Verkauf von BPH: Polen stellt Unicredito Ultimatum

Verkauf von BPH
Polen stellt Unicredito Ultimatum

Im Streit um die Zusammenführung der polnischen Töchter von HVB und Unicredito hat die polnische Regierung der italienischen Großbank ernste Konsequenzen angedroht. Unicredito soll die zur HVB gehörende drittgrößte polnische Bank BPH binnen drei Monaten zu verkaufen.

HB WARSCHAU. Sonst müsse Unicredito damit rechnen, dass Verkauf der Bank Pekao an Unicredito aus dem Jahr 1999 rückgängig gemacht werde, hieß es aus dem Finanzministerium. Die italienische Bank kündigte an, sich gegen jeden derartigen Schritt zur Wehr zu setzen.

Die konservative Regierung in Warschau ist gegen den Zusammenschluss der beiden Banken im Zuge der Übernahme der Münchener HVB durch Unicredito. Sie fürchtet durch eine Fusion von BPH und Bank Pekao eine Beschränkung des Wettbewerbs und einen drastischen Stellenabbau. Beide Banken würden gemeinsam den Marktführer, die staatlich kontrollierte PKO Bank Polski, überrunden und damit das Vorhaben der Regierung untergraben, „nationale Champions“ in der Wirtschaft zu schaffen. Die EU-Kommission als zuständige Wettbewerbsaufsicht hat die Fusion allerdings ohne Auflagen genehmigt. Bis auf Polen hatten alle betroffenen EU-Mitglieder den Weg für den Vollzug freigemacht.

Formal kann Polen den Zusammenschluss nur noch untersagen, wenn er die Stabilität des Bankensystems unterminiert oder wenn es bei der Finanzierung Unregelmäßigkeiten gibt. Die EU-Kommission hatte Druck auf Polen ausgeübt und das Vorgehen der Regierung als unrechtmäßig bezeichnet. Analysten gehen davon aus, dass die Regierung vor Gericht verlieren würde. Polen wirft UniCredito vor, den Privatisierungsvertrag von 1999 für den Verkauf der Bank Pekao an die Italiener gebrochen zu haben. Darin habe Unicredito zugesagt, keine andere polnische Bank zu kaufen.

Der italienische Finanzkonzern bestritt erneut, den Vertrag gebrochen zu haben. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die entsprechende Klausel unter EU-Recht überhaupt nicht mehr gültig sei. Unicredito kritisierte, dass das Finanzministerium bislang nicht auf einen Vorschlag reagiert habe, in einem Gespräch das Thema zu erörtern. Die grenzüberschreitende Konsolidierung der Finanzbranche in Europa werde allen EU-Mitgliedsstaaten Vorteile bringen. „Polen könnte eines der ersten EU-Länder sein, das davon profitiert“, erklärte die italienische Bank.

Die Zusammenführung der Engagements von HVB und Unicredito in Osteuropa und vor allem in Polen galt als Triebfeder für die Übernahme der HVB. Unicredito hatte die Münchener Großbank im vergangenen Jahr in der bislang größten grenzüberschreitenden Bankenfusion in Europa für etwa 20 Milliarden Euro übernommen. Die profitable BPH, deren Verkauf Polen fordert, hat eine Marktkapitalisierung von knapp sechs Milliarden Euro.

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