Vereins- und Westbank fürchtet Verlust von Firmenkunden HVB-Tochter wehrt sich gegen Fusion

Für den Chef der Hypo-Vereinsbank (HVB), Dieter Rampl, ist die Sache sonnenklar: „Die Integration der Vereins- und Westbank (V+W) in den HVB-Konzern findet plangemäß statt.“ Das bekräftigte Rampl am Mittwoch gestern auf der Handelsblatt-Jahrestagung „Banken im Umbruch“ in Frankfurt unmissverständlich.

hjk/lip HAMBURG/FRANKFURT. Nach Rampls Plänen soll die bisherige Tochter V+W bis Mitte nächsten Jahres vollständig in die HVB integriert werden. Bisher halten die Münchener 76,28 % der Hamburger Bank. Die Hauptversammlungen am 15. (V+W) und 29. April 2004 (HVB) sollen das Ende der Selbstständigkeit absegnen. Bereits vor eineinhalb Jahren war die V+W in HVB umbenannt worden. Allerdings hat die Bank bisher noch eine eigene Struktur, deren Abschaffung oder Integration nun bevorsteht.

Doch was in München bereits abgehakt ist, scheint in Hamburg noch heftig umstritten zu sein. Vor allem unter Firmenkunden der fast 150 Jahre alten V+W-Bank regt sich Kritik. „Durch die Integration besteht die Gefahr, dass der Charakter der Bank verloren geht und alte, in der Region geschaffene Kundenbeziehungen wegfallen“, sagt etwa Werner Marnette, Vorstandschef der Norddeutschen Affinerie und einer der größten V+W-Bankkunden. Er ist gleichzeitig Vorsitzender des Industrieverbands von Hamburg.

Viele norddeutsche Firmenkunden teilen hinter vorgehaltener Hand diese Meinung. Sie drohen offenbar zu der vor Ort sitzenden Hamburger Sparkasse (Haspa) zu wechseln, falls große Teile der Verwaltung von Hamburg nach München verlagert werden, heißt es in V+W-Kreisen. Betriebsratchef Jens-Uwe Wächter: „Wir bekommen bereits Rückmeldungen aus dem Vertrieb, dass sich die Unternehmen in Norddeutschland negativ über die Verschmelzung äußern. Es werden diejenigen Kreditinstitute davon profitieren, die über direkte Entscheidungsträger vor Ort verfügen“, betont Wächter.

Ende Juli hatte HVB-Chef Dieter Rampl angekündigt, V+W voll zu übernehmen. Der Schritt sei notwendig, um die eigene Kapitaldecke zu stärken, sagte er. Unter der Maßnahme sollten aber die Kundenbeziehungen der Vereins- und Westbank nicht leiden. Im Gegenteil: „Wir wollen neue Marktanteile hinzugewinnen“, so Rampl.

Hochrangige V+W-Bankmanager bezweifeln dies. Sie gehen davon aus, dass die HVB nach der Fusion harte Einschnitte in der Verwaltung vornehmen wird. Im Gespräch ist dabei ein Abbau von 900 bis 1 000 Mitarbeitern – davon betroffen ist offenbar auch ein großer Teil an Kundenberatern. Doch durch die Stellenstreichungen will die HVB rund 100 Mill. Euro einsparen. Sprecher beider Bank gaben keine Stellungnahme ab.

Unter Hochdruck versucht V+W-Vorstand Stephan Schüller offenbar das Ruder noch herumzureißen, um eine Genehmigung für die Fusion durch die Hauptversammlungen zu verhindern. Er bastelt zusammen mit der Signal-Iduna-Gruppe, die 12,2 % an der V+W hält, an einer „Hamburger Lösung“. Danach soll der Versicherungsriese den Anteil der HVB übernehmen. Bankintern werden Schüller für diesen Plan aber kaum Chancen eingeräumt.

Auch die Kleinaktionäre sind unzufrieden. „Viele Aktionäre würden lieber die Anteile der Vereins- und Westbank behalten“, meint Dirk Unrau, Sprecher der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). Der Grund: Sie wollen offenbar eher an der werthaltigen Tochter als an der kriselnden Muttergesellschaft beteiligt sein. Die Aktienkurse haben sich in der Tat unterschiedlich entwickelt. So hat die Notierung der HVB deutlich mehr gelitten als die der V+W. Von 2001 bis heute sank der HVB-Kurs von 65 auf unter 15 Euro. Im selben Zeitraum verringerte sich hingegen der Kurs der Vereins- und Westbank – auch auf Grund des geringeren Streubesitzes – nur von über 30 auf knapp 19 Euro.

Quelle: Handelsblatt

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