Verkauf der HSH Nordbank
NordLB soll Interesse haben

Die NordLB überlegt sich nun offenbar doch, einen Teil der HSH Nordbank zu übernehmen. Das sagen zumindest Insider. Eine Komplettübernahme sei allerdings ausgeschlossen. Die HSH muss bis Februar 2018 verkauft werden.
  • 0

FrankfurtKehrtwende im Ringen um die HSH Nordbank: Der Nachbar NordLB will im Rahmen des HSH-Verkaufsprozesses nun doch den Finger heben und einen Blick in die Bücher der Hamburger Bank werfen, wie zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters sagten. „Es ist eine Pflichtaufgabe, sich das anzugucken“, sagte einer der Insider. Eine Komplettübernahme der HSH sei jedoch nicht zu erwarten, schließlich leiden beide Landesbanken unter ausfallgefährdeten Schiffskrediten. „Wenn man beide Banken einfach zusammenführt, werden die Probleme sicher nicht kleiner.“ Dass die NordLB einzelne Geschäftsbereiche der HSH übernehme, sei unter gewissen Umständen aber denkbar.

Die HSH muss auf Druck der EU-Kommission bis Februar 2018 verkauft werden - andernfalls kommt es zur Abwicklung. Die NordLB hat bisher - wie alle anderen Landesbanken - betont, kein Interesse an einem Kauf der HSH zu haben. „Wir sind nicht dabei, uns andere Adressen (...) anzuschauen“, sagte der seit Jahresanfang amtierende NordLB-Chef Thomas Bürkle im Dezember. Insidern zufolge gibt es in der Politik und im öffentlich-rechtlichen Sektor jedoch durchaus den Wunsch, dass sich andere Landesbanken am HSH-Verkaufsprozess beteiligen. Auch mit Blick auf potenzielle Käufer aus dem Ausland sei es wichtig, dass deutsche Geldhäuser ebenfalls Interesse signalisierten, sagte eine mit dem Prozess vertraute Person. Die NordLB und die HSH wollten sich zu dem Thema nicht äußern.

Die Schaffung einer Landesbank im Norden wird im öffentlich-rechtlichen Finanzsektor schon seit Jahren diskutiert. „Die Idee hätte durchaus Charme“, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person. Eine HSH-Komplettübernahme sei für die NordLB angesichts der Lage in der Schifffahrt aber nicht denkbar. Die Krise in der Branche, die seit Jahren unter Überkapazitäten leidet, hat sich zuletzt wegen des mauen Welthandels noch einmal verschärft. Die NordLB erwartet 2016 deshalb vor Steuer ein Minus von mehr als einer Milliarde Euro - der höchste Verlust ihrer Geschichte. Vor diesem Hintergrund hat das Geldhaus das Ziel ausgegeben, sein Schiffsportfolio von zuletzt 17 Milliarden Euro auf 12 bis 14 Milliarden Euro zu reduzieren.

Potenzielle Käufer der HSH Nordbank müssen sich bis zum 27. Februar bei der Investmentbank Citigroup melden, die den Verkaufsprozess für die Mehrheitseigner Hamburg und Schleswig-Holstein organisiert. Nach einem Blick in die Bücher der HSH sollen sie anschließend bis zum 31. März indikative Angebote abgeben. Mit dem Verkaufsprozess vertraute Personen gehen davon aus, dass sich die HSH nicht als ganzes veräußern lässt, sondern allenfalls in zwei Teilen: Die profitable Kernbank könnte an ein Geldhaus gehen. Die defizitäre Abbaubank, in der der Großteil der faulen Schiffskrediten lagert, könnte an einen Finanzinvestor verkauft werden - oder in einer Bad Bank der Länder abgewickelt werden.

In der HSH-Kernbank befanden sich Ende September Schiffskredite mit einem Volumen von 7,1 Milliarden Euro - davon waren 0,6 Milliarden Euro ausfallgefährdet. Der Rest entfällt auf Firmenkunden (14 Milliarden Euro), Immobilienfinanzierungen (13) und das Kapitalmarkt- und Refinanzierungsgeschäft (16,6). Eine mit dem Vorgang vertraute Person hat allerdings Zweifel, ob die gesamte HSH-Kernbank für die NordLB interessant wäre. „Da müsste die Verkäuferseite vermutlich noch einiges an Eigenkapital mitgeben, um alle Risiken aus den Schiffskrediten abzuschirmen.“

Die EU-Kommission hat in ihrem Beihilfebescheid erklärt, dass sie nichts gegen einen Verkauf der HSH in Teilen hat. Insider und Bankenaufseher halten deshalb ein ähnliches Szenario wie bei der 2012 zerschlagenen WestLB für denkbar. Damals wurden die zukunftsträchtigen Bereiche an die Helaba verkauft. Voraussetzung für eine solche Lösung sei jedoch, dass sich andere Landesbanken am HSH-Verkaufsprozess beteiligen, sagten mehrere mit dem Prozess vertraute Personen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Verkauf der HSH Nordbank: NordLB soll Interesse haben"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%