Vergleich mit US-Justiz Deutsche Bank legt weiteren Hypothekenstreit bei

Deutschlands größtes Bank kann einen weiteren Rechtsstreit in den Vereinigten Staaten zu den Akten legen. Gegenstand waren wieder mal Subprime-Kredite aus der Vorkrisenzeit. Zahlen müssen auch Wells Fargo und die RBS.
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Eine weitere Altlast weniger. Quelle: dpa
Deutsche Bank-Filiale

Eine weitere Altlast weniger.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bank hat einen weiteren Rechtsstreit in den USA beigelegt. Das Institut stimmte gemeinsam mit der US-Bank Wells Fargo und der Royal Bank of Scotland einem 165 Millionen Dollar schweren Vergleich um US-Hypothekenpapiere zu, wie am Mittwoch bekannt wurde. Investoren hatten den Banken vorgeworfen, sie getäuscht zu haben in dem Glauben, dass die Hypothekenkredite, die den Verbriefungen (MBS) zugrunde lagen, von ihnen ordentlich geprüft und garantiert und damit sicher seien. Die Papiere im Volumen von rund 7,55 Milliarden Dollar waren von der inzwischen bankrotten US-Hypothekenbank NovaStar Mortgage vor der Finanzkrise ausgegeben worden.

So lief der Immobilienskandal der Deutschen Bank ab
Welche Rolle die Deutsche Bank spielte
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Die Vorwürfe des US-Justizministeriums richten sich nicht gegen die Deutsche Bank als originären Kreditgeber. Das Institut vergab in den USA nämlich selbst gar keine Darlehen an Immobilienkäufer mit zu geringer Bonität. Das taten andere. Dennoch verdiente die Deutsche Bank daran.

Wie aus einer bunten Kreditmischung ein Wertpapier wird
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Eine Bank kauft Immobilienkredite, die ein anderes Institute an seine Kunden – private Hauskäufer – vergeben hat. Diese Darlehen werden dann zu einem Wertpapier gebündelt und an Investoren verkauft. Diese treten damit in die Rolle des Kreditgläubigers und tragen das Kreditausfallrisiko. Der Ertrag des Investments speist sich aus den Zinszahlungen der Kreditnehmer. Die Deutsche Bank baute dieses Geschäftsfeld konsequent aus und war 2007 vom neunt- zum weltweit drittgrößten Emittenten solcher hypothekenbesicherten Wertpapiere geworden, schreibt das US-Justizministerium in seinem Bericht.

Vorwurf 1: Lasche Prüfung
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Angeblich hatten die US-Institute, denen die Deutsche Bank ganze Kreditpakete abkaufte, genau geprüft, ob ihre Kunden die Darlehen fürs Haus überhaupt zurückzahlen könnten. Die Deutsche Bank wusste, dass dies ein leeres Versprechen war.

Vorwurf 2: Fehlende Vorbeugung
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Die Wertpapierstrukturierer der Deutschen Bank prüften die zum Kauf anstehenden Kreditpakete durchaus: Sie machten Stichproben und schätzten auf dieser Basis grob ein, wie viele ausfallgefährdete – faule – Kredite es beinhaltete. Die Crux: Fanden sie viel faules Material, verzichteten sie auf eine tiefergehende Prüfung, sagen die US-Aufseher.

Vorwurf 3: Laxe Kontrollen
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Nicht genug, dass die Deutsche Bank offenbar die Qualität der angekauften und dann zu Wertpapieren verpackten Kredite nicht ausreichend prüfte. Sie ließ es offenbar auch zu, dass der Verkäufer der Hypotheken zum Teil selbstständig und nachträglich ungeprüfte Kredite in die Pools einlagerte.

Vorwurf 4: Die Risiken verschwiegen
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Zu guter Letzt monieren die US-Behörden, dass die Deutsche Bank wider besseres Wissen ihren Investoren gegenüber verschwieg, welche Risiken tatsächlich in den Hypothekenverbriefungen lauerten. „Die Deutsche Bank legte ihre eigene Risikotoleranz auf Basis korrekter Bewertungsdaten fest, gewährte Investoren aber nicht die gleiche Aufmerksamkeit“, heißt es im Bericht.

NovaStar hatte sich auf Wohnungsdarlehen für eine wenig zahlungskräftige Kundschaft spezialisiert. Diese „Subprime-Kredite“ waren ein Auslöser der Finanzkrise, weil Tausende Immobilienbesitzer sie nicht mehr bedienen und tilgen konnten. Daraufhin platzte die Immobilienblase. Die drei Banken agierten als sogenannte Underwriter der Kredite. Ein Schuldeingeständnis ist mit dem Vergleich nicht verbunden.

In den vergangenen Jahren waren bereits hunderte ähnliche Fälle vor US-Gerichten verhandelt worden. Dabei ging es um den Vorwurf, dass Investoren nicht klar darauf hingewiesen wurden, dass in gebündelten Hypothekenpaketen hohe Ausfallrisiken schlummerten.

  • rtr
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