Verführte Finanzinvestoren: Die Vertreibung der Banker aus dem Paradies

Verführte Finanzinvestoren
Die Vertreibung der Banker aus dem Paradies

Der Kollaps von Lehman Brothers war eine Zeitenwende für die Finanzbranche. Heute regnet das Geld nicht mehr vom Himmel - damals schon. Wenige Jahre nach dem Absturz der Internet-Aktien befand sich die Welt in einem irrationalen Überschwang. Die Investmentbanken wurden immer größer und mächtiger, mehr als es der Welt gut tat. Und ihnen selbst auch.
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ZÜRICH. Worte machen Geschichte. Das gilt auch für den exzessiven Boom von 2004 bis 2007, der die Welt geradewegs in die Finanzkrise führte. "Solange die Musik spielt, muss man tanzen." Dieses Zitat vom damaligen Citigroup-Chef Chuck Prince beschreibt wohl am besten jene Epoche, als es Geld quasi vom Himmel regnete, als Finanzinvestoren fast täglich Milliardenübernahmen verkündeten und Millionen Menschen sich durch explodierende Immobilienpreise reich rechneten. Jeder mit einem halbwegs klaren Kopf wusste, dass das nicht gutgehen konnte. Und dennoch hieß das Credo der Wall Street (und der Welt): Solange die Gewinne sprudeln, müssen wir dabei sein. Prince hat das nur etwas poetischer ausgedrückt.

Die Party hatte eigentlich viel zu früh begonnen, zumindest aus Sicht vieler Finanzexperten. Nach dem Platzen der Internet-Blase und der folgenden Rezession im Jahr 2001 sagte der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan den Investoren mindestens "ein mageres Jahrzehnt" voraus. Doch nur sechs Jahre nach dem Börsencrash hatte der Dow-Jones-Index seinen Dotcom-Gipfel wieder übertroffen. Greenspan war es selbst, der mit niedrigen Zinsen die Partystimmung immer weiter anheizte.

Als er 2004 auf die Zinsbremse trat, war es zu spät. Eine Schwemme von weltweiten Ersparnissen drückte die Kreditkosten derart nach unten, dass jedes Risiko finanzierbar schien. Das Geld kam aus China, das seine Devisenreserven in amerikanische Staatsanleihen anlegte. Und es kam von den reichen Ölstaaten, die für ihre Einnahmen höhere Renditen suchten. Aber es kam auch von naiven Privatanlegern rund um den Globus, die sich von ihren Finanzberatern obskure Finanzprodukte andrehen ließen.

Das billige Geld war insbesondere für die risikoverliebten Investmentbanker an der Wall Street ein Raketentreibstoff. Auf dem Höhepunkt des Booms 2007 erreichte die Zahl der weltweiten Fusionen und Übernahmen mit 33 000 Transaktionen ein sagenhaftes Rekordniveau. Dabei wurden sage und schreibe 3,9 Billionen Dollar bewegt. Der größte Teil davon wurde auf Pump finanziert.

Die 25 Top-Verdiener der Branche verdienten mehr als die Chefs der 500 größten US-Unternehmen zusammen. Von den hohen Gewinnen der Finanzbranche profitierte auch der Staat. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds steuerten die Finanzhäuser von 2000 bis 2007 mehr als ein Viertel aller Unternehmensteuern in den USA und Großbritannien bei.

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  • Was ist das für eine Tolle Perspektive
    " Nach berechnungen des internationalen Währungsfonds steuerten die Finanzhäuser von 2000 bis 2007 mehr als ein Viertel aller Unternehmensteuern in den USA und Großbritannien bei. "

    Na und, was nutzt das denn wenn danach alles Pleite geht !!!!!
    Das ist doch alles irrsin, der gesunde Menschenverstand ist auf der Stecke geblieben.
    Die Ganoven sitzen nicht nur dort, Nein seht euch doch mal in unseren Parlamenten um.
    Das mußte so sein ! die einzige Möglichkeit so zu Handeln ! es ging nicht anders ! Mensch Leute da kann man ja das Kotzen kriegen.
    Die sind so abgehoben die merken noch nicht einmal was die da für akademich verbrämte geistige blähungen verbreiten.
    So lange die Menschen so dumm sind und sich immer weiter verarschen und gegeneinander durch Verteilungsspielchen ausspielen lassen wird sich nicht das geringste ändern.
    Stuttgart21 ist überall

  • Was hilft es, wenn nur die banker aus dem Paradies vertrieben werden, und die anderen Gangster, nämlich die Politiker, bleiben?

  • Es war eine sehr kluge Entscheidung "Lehman" fallen zu lassen. Das tat weh, aber damit bleibt die Krise für lange Zeit im bewußtsein aller Wirtschaftsteilnehmer, und viele Leute haben zu recht viel Geld verloren. Dasselbe hätte man mit Griechenland u.a. machen sollen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Der Mensch muß fühlen, damit er sich bessert! Und je schneller die Anpassung erfolgt, um weniger schmerzhaft ist sie!

    ich bitte auch einen blick nach Kuba zu werfen: Wenn eine Gesellschaft nicht flexibel ist und das kurzzeitige Scheitern von Wirtschaftssubjekten nicht zuläßt, wird die blase bzw. der Schock eines Tages um so größer ausfallen. Selbst der intelligenteste aller Menschen, der Greis Fidel Castro, hat dieses unumstößliche Gesetz des Wirtschaftslebens zur Kenntnis nehmen müssen. Ergebnis: Millionen Arbeitslose mit allen sozialen Folgen im sozialistischen (!!!) Kuba.

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