial unterschlagen haben

Neue Vorwürfe gegen die Deutsche Bank: Einem Medienbericht zufolge hat das Institut der Staatsanwaltschaft wichtige E-Mails vorenthalten. Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen wehrt sich – und schließt einen Rücktritt aus.
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München/FrankfurtDie Deutsche Bank soll in der Affäre um millionenschwere Steuerhinterziehung beim Handel mit Verschmutzungsrechten Unterlagen vernichtet haben. Diese wären für die Aufklärung des Falls nötig gewesen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“. Nach einer ersten Razzia 2010 habe die Deutsche Bank den Behörden zugesagt, vollständig zu kooperieren und alle zur Aufklärung notwendigen Dokumente zu übergeben, hieß es. Den Ermittlern seien jedoch E-Mails zu den mutmaßlich kriminellen Geschäften vorenthalten worden. Aus der Bank hieß es, niemand habe manipuliert.

Nach Razzien in der Zentrale und mehreren Büros entschied das Amtsgericht Frankfurt am Main am Donnerstag, dass vier Bank-Beschäftigte in Untersuchungshaft kommen. Ein Fünfter wurde aus gesundheitlichen Gründen verschont. Einem Teil der Beschuldigten werde Geldwäsche, den anderen versuchte Strafvereitelung vorgeworfen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Günter Wittig auf dapd-Anfrage.

Unterdessen wehrte sich der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende Jürgen Fitschen gegen Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft. „Meines Erachtens war das Vorgehen der Staatsanwaltschaft überzogen“, sagte er dem Handelsblatt in Bezug auf Ermittlungen gegen ihn. Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause kamen ins Visier der Behörden, weil sie ihre Unterschrift unter die falsche Umsatzsteuererklärung 2009 gesetzt hatten. Die Bank korrigierte diese aber später freiwillig. Nach Ansicht Fitschens entbehren die Anschuldigungen jeglicher Grundlage. Er bedaure aber sehr, dass die Bank selbst mit den hausinternen Ermittlungen „noch nicht weiter“ gekommen sei.

In der „Bild“-Zeitung (Onlineausgabe) räumte Fitschen ein, dass die Deutsche Bank Fehler gemacht habe. „In dem Bestreben, als deutsche Bank auch international erfolgreich zu sein, hat mein Institut sich auch auf neue Märkte und Produkte konzentriert. Dabei ist in einigen Fällen das rechte Maß verloren gegangen", sagte er. Das solle korrigiert werden. Er sei zudem „fest davon überzeugt“, dass sich die Vorwürfe als unbegründet erweisen würden. In seinem mehr als 40-jährigen Berufsleben sei er „den Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns stets treu geblieben“, betonte der Manager. Deshalb fühle er sich ungerecht behandelt und werde sich zur Wehr setzen. Für einen Rücktritt sehe er „keinen Grund“.

Rund 500 Polizisten und Steuerfahnder hatten am Mittwoch die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank und zahlreiche weitere Büros und Wohnungen durchsucht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 25 Mitarbeiter, die in einen Umsatzsteuerbetrug verstrickt sein sollen, mit dem der Fiskus um 300 Millionen Euro geprellt wurde. Die Vorwürfe: schwere Steuerhinterziehung, Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung.

 
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Verdacht der Steuerhinterziehung: Deutsche Bank soll Beweismaterial unterschlagen haben"

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  • Zu den "Prinzipien eines ehrbaren Kaufmanns" gehören aber auch die Prinzipien der "Bilanzwahrheit" und "Bilanzklarheit".

    Und die Unterschrift eines Vorstands unter diese Dokumente ist nicht nur eine lästige "Formsache", sondern die Übernahme der Verantwortung - auch für Fehler untergeordneter Mitarbeiter.

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