Verkleinerung beschlossen
Commerzbank streitet um Vorstände

Bei der Commerzbank sollen nach dem Willen von Vorstandschef Martin Blessing zwei Vorstandsmitglieder das Feld räumen. Der Aufsichtsrat hat in seiner heutigen Sitzung darüber nur einen Grundsatzbeschluss gefasst.
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BerlinDer Plan von Commerzbank-Chef Martin Blessing, zwei Vorstände abzuberufen und die Führungsstruktur der mit Schwierigkeiten kämpfenden Bank zu straffen, gerät ins Stocken. Das Kontrollgremium hat heute lediglich eine Grundsatzentscheidung getroffen, dass zwei Vorstände gehen sollen. Konkrete Personalentscheidungen wurden heute noch nicht gefasst, „um nach eingehenden Beratungen und nach Auslotung von Möglichkeiten für eine einvernehmliche Lösung mit den betroffenen Vorstandsmitgliedern darüber zu entscheiden“, teilte die Bank nach dem Treffen mit. Angeblich gibt es vor allem noch arbeitsrechtliche Probleme, weil Blessing die Ablösung von zwei Vorständen kurzfristig verlangt hatte.

Das Handelsblatt hatte berichtet, die für die Abwicklungssparte NCA zuständigen Manager Jochen Klösges und Ulrich Siebe sollten das Haus verlassen. Vor allem Siebers Abberufung gilt als umstritten, da er auch Arbeitsdirektor ist. Der Gesamtbetriebsratschef der Commerzbank, Uwe Tschäge, hatte gegenüber dem Handelsblatt die Kommunikationspolitik bei der Entscheidung kritisiert: „Das ist nicht mit uns beraten worden“, sagte Tschäge, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Instituts ist.

Im Kontrollgremium gibt es Bedenken, was geschieht, wenn sich die beiden Manager gegen ihre Demission vor Gericht zur Wehr setzen sollten. Rein rechtlich steht die Abberufung auf wackeligen Beinen. Vorstände können laut Aktiengesetz nur aus „wichtigem Grund“ vorzeitig aus ihrem Dienstvertrag entlassen werden. Im Gesetz erwähnt sind Gründe wie grobe Pflichtverletzung, Unfähigkeit zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung oder Vertrauensentzug durch die Hauptversammlung.

Doch niemand wirft Sieber und Klösges etwas Derartiges vor. Die Bank begründet ihren Schritt vielmehr organisatorisch. Sie sagt, dass die Abwicklung der Altlasten schneller Fortschritte macht als erwartet - und argumentiert damit, dass sie die Aufgaben umorganisieren will.

Blessing will nicht nur im Vorstand umbauen. Im Intranet der Bank erläuterte er seine Pläne ausführlicher: „Ziel ist es, Bürokratie weiter abzubauen, Entscheidungen schneller zu treffen und insgesamt als Commerzbank wieder agiler zu werden. Derzeit haben wir 55 Führungskräfte auf der ersten Ebene. Diese Zahl werden wir um rund 20 Prozent reduzieren. Auch die zweite Führungsebene werden wir verkleinern, da wir hier ebenfalls Überkapazitäten haben.“ Bis Jahresende solle der Abbau durch sein.

Die Commerzbank wird für das zweite Quartal am Mittwochabend oder Donnerstagmorgen voraussichtlich einen schweren Gewinneinbruch melden. Den Ergebnissen einer Umfrage unter fünf Analysten zufolge wird der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 91 Prozent auf 24 Millionen Euro schrumpfen. Hauptgrund für die schwache Gewinnentwicklung ist die voraussichtlich erheblich ausgeweitete Risikovorsorge im Kreditgeschäft. Laut den befragten Analysten wird sie um 26 Prozent höher liegen und 511 Millionen Euro erreichen.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Verkleinerung beschlossen: Commerzbank streitet um Vorstände"

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  • Blessing räumt auf? Wie kann es sein, das Manager, Experten, überbezahlt und belohnt mit Boni, langfristige Verträge zu horrende Konditionen erhalten, nur um ein paar Tage wieder entlassen zu werden? Wieso werden Mitarbeiter derart verachtet, da sie doch wirklich arbeiten. Warum tragen die Manger, experten nicht die Kopsten, die sie vorsätzlich verursacht haben. Laien sagen: Manager, Experten haben vorsätzlich versagt!!!

  • Trotz mieser Zahlen, endlich ein Zeichen, auch bei Vorständen zu sparen und nicht nur Entlassungen beim Fussvolk anzukündigen. Bleibt zu hoffen, dass auch einige Bereichs- und Abteilungsleiter im zweiten Schritt freigesetzt werden und die Rentabilität des Institutes steigt.

    Ähnliches würde man sich bei Deka und LBB im Sparkassensektor wünschen, wo trotz Reduzierung des Kapitalmartktgeschäftes und vorgesehenem Personalabbau die Zahl der Häuptlige erhalten bleibt oder ausgebaut wird.

    Stattdessen lamentieren aber die Sparkassenvorstände darüber, dass Ihnen angeblich die CoBank das Mittelstandsgeschäft kaputt macht. Soviel gestörte Wahrnehmung hatte doch bisher nur der Vorstand der 2005 abgesetzte Vorstand der IKB.

  • Traurig! ... aber wahr?
    Hier glaubt doch hoffentlich wirklich niemand, dass so träge Schiffe wie der Tanker Commerzbank so leicht umzusteuern sind, selbst wenn die Köpfe abgeschlagen werden. Eine Gesundung bedarf jahrelanger Geduld und eines Hoffnungsklimas in der gesamten Belegschaft, den Sachzwängen des Wettbewerbs zu entkommen oder zumindest Paroli zu bieten.

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