"Vergleich mit Japan unsinnig": EZB will von Bankenkrise nichts wissen

"Vergleich mit Japan unsinnig"
EZB will von Bankenkrise nichts wissen

Die Stabilität des deutschen Bankensystems ist nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht gefährdet. „Es gibt keine Bankenkrise, ein Vergleich mit Japan ist ebenfalls unsinnig.“

HB/dpa FRANKFURT. Mit dieser eindeutigen Aussage hat Bundesbankvorstand Edgar Meister am Montag in Frankfurt auf Presseberichte über eine geplante staatliche Auffanggesellschaft für Not leidende Kredite reagiert. Meister äußerte sich als Vorsitzender des EZB-Ausschusses für die Bankenüberwachung, wobei er den jüngsten Bericht über die Stabilität des Geldsystems in der EU präsentierte. Das Fazit lautet: Trotz weltweiter Wirtschaftsflaute habe der europäische Bankensektor genügend Widerstandskraft, um auch weiteren Schocks zu widerstehen.

Nach einem Treffen zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und führenden Repräsentanten des deutschen Kreditgewerbes waren am Wochenende Spekulationen aufgetaucht, an der Auffanggesellschaft für faule Bankkredite solle der Staat die Risiken übernehmen. Meister sagte dazu: „Einen solchen Plan kenne ich nicht.“ Auch brauchten die deutschen Kreditinstitute dies nicht. Man werde die Probleme aus eigener Kraft bewältigen.

Nach Darstellung von Meister sind bei den Sparkassen und Banken hier zu Lande schon erste Erfolge zu verzeichnen. Vor allem seien sie bei ihren aggressiven Kostensenkungen ein erhebliches Stück voran gekommen. Darüber hinaus hätten sie ihr Risikopotenzial reduziert. Derartige Maßnahmen zur Verbesserung der Ertragslage benötigten aber Zeit, um die volle Wirkung zu entfalten.

Meister hält den Vergleich zwischen deutschen und japanischen Banken für absolut falsch. Im Gegensatz zu den Geldhäusern in Nippon sei hier zu Lande die notwendige Risikovorsorge bereits in die Jahresabschlüsse eingearbeitet. Angesichts der aktuell schwierigen Lage sind nach Meinung des Bundesbank-Managers in Europa keine spektakulären Bankfusionen über die Ländergrenzen zu erwarten. Dieser Einschätzung folgte auch EZB-Direktoriumsmitglied Tommaso Padoa- Schioppa, nicht zuletzt auf Grund der schmerzlichen Erfahrungen bei zurück liegenden Zusammenschlüssen.

Nach dem Bericht des Bankenausschusses hat 2001 und 2002 die Kreditwirtschaft in Europa massive Gewinneinbußen zu verzeichnen. Neben deutlich erhöhter Risikovorsorge habe die Schwäche des Kapitalmarktes und das nachlassende Investmentbanking die Erträge stark reduziert. Am besten sind noch diejenigen Institute davon gekommen, die ihr Augenmerk auf das Privatkundengeschäft konzentrieren und eine starke Stellung im Heimatmarkt haben.

Die europäischen Geldhäuser haben angesichts der stark gestiegenen Risiken allerdings auch die Kreditvergabe an Unternehmen eingeschränkt. Eine Verbesserung der Gesamtlage hängt nach Darstellung von Meister vom Verlauf und der Intensität der Konjunkturerholung in der EU ab. Dabei spielten allerdings auch die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und der drohende Irak-Krieg mit allen Unwägbarkeiten eine entscheidende Rolle.

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