Vergütung Schweiz begrenzt Boni

Die Banken in der Schweiz werden künftig klare staatliche Vorgaben für die variable Vergütung ihrer Spitzenmanager erhalten. Die Leitlinien, die von der Finanzmarktaufsicht Finma am Mittwoch veröffentlicht und damit zur Diskussion gestellt werden, sehen zwar keine Obergrenzen für die Boni der Top-Banker vor. Aber die Bezahlung wird weitaus stärker an den Erfolg und Misserfolg gebunden.
Das Logo der Schweizer Bank UBS in einer Geschäftsstelle in Basel. Die Schweizer Großbank wird wie andere Banken des Landes einer strikteren Kontrolle bei den Manager-Bezügen unterworfen. Quelle: dpa

Das Logo der Schweizer Bank UBS in einer Geschäftsstelle in Basel. Die Schweizer Großbank wird wie andere Banken des Landes einer strikteren Kontrolle bei den Manager-Bezügen unterworfen.

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ZÜRICH. Auch über eine stärkere Mitsprache der Aktionäre wird nachgedacht. Als erstes muss die Großbank UBS die neuen Regeln umsetzen. "Für die anderen Banken gelten die Vorschriften ab 2010", sagte Finma-Sprecher Alain Bichsel.

Die Schweiz reagiert damit wie andere Länder auf das krasse Missverhältnis von hohen Vergütungen und dramatischen Verlusten in der Finanzbranche. Auch in den USA und Großbritannien wird intensiv an neuen Gehaltsregeln gearbeitet. "Wir sind jedoch die Ersten, die detaillierte Vorschläge vorlegen", sagte Bichsel. Die Exzesse bei den Banken sind oft nur der Stein des Anstoßes. Auch für die Führungsriege in anderen Branchen soll es künftig staatliche Vorgaben geben. In Deutschland hat der Streit über ein neues Gesetz zur Begrenzung von Managergehältern bereits zu einem Zerwürfnis zwischen Bundesregierung und Spitzenvertretern der Wirtschaft geführt.

Blaupause für die Leitlinien der Finma sind die Vorschläge des Financial Stability Boards (FSB). Unter Vorsitz des kommenden Schweizer Notenbankchefs Philipp Hildebrand hat eine internationale Expertenkommission bereits im April Leitlinien verabschiedet, an denen sich viele Länder orientieren wollen. Grundsätzlich geht es darum, die Höhe der Boni stärker an die Leistung und Risiken zu binden und dabei auch spätere Verluste zu berücksichtigen. Entsprechend soll die Auszahlung von variablen Gehaltsbestandteilen zeitlich verzögert werden. Großbanken wie die UBS und die Credit Suisse haben ihre Gehaltssysteme bereits reformiert. Je nach Leistung des Einzelnen und dem geschäftlichen Abschneiden der Bank gibt es künftig nicht nur einen Bonus, sondern auch einen Malus.

Um zu verhindern, dass ihr durch die staatlichen Zügel bei den Boni die besten Leute davonlaufen, hat die UBS ihre Festgehälter für Spitzenbanker angehoben. Konzernchef Oswald Grübel hat in einem internen Memo die kräftigen Lohnerhöhungen verteidigt und angekündigt, dass die UBS auch künftig marktgerechte Gehälter zahlen werde. Parlamentarier wollen dagegen der Bank einen Lohndeckel verpassen. Der Vorschlag wurde jedoch zunächst verschoben. Die Finma kann zwar in diesem Jahr die Boni der UBS nicht mehr blockieren, die Bank muss sich aber an die neuen Leitlinien halten.

Parallel zu den staatlichen Bemühungen regen sich in der Schweiz auch die Aktionäre. So hat die Anlegerstiftung Ethos zusammen mit acht öffentlichen Pensionskassen bei den fünf größten Unternehmen des Landes eine konsultative Abstimmung über die Vergütungssysteme (Say-on-Pay) beantragt. "Auch wir denken über mehr Mitspracherechte nach", bestätigte Finma-Sprecher Bichsel. Die Anteilseigner der UBS und der Credit Suisse konnten bereits über den Vergütungsbericht ihrer Bank befinden. Zwischen acht und 14 Prozent folgten den Ethos-Aktivisten und verweigerten den Top-Bankern die Zustimmung zur vorgeschlagenen Entlohnung. Nur der Pharmakonzern Novartis konnte sich bislang noch nicht dazu durchringen, seinen Eigentümern mehr Mitspracherechte in Gehaltsfragen einzuräumen.

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