Verdi vs. Deutsche Bank
Samstagsarbeit gegen besseren Vorruhestand

Die Gewerkschaft wertet die Samstagsarbeit bei Deutschlands größtem Geldhaus als „tarifpolitischen Tabubruch“, will aber zustimmen, wenn Bedingungen erfüllt werden. Die Wunschliste ist sehr umfangreich.
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FrankfurtDie Gewerkschaft Verdi stellt harte Bedingungen für ihre Zustimmung zu Samstagsarbeit in den neuen regionalen Beratungscentern der Deutschen Bank. Verdi sei bereit, für die begrenzte Anzahl von gut 400 Mitarbeitern „als Testlauf das Thema Samstagsarbeit zu regeln“, sagte der Bundesfachgruppenleiter Banken der Gewerkschaft, Jan Duscheck, am Mittwoch in Frankfurt. „Wir wollen auf keinen Fall einen Dammbruch in der Finanzbranche.“ Vorstellbar sei eine befristete Vereinbarung für zwei bis drei Jahre.

Von der Deutschen Bank fordere Verdi für diesen „tarifpolitischen Tabubruch“ eine Reihe von Zugeständnissen, der Katalog liege dem Institut seit vergangenen Donnerstag vor: So soll der Einsatz an Samstagen freiwillig sein und auch widerrufen werden können, wenn sich die persönliche Lebenssituation ändert. Zudem verlangt Verdi eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit in den Beratungscentern von 39 auf 36 Stunden. Für alle Beschäftigten der Bank soll eine günstigere Vorruhestandsregelung wieder in Kraft gesetzt werden.

In den Beratungscentern der Deutschen Bank sollen sich Kunden auch an Samstagen von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr zu Finanzfragen informieren können - per Telefon, Video und Chat. Das erste dieser Center gibt es seit 31. Januar in Wuppertal. Bis April sollen weitere in Berlin/Leipzig, Mannheim, München, Essen, Hamburg und Mainz folgen.

Der Flächentarifvertrag für die Branche schließt Samstagsarbeit aus. Bis Ende März werde die Gewerkschaft Samstagsarbeit in den Centern dulden, sagte Duscheck - und signalisierte zugleich Kompromissbereitschaft: „Wenn sich eine Einigung abzeichnet, würden wir nicht hart auf einer Stichtagsregelung bestehen.“

Denn der Umbruch in der Bank- und Versicherungsbranche höhlt die Tarifverträge nach Ansicht der Gewerkschaft immer mehr aus. Nur noch 49 Prozent der Beschäftigten bei privaten und öffentlichen Banken fielen unter den Flächentarif, räumte der Bundesfachgruppenleiter Banken, Jan Duscheck, am Mittwoch in Frankfurt ein. „Die Banken sind noch drin - die Mitarbeiter immer weniger.“ Die Gewerkschaft will deshalb das Tarifwerk in den nächsten zwei Jahren reformieren. Die Tätigkeits-Profile, die den Gehaltsstufen zugrunde liegen, stammten zumeist aus den 1970er und 1980er Jahren und passten nicht mehr zur Realität in vielen Häusern, sagte Duscheck. Viele Banken zahlten deshalb Gehälter außerhalb des Tarifs - und verlangten dafür längere Arbeitszeiten.

Für die Gewerkschaft ist die Reform ein Balanceakt. Denn die zunehmende Automatisierung macht viele manuelle Tätigkeiten in den Banken und Versicherungen überflüssig. Verdi wehrt sich aber gegen Bestrebungen der Banken, den Mitarbeitern deshalb weniger Geld zu zahlen. „Die Anforderungen an die Beschäftigten steigen reell“, sagte Duscheck.

Bei den Volks- und Raiffeisenbanken bekommt Verdi seit zehn Jahren keinen Fuß mehr in die Tür. Die Arbeitgeber dort haben Tarifverträge mit den konkurrierenden Gewerkschaften DBV und BHV abgeschlossen. Nun sieht Meister einen Hoffnungsschimmer. Verdi habe sich mit dem Arbeitgeberverband angenähert - auch dank des Tarifeinheitsgesetzes, das einheitliche Tarifverträge in Firmen fördert. Ende des Jahres soll es ein Spitzengespräch geben, dann könnten Tarifverhandlungen folgen. "Das wird kein einfacher Prozess", räumte Meister ein.

Ein weitere Forderung der Gewerkschaft: Die 18.000 Beschäftigten der Postbank und der Bausparkasse BHW sollen für sechs Jahre vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt werden. Neben der Verlängerung des Kündigungsschutzes bis 2022 fordern die Tarifkommissionen von Verdi eine Gehaltserhöhung um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, wie die Gewerkschaft am Mittwoch mitteilte. Der bisherige Kündigungsschutz läuft im Juni 2017 aus. Die Tarifverhandlungen beginnen am 6. April in Bonn.

Es gehe darum, die Verunsicherung der Postbank-Beschäftigten zu mindern, sagte Verhandlungsführer Christoph Meister. „Selbst nach Monaten der Unsicherheit wissen sie noch nicht, ob es zu einem Verkauf, einem Börsengang oder einer Reintegration in die Deutsche Bank kommen wird.“ Das lähme das Unternehmen und wirke sich negativ auf das Geschäft aus. Der Personalabbau habe „seine Grenzen erreicht, wenn nicht sogar überschritten“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Meister.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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